Scharfe Kritik aus Freiburg: Streich greift FIFA-Präsident Infantino an
- Christian Streich kritisiert Gianni Infantino scharf (Archivfoto)
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Freiburg. Kurz vor dem WM-Eröffnungsspiel sorgt Ex-Trainer Christian Streich aus Freiburg mit deutlicher Kritik an FIFA-Präsident Gianni Infantino und dessen Umgang mit US-Präsident Donald Trump für Aufmerksamkeit.
Der langjährige Coach des SC Freiburg warf der FIFA eine fragwürdige Machtdemonstration vor. „Eine solche Inszenierung von wenigen Menschen an der Macht, die sich dann teilweise noch die Behauptung erlauben, sie würden demokratische Werte schützen, ist natürlich eine Unverfrorenheit, die einen sprachlos macht“, sagte Streich im Interview mit dem Fachmagazin „kicker“. Am Donnerstag, 11. Juni, tritt der 61-Jährige beim WM-Eröffnungsspiel zudem als TV-Experte im ZDF auf.
Kritik an Nähe zu Donald Trump
Streich äußerte „echte Bedenken“, dass Vorgänge, die früher eher im Hintergrund passiert seien, inzwischen öffentlich inszeniert würden. Als Beispiel nannte er die Verleihung eines von der FIFA geschaffenen Friedenspreises an Trump im Dezember. Solche Bilder würden Fragen aufwerfen. Gleichzeitig stellte Streich fest, dass ihn die Entwicklung kaum noch überrasche.
WM-Aufstockung mit gemischten Folgen
Auch zur Aufstockung der Fußball-Weltmeisterschaft auf 48 Teilnehmer äußerte sich der frühere Bundesliga-Trainer differenziert. Kritiker sehen darin vor allem wirtschaftliche Interessen der FIFA.
Streich erkennt jedoch auch einen Vorteil für kleinere Fußballverbände. Nationen wie Curaçao oder Kap Verde könnten sich sportlich qualifizieren und durch FIFA-Honorare zusätzliche Einnahmen erhalten.
„Wir können als große Fußballnation, die sich bisher immer für die WM qualifiziert hat, nicht den Anspruch ableiten, nur mit 16 oder 24 spielen zu wollen. Das wäre Herrschaftsdenken der Mächtigen“, sagte Streich.
Deutliche Worte zu Ticketpreisen
Besonders scharf fiel seine Kritik an den Eintrittspreisen aus. „Was da aktuell bei der WM mit den Tickets passiert, ist pervers. Profitmaximierung um jeden Preis und eben auf Kosten vieler Menschen“, erklärte der 61-Jährige.
Der Fußball verliere damit einen Teil seiner gesellschaftlichen Funktion. Sport sei einer der wenigen Orte, an denen Menschen aus unterschiedlichen sozialen Gruppen zusammenkämen.
Freude am Spiel bleibt
Trotz der Kritik will sich Streich die Begeisterung für Fußball nicht nehmen lassen. Für ihn gehöre das Spiel allen Menschen. „Ich habe irgendwann gedacht. Wem gehört eigentlich das Spiel. Allen. Und ich bin einer davon“, sagte der frühere Freiburg-Coach. Die Freude am Fußball solle nicht durch das Verhalten einzelner Verantwortlicher verloren gehen. dpa/red
Autor:Ralf Vester aus Kaiserslautern |