Kurssturz bei SAP in Walldorf: Warum die Aktie so stark fiel
- SAP: Aktie unter Druck. (Archivbild)
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Walldorf. Für Anleger steht vor den Halbjahreszahlen am Mittwoch, 22. Juli, vor allem eine Frage im Mittelpunkt: Warum ist die SAP-Aktie seit ihrem Hoch so deutlich gefallen. Der Softwarekonzern aus Walldorf in Baden-Württemberg zählte lange zu den wertvollsten Unternehmen im Dax. Inzwischen liegt SAP hinter Siemens und ringt mit der Allianz um Platz zwei.
Wie stark die Aktie gefallen ist
Am 19. Februar erreichte die SAP-Aktie ein Allzeithoch von rund 284 Euro. Zuletzt lag der Kurs bei weniger als 140 Euro. Damit hat sich der Börsenwert binnen knapp eineinhalb Jahren etwas mehr als halbiert.
Womit SAP sein Geld verdient
SAP entwickelt Software für die Steuerung von Unternehmen. Darüber laufen etwa Finanzwesen, Personal, Fertigung, Vertrieb und Beschaffung. Gegründet wurde das Unternehmen 1972 von fünf früheren IBM-Mitarbeitern, darunter Dietmar Hopp und Hasso Plattner.
Lange setzte SAP auf Programme, die direkt auf den Servern der Kunden liefen. In den vergangenen Jahren trieb Konzernchef Christian Klein den Umbau in die Cloud voran. Statt hoher Einmalzahlungen sollen Kunden laufende Abogebühren zahlen. Dieses Modell gilt in der Branche als Software-as-a-Service, kurz SaaS. Für Kunden erleichtert das schnellere Updates und neue Anwendungen, etwa rund um Künstliche Intelligenz.
Warum KI für SAP Chance und Risiko zugleich ist
Künstliche Intelligenz ist für SAP derzeit das zentrale Thema. Auf einer Kundenkonferenz Mitte Mai in den USA stellte der Konzern das „autonome Unternehmen“ vor. KI-Agenten sollen in Geschäftsprozessen, Daten und Steuerung eingebunden werden und so Ergebnisse liefern und Kosten senken.
Genau hier liegen aber auch die Sorgen am Markt. Analyst Oliver Frey vom Bankhaus Metzler verweist auf die Debatte um eine „SaaS-Apokalypse“. Gemeint ist die Befürchtung, dass KI-Agenten künftig Aufgaben selbstständig übernehmen könnten, für die Softwareanbieter bislang klassische Lizenzen oder Nutzerabos verkaufen. Das würde nicht nur SAP treffen, sondern große Teile der Softwarebranche.
Nach Einschätzung von Frey diskutiert der Markt vor allem darüber, wer künftig die Steuerungsebene über diese KI-Anwendungen kontrolliert. Die Sorge lautet, dass SAP dabei an Einfluss verlieren und eher zum Datenlieferanten werden könnte. Zugleich sieht der Analyst gerade in den über Jahrzehnte gewachsenen Systemen und Datenbeständen eine besondere Stärke des Konzerns.
Operativ lief das Geschäft zuletzt solide
Trotz der Kursschwäche entwickelte sich das operative Geschäft zuletzt vergleichsweise robust. 2025 stieg der Erlös dank des Cloudgeschäfts um acht Prozent auf 36,8 Milliarden Euro. Das bereinigte operative Ergebnis legte auch wegen Einsparungen im Zuge eines großen Personalumbaus um 28 Prozent auf 10,4 Milliarden Euro zu. Der Nettogewinn wuchs auf 7,5 Milliarden Euro und lag damit mehr als doppelt so hoch wie im Vorjahr.
Allerdings stellte SAP bei den Zahlen zum ersten Quartal für das laufende Jahr ein zunächst langsameres Wachstum in Aussicht. Auch das belastete die Stimmung an der Börse.
Was Analysten und SAP selbst sagen
LBBW-Analyst Mirko Maier sieht in der KI-Debatte einen der Hauptauslöser für den deutlichen Kursrückgang. SAP habe den Wandel vom klassischen Lizenzanbieter zum Cloudkonzern gerade erst geschafft. Nun stelle sich für Investoren die Frage, ob der nächste technologische Umbruch erneut Jahre dauern und die Erträge belasten könnte.
SAP selbst verweist auf die allgemeine Marktvolatilität, geopolitische Unsicherheiten und veränderte Anlegerpräferenzen im Technologiesektor. Diese seien zuletzt besonders durch die Dynamik rund um Künstliche Intelligenz geprägt gewesen. Konzernchef Klein sagte dem „Manager Magazin“ Ende Januar, der Druck treffe nahezu die gesamte Softwareindustrie. Zugleich zeigte er sich überzeugt, dass SAP den Trend wieder drehen könne. dpa/red
Autor:Cornelia Bauer aus Speyer |
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