Neue Zementanlage in Heidenheim: CO2 soll leichter weg
- In Baden-Württemberg wird an klimafreundlichem Zement geforscht.
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Heidenheim. Für Bauen und Wohnen könnte klimafreundlicherer Zement langfristig wichtiger werden. Im Heidenheimer Stadtteil Mergelstetten soll eine neue Pilotanlage zeigen, wie sich das bei einem besonders CO2 intensiven Baustoff erreichen lässt.
Die Forschungsanlage produziert nach Betreiberangaben täglich bis zu 450 Tonnen Klinker. Klinker ist der Hauptbestandteil von Zement und sorgt später für die Festigkeit. Der Unterschied zu herkömmlichen Werken liegt im Ofen: Statt Luft wird reiner Sauerstoff eingesetzt.
Warum das Verfahren als Fortschritt gilt
Bei der üblichen Zementherstellung wird Kalkstein mit weiteren Stoffen in einem Drehofen auf rund 1450 Grad erhitzt. Dabei entstehen große Mengen Kohlendioxid. Weil bisher Luft eingeblasen wird, fällt zusätzlich viel Stickstoff an. Das erschwert es, das CO2 abzuscheiden.
Mit reinem Sauerstoff entsteht laut den Betreibern dagegen ein nahezu reiner CO2 Strom. Das abgeschiedene Kohlendioxid lässt sich damit einfacher auffangen. Es könnte später weiterverwendet werden, etwa für Feuerlöscher oder in der Getränkeindustrie. Möglich wäre auch eine dauerhafte Speicherung, zum Beispiel in geologischen Lagerstätten unter der Nordsee.
Noch ist die Anlage ein Praxistest
In Heidenheim läuft kein Regelbetrieb, sondern ein Test unter realen Bedingungen. Vier europäische Zementhersteller haben nach Betreiberangaben mehr als 120 Millionen Euro investiert. Ziel ist es, Erfahrungen für spätere Großanlagen zu sammeln.
Die Technik gehört zum Portfolio von Thyssenkrupp Calvion, einer Tochter der thyssenkrupp Polysius GmbH. Nach Angaben des Unternehmens handelt es sich um die weltweit erste Forschungsanlage dieser Art mit eigener Klinkerlinie. Die grundsätzliche Funktionsfähigkeit sei nachgewiesen. Offen ist noch, ob sich das Verfahren auch im industriellen Maßstab bewährt.
Entscheidend bleibt die CO2 Infrastruktur
Für das Kohlendioxid aus der Pilotanlage gibt es laut Unternehmenssprecherin Hannah Berse bislang keine konkrete Verwendung. Ob CO2 aus solchen Werken später genutzt oder gespeichert werden kann, hängt vor allem an Leitungen, Terminals und rechtlichen Vorgaben.
Der Bundestag hatte Anfang des Jahres die rechtlichen Voraussetzungen für den Einsatz der CCS Technologie geschaffen. Damit darf CO2 aus der Zement und Kalkproduktion aufgefangen und dauerhaft im Meeresboden gespeichert werden. In Schutzgebieten bleibt das ausgeschlossen.
Das Bundeswirtschaftsministerium rechnet damit, dass der Aufbau der nötigen Transport und Speicherinfrastruktur sieben bis zehn Jahre dauern kann. Für Baden Württemberg und die Klimaziele der Industrie heißt das: Nicht nur der neue Ofen in Heidenheim ist wichtig, sondern auch das Tempo beim Netz für Transport und Speicherung. dpa/red
Autor:Anouar Touir aus Ludwigshafen |