Firmensterben im Südwesten: Insolvenzen nehmen massiv zu

Die Zahl der Insolvenzen im Südwesten steigt. (Symbolbild) | Foto: Marijan Murat/dpa
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Baden-Württemberg. Mehr Unternehmensinsolvenzen betreffen Wirtschaft und Arbeitsplätze im Südwesten. Im ersten Halbjahr haben nach Schätzungen der Wirtschaftsauskunftei Creditreform rund 1.630 Firmen in Baden-Württemberg Insolvenz angemeldet. Das sind 27,3 Prozent mehr als im gleichen Zeitraum des Vorjahres.

Damit liegt der Südwesten deutlich über dem bundesweiten Anstieg von 7,8 Prozent. Unter den Flächenländern ist es der zweithöchste Zuwachs. Auch die sogenannte Insolvenzquote ist gestiegen.

Mit 76 Pleiten je 10.000 Unternehmen steht Baden-Württemberg im Vergleich der Bundesländer dennoch relativ stabil da. Ein Jahr zuvor lag die Quote bei 67. Deutschlandweit beträgt der Durchschnitt 82 Insolvenzen pro 10.000 Firmen. Besonders hoch ist der Wert in Berlin mit 120. Deutlich niedriger fällt er in Mecklenburg-Vorpommern mit 38 und Thüringen mit 37 aus.

Nach Einschätzung von Creditreform spielen mehrere Faktoren eine Rolle für die Unterschiede zwischen den Ländern. Dazu zählt vor allem der Branchenmix. Regionen mit vielen Betrieben aus Baugewerbe, Einzelhandel oder Gastgewerbe verzeichnen häufig höhere Insolvenzquoten. Auch Kaufkraft und Arbeitsmarktlage beeinflussen die wirtschaftliche Stabilität.

Ölpreisschock verschärft die Lage

Bundesweit rechnen Experten bis zum Ende des ersten Halbjahres mit rund 12.900 Firmeninsolvenzen. Das wäre der höchste Wert für ein erstes Halbjahr seit 2013. Creditreform-Forscher Patrik-Ludwig Hantzsch erwartet vorerst keine schnelle Entspannung. „Der Pleite-Höhepunkt ist noch nicht erreicht.“ Eine Stabilisierung sei erst möglich, wenn die Wirtschaft wieder wachse. Nach aktuellem Stand frühestens im Jahr 2027.

Unternehmen kämpfen laut Creditreform mit mehreren Belastungen. Dazu zählen hohe Energiepreise, zurückhaltende Verbraucher und bürokratische Anforderungen. Auch der Konflikt im Nahen Osten habe die Lage durch steigende Energie- und Rohstoffpreise zusätzlich verschärft.

Insolvenzen steigen seit mehreren Jahren

Der aktuelle Anstieg setzt einen Trend fort. Im Jahr 2025 meldeten in Baden-Württemberg nach Angaben des Statistischen Landesamts 2.706 Unternehmen Insolvenz. Das waren fast elf Prozent mehr als im Jahr zuvor. Besonders betroffen waren Betriebe aus dem Baugewerbe und dem Handel. Die Forderungen der Gläubiger summierten sich auf knapp fünf Milliarden Euro.

Beispiele aus dem Südwesten zeigen die Entwicklung. Mitte Juni meldete die Schussenrieder Brauerei Ott aus dem Landkreis Biberach Insolvenz an. Der Familienbetrieb besteht seit mehr als 120 Jahren und beschäftigt rund 40 Menschen. Auch andere Unternehmen wie das Stuttgarter Marienhospital oder die Spedition Betz International gerieten zuletzt in wirtschaftliche Schwierigkeiten. dpa/red

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Cornelia Bauer aus Speyer

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