Extrem-Dürre: Milchbauern müssen Futter zulegen – oder Kühe schlachten
- Der Mais, die wichtigste Futtergrundlage für die Kühe von Landwirt Harald Gronbach, geht in Notreife.
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Crailsheim. Die lange Trockenheit bedroht im Raum Crailsheim die Futterversorgung von Milchviehbetrieben und kann damit auch für Verbraucher ein Warnsignal für die Lage in der Landwirtschaft sein. Auf einem Hof im Stadtteil Ingersheim zeigt sich besonders deutlich, wie stark Hitze und ausbleibender Regen Felder und Tiere unter Druck setzen.
Landwirt Harald Gronbach berichtet, dass sein Mais bereits in Notreife geht. Statt wie üblich erst Ende September muss er die Pflanzen schon in der Woche ab Montag, 17. August, häckseln. Der Mais ist für seinen Familienbetrieb mit rund 130 Milchkühen die wichtigste Futtergrundlage für Herbst und Winter.
Futter muss zugekauft werden
Ohne zusätzlichen Zukauf kommt der Betrieb nach Einschätzung des 59-Jährigen nicht durch die nächsten Monate. Wenn kein Futter beschafft werden kann, droht nach seinen Worten sogar, dass einzelne Tiere geschlachtet werden müssen, um andere weiter versorgen zu können. Einige ältere Kühe und Tiere, die sich weniger für die Zucht eigneten, sind demnach bereits geschlachtet worden.
Gronbach spricht von einer außergewöhnlich langen Trockenphase. Regen sei vorerst nicht in Sicht. In anderen Gegenden habe es durchaus Niederschläge gegeben, im Hohenlohischen aber deutlich zu wenig.
Noch extremer als frühere Dürrejahre
Der Landwirt hat nach eigenen Angaben schon mehrere trockene Sommer erlebt, darunter 1976, 2003, 2006 und 2013. Das laufende Jahr empfindet er jedoch als noch extremer, weil die Trockenheit sehr lange andauere und ein Wetterumschwung bisher nicht absehbar sei.
Im Stall versucht der Betrieb, die Tiere mit großen Ventilatoren zu entlasten. Nach Gronbachs Erfahrung kommen Kühe mit Temperaturen bis 30 Grad noch vergleichsweise gut zurecht. Kritisch werde es bei mehr als 35 Grad. Nähert sich die Hitze 40 Grad, kommt zusätzlich eine Viehdusche zum Einsatz.
Land prüft Hilfen für Bauern
Mit den Problemen steht der Betrieb nicht allein da. Das Land Baden-Württemberg hat Hilfen für die Landwirtschaft angekündigt. Brachflächen sollen vorübergehend für die Futtermittelproduktion genutzt werden können. Ökobetriebe dürfen bereits konventionelles Grünland- und Ackerfutter zukaufen. Außerdem wird geprüft, ob Transport- und Beschaffungskosten bezuschusst werden können.
Die Lage trifft eine Branche, die seit Jahren unter Druck steht. Nach den genannten Zahlen ist der Milchkuhbestand im Südwesten zuletzt auf 301100 Tiere gesunken. Die Zahl der Milchviehhalter lag bei 4890 Betrieben und damit nur noch etwa halb so hoch wie vor 15 Jahren. Auch der Rinderbestand ging in diesem Zeitraum deutlich zurück.
Weniger Spielraum für Investitionen
Für den Hof in Ingersheim hat die Dürre auch Folgen für die Planung. Größere Investitionen will Gronbach vorerst vermeiden. Der Grund ist die Unsicherheit, wie viel Geld in den kommenden Monaten für zusätzliches Futter ausgegeben werden muss. Hinzu kommt, dass die angebotene Qualität beim Silomais nach seiner Einschätzung derzeit nur mäßig ist.
Sollten die Angebote in der Region zu teuer bleiben, müsste Futter aus weiter entfernten Gebieten beschafft werden, in denen mehr Regen gefallen ist. Trotz der angespannten Lage zeigt sich der Landwirt vorsichtig zuversichtlich. Er hoffe, dass sich die Situation noch entspanne und der Betrieb das Dilemma bewältigen könne. dpa/red
Autor:Cornelia Bauer aus Speyer |
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