Minijob-Reform in Baden-Württemberg: 1,24 Millionen betroffen
- In der Gastronomie arbeiten besonders viele Minijobber. (Symbolbild)
- Foto: Bernd Weißbrod/dpa
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Baden-Württemberg. Für Hunderttausende Menschen im Land könnte sich beim Nebenverdienst und bei der Absicherung im Alter bald Grundlegendes ändern. In Baden-Württemberg hatten zur Jahresmitte 1,24 Millionen Menschen einen Minijob.
Eine Reform ist zwar noch nicht beschlossen. Auslöser ist aber ein Vorschlag einer Kommission zur Rentenreform für die Bundesregierung. Demnach sollen Minijobs in die Rentenversicherung einbezogen werden. Ihr steuerlicher und sozialversicherungsrechtlicher Sonderstatus würde entfallen. Ausnahmen wären nach den Vorschlägen nur für Schülerinnen und Schüler vorgesehen.
Wie viele Menschen im Südwesten betroffen wären
Am direktesten träfe eine Abschaffung der bisherigen Minijob-Regelung gut 634.000 Menschen in Baden-Württemberg. Sie waren ausschließlich geringfügig beschäftigt und hatten keinen sozialversicherungspflichtigen Hauptjob. Fast 60 Prozent dieser Gruppe waren Frauen.
Weitere rund 604.000 Menschen übten ihren Minijob zusätzlich zu einer regulären Stelle aus. Wie viele Schülerinnen und Schüler im Land einen Minijob haben, geht aus den verfügbaren Daten nicht hervor. Die Zahlen stammen von der Bundesagentur für Arbeit. Nach Angaben des Statistischen Landesamtes gilt die Jahresmitte als repräsentativer Jahreswert.
Diese Branchen wären besonders betroffen
Besonders viele Minijobber arbeiten in Baden-Württemberg im Handel und im Gastgewerbe.
- Handel: mehr als 191.000 Minijobber
- Gastgewerbe: gut 172.000 Minijobber
- Sonstige wirtschaftliche Dienstleistungen wie Gebäudebetreuung und Reinigung: rund 150.000
- Gesundheits- und Sozialwesen: rund 119.000
- Industrie: rund 107.000
Zusammen entfallen fast ein Drittel aller Minijobs im Land auf Handel und Gastgewerbe. Insgesamt liegen rund 84 Prozent aller Minijobs in Baden-Württemberg im Dienstleistungssektor.
Warum Verbände vor Folgen warnen
Das Gastgewerbe hält Minijobs für wichtig, um saisonale und kurzfristige Spitzen aufzufangen. Der Deutsche Hotel- und Gaststättenverband im Südwesten verweist etwa auf volle Biergärten im Sommer, Hochzeitsfeiern und Weihnachtsmärkte. Ohne Minijobber drohten aus Sicht des Verbands Einschränkungen bei Speisekarten und Öffnungszeiten. Im schlimmsten Fall seien auch Schließungen denkbar. Besonders kleine Betriebe auf dem Land sähen erhebliche Probleme.
Auch der Handel warnt vor praktischen Folgen. Nach Einschätzung des Handelsverbands sind flexible Beschäftigungsmodelle vor allem vor Feiertagen, an Samstagen und in den Abendstunden wichtig. Viele Unternehmen hätten schon jetzt Schwierigkeiten, ausreichend Personal zu finden. Minijobs vollständig durch Vollzeitstellen zu ersetzen, gilt dort als kaum realistisch.
Was bislang feststeht
Beschlossen ist die Reform bisher nicht. In den kommenden Monaten sind noch Änderungen möglich. Klar ist bislang nur, dass die Debatte für viele Beschäftigte und für zahlreiche Betriebe im Südwesten relevant werden dürfte. dpa/red
Autor:Cornelia Bauer aus Speyer |
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