VfB-Para-Leichtathlet Niko Kappel vor Weltrekord-Angriff beim ISTAF in Berlin
- Niko Kappel vom VfB Stuttgart richtet den Fokus auf das ISTAF Berlin im Para-Kugelstoßen.
- Foto: Anouar Touir
- hochgeladen von Wochenblatt Redaktion
Stuttgart. Niko Kappel richtet den Blick nach der abgesagten Para-Leichtathletik-EM auf das ISTAF Berlin. Der Kugelstoß-Weltrekordhalter des VfB Stuttgart spricht in einem Vereinsinterview über seine Saison nach einer Ellenbogen-Operation, fehlende Wettkampfhöhepunkte und seine Ziele bis zu den Paralympics in Los Angeles 2028.
Kappel nach Ellenbogen-OP wieder nah am Topniveau
Nach der WM im vergangenen Jahr musste Kappel am Ellenbogen operiert werden, weil sich dort ein freier Gelenkkörper gebildet hatte. Die Verletzung sei nicht dramatisch gewesen, der Eingriff aber notwendig. In dieser Saison sei er ohne größere Verletzungsprobleme geblieben und wieder sehr nah an sein Leistungsniveau herangekommen.
Sportlich bewertet Kappel die Saison trotz der Vorgeschichte positiv. Die Hallensaison ließ er aus, der Einstieg in die Freiluftsaison verlief nach eigenen Angaben zunächst schwierig. Danach habe er mehrere starke Wettkämpfe absolviert. Sein Weltrekord liegt bei 15,07 Metern, in diesem Jahr stieß er 15,04 Meter und 14,92 Meter.
Absage der EM bleibt ohne offizielle Begründung
Eigentlich hätte Kappel in diesem Jahr bei einer Europameisterschaft starten sollen. Eine offizielle Begründung für die Absage gibt es laut dem VfB-Interview bis heute nicht. Paris galt demnach lange als möglicher Austragungsort, sagte aber ebenso ab wie andere potenzielle Gastgeber.
Als möglicher Grund steht laut Kappel die Diskussion um die vollständige Wiederzulassung russischer Athleten im Raum. Ob dies ausschlaggebend war oder finanzielle Aspekte eine Rolle spielten, lasse sich nicht sagen. Für die Athleten sei es frustrierend, dass in anderen Kontinenten Meisterschaften stattfinden, in Europa aber kein Titelkampf ausgetragen wird.
ISTAF Berlin wird zum Saisonhöhepunkt
Nach der EM-Absage wurde Kappels Saison neu geplant. Kurz darauf erhielt er die Einladung zum ISTAF Berlin. Das Meeting im Olympiastadion bezeichnet der VfB-Athlet als echten Wettkampf und sportliches Highlight. Dort will er nach eigenen Angaben die drei Zentimeter angreifen, die ihm in diesem Jahr noch zu seinem Weltrekord fehlen.
Sportpsychologie und Ziele bis Los Angeles
Seit dem Frühjahr arbeitet Kappel mit einer Sportpsychologin zusammen. Als wichtiges Ergebnis beschreibt er, stärker dem eigenen Gefühl und dem eigenen Kopf zu vertrauen. Mit Blick auf die kommenden großen Wettkämpfe wolle er nichts dem Zufall überlassen. Sein Ziel sei es, noch einmal Weltmeister zu werden und paralympisches Gold zu gewinnen.
In der Zusammenarbeit sei für ihn besonders die Frage hängen geblieben, ob der Wunsch nach Gold aus dem Kopf oder aus dem Herzen komme. Kappel beschreibt das Gefühl beim Abwurf als entscheidend: Oft merke er schon in dem Moment, in dem die Kugel die Hand verlässt, ob ein Versuch gelungen ist.
Austausch im VfB und soziales Projekt
Innerhalb der VfB-Leichtathletik steht Kappel regelmäßig mit Sandrina Sprengel in Kontakt, weil beide sich häufig in der Halle oder auf dem Trainingsplatz sehen. Mit Leo Neugebauer sei der Austausch wegen der räumlichen Distanz schwieriger, da Neugebauer in Texas lebt und Kappel in Stuttgart trainiert.
Neben dem Leistungssport verweist Kappel auf die Charity-Gala „Kleinformat“. Im vergangenen Jahr wurden nach seinen Angaben 21.000 Euro für soziale Projekte gesammelt. Inzwischen sei daraus eine gemeinnützige Organisation entstanden. In diesem Jahr sollen, wenn alles nach Plan läuft, zwischen 60.000 und 90.000 Euro ausgeschüttet werden, vor allem zur Unterstützung von Kindern und Jugendlichen.
Das ISTAF Berlin findet am 30. August im Olympiastadion statt. Laut aktuellem Zeitplan geht Niko Kappel um 12.10 Uhr im Para-Kugelstoßen Mixed an den Start.
Autor:Ralf Vester aus Kaiserslautern |