Fachkräftemangel trotz Konjunkturflaute: Pflege und Handwerk suchen händeringend
- Die aktuellen Zahlen der Bundesagentur für Arbeit zeigen vielmehr einen Arbeitsmarkt im Wandel: Die Konjunktur dämpft kurzfristig die Nachfrage, während der demografische Wandel langfristig das Angebot an Arbeitskräften verkleinert. Zuwanderung und die Integration ausländischer Beschäftigter werden deshalb für viele Branchen immer wichtiger.
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Wirtschaft. Trotz schwacher Konjunktur bleibt der Fachkräftemangel in Deutschland ein großes Problem. 2025 gab es zwar etwas weniger Engpassberufe als im Vorjahr – doch vor allem Pflege, Gesundheit, Handwerk und soziale Berufe kämpfen weiterhin mit fehlenden Fachkräften. Gleichzeitig wächst die Bedeutung ausländischer Beschäftigter.
Der deutsche Arbeitsmarkt steht vor einem Spannungsfeld: Die schwache Konjunktur bremst derzeit die Nachfrage nach neuen Mitarbeitern. Gleichzeitig sorgt der demografische Wandel dafür, dass langfristig immer mehr Arbeitskräfte fehlen. Das zeigt die aktuelle Fachkräfteengpassanalyse der Bundesagentur für Arbeit (BA).
Demnach wurden für das Jahr 2025 insgesamt 157 Berufsgattungen mit einem Fachkräfteengpass festgestellt. Das sind sechs weniger als im Vorjahr. Von einer Entspannung auf dem Arbeitsmarkt kann dennoch keine Rede sein.
„Auch wenn die Zahl der Engpassberufe erneut etwas zurückgegangen ist, bleibt die Fachkräftesicherung eine zentrale Herausforderung“, erklärt BA-Vorstandsvorsitzende Andrea Nahles. Die Folgen des demografischen Wandels würden den Arbeitsmarkt langfristig deutlich stärker prägen. Gleichzeitig werde Zuwanderung für die Sicherung von Fachkräften weiter an Bedeutung gewinnen.
Pflege und Gesundheit besonders stark betroffen
Zu den Berufen mit den größten Engpässen gehören weiterhin zahlreiche Pflege- und Gesundheitsberufe. Auch in Bau- und Handwerksberufen fehlen qualifizierte Arbeitskräfte. Gesucht werden außerdem unter anderem Köchinnen und Köche, Berufskraftfahrerinnen und Berufskraftfahrer sowie Erzieherinnen und Erzieher.
Gleichzeitig hat sich die Situation in einigen Bereichen verändert. Für 2025 wurden beispielsweise keine Engpässe mehr in der spanenden Metallbearbeitung, im IT-Vertrieb und in der Softwareentwicklung festgestellt. Neu beziehungsweise erneut als Engpassberufe eingestuft wurden dagegen unter anderem Tätigkeiten in der Vermessungstechnik sowie der Sozialarbeit und Sozialpädagogik.
Ausländische Beschäftigte werden immer wichtiger
Besonders deutlich zeigt sich die Veränderung beim Blick auf die Herkunft der Beschäftigten. In den Engpassberufen hat sich der Anteil ausländischer Beschäftigter seit 2014 von sieben auf rund 14 Prozent verdoppelt. Während die Zahl deutscher Beschäftigter in vielen Fachkrafttätigkeiten aufgrund des demografischen Wandels zurückgeht, können ausländische Beschäftigte diese Entwicklung zumindest teilweise ausgleichen.
Pflege ist ein besonders deutliches Beispiel
Wie stark sich dieser Wandel auswirkt, zeigt der Bereich Pflege. Im Vergleich zum Juni 2024 sank die Zahl der Beschäftigten mit deutscher Staatsangehörigkeit dort um rund 5.000. Gleichzeitig stieg die Zahl der Beschäftigten mit ausländischer Staatsangehörigkeit um 46.000. Krankenhäuser und Pflegeeinrichtungen sind damit zunehmend auf ausländische Fachkräfte angewiesen, um die medizinische und pflegerische Versorgung aufrechterhalten zu können.
Jede zweite gemeldete Stelle betrifft einen Engpassberuf
Auch die Zahl der offenen Stellen macht die Situation deutlich. Im Jahresdurchschnitt 2025 waren rund 402.000 sozialversicherungspflichtige Stellen für Fachkräfte, Spezialisten und Experten bei der Bundesagentur für Arbeit gemeldet. Ein großer Teil dieser Stellen entfiel auf Berufe, in denen Fachkräfte besonders knapp sind. Dem steht ein deutlich anderes Bild bei den Arbeitslosen gegenüber: Nur etwa jede fünfte arbeitslose Fachkraft suchte eine Beschäftigung in einem Engpassberuf.
Arbeitsmarkt vor einem doppelten Problem
Die Zahlen zeigen damit nicht nur einen Mangel an Arbeitskräften, sondern auch ein Mismatch auf dem Arbeitsmarkt. Angebot und Nachfrage passen häufig nicht zusammen – etwa weil Qualifikationen, Berufe oder Regionen nicht übereinstimmen. Die aktuelle Konjunkturschwäche kann den Bedarf an neuen Beschäftigten zwar vorübergehend bremsen. Das grundsätzliche Problem dürfte dadurch aber nicht verschwinden. Denn während Unternehmen aktuell teilweise zurückhaltender einstellen, erreichen gleichzeitig immer mehr Beschäftigte das Rentenalter. Jüngere Arbeitskräfte können diese ausscheidenden Jahrgänge zahlenmäßig nicht vollständig ersetzen.
Der Fachkräftemangel dürfte deshalb auch in wirtschaftlich schwierigeren Zeiten ein wichtiges Thema bleiben. Besonders für Pflege, Gesundheit, Handwerk, Bau, Erziehung und soziale Berufe wird die Gewinnung neuer Mitarbeiter zu einer langfristigen Herausforderung.
Die Fachkräfteengpassanalyse der Bundesagentur für Arbeit ermöglicht einen detaillierten Blick auf die Entwicklung. Neben einer Übersicht über die Engpassberufe können auch zeitliche Entwicklungen und regionale Unterschiede betrachtet werden. Damit lässt sich erkennen, in welchen Berufen und Regionen Fachkräfte besonders dringend gesucht werden – und wo sich die Situation möglicherweise entspannt hat.
Zuwanderung wird wichtiger
Weniger Engpassberufe bedeuten nicht automatisch weniger Fachkräftemangel. Die aktuellen Zahlen der Bundesagentur für Arbeit zeigen vielmehr einen Arbeitsmarkt im Wandel: Die Konjunktur dämpft kurzfristig die Nachfrage, während der demografische Wandel langfristig das Angebot an Arbeitskräften verkleinert. Zuwanderung und die Integration ausländischer Beschäftigter werden deshalb für viele Branchen immer wichtiger. Besonders in der Pflege zeigt sich bereits heute, wie stark Unternehmen und Einrichtungen auf internationale Fachkräfte angewiesen sind.
Hier gibt es den Bericht zum Nachlesen
Autor:Heike Schwitalla aus Germersheim |
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