Mainz 05 erinnert an den freiwilligen Rückzug aus Liga zwei

Mainz 05 blickt auf den freiwilligen Rückzug aus der 2. Bundesliga im Juni 1976 zurück. | Foto: Anouar Touir
  • Mainz 05 blickt auf den freiwilligen Rückzug aus der 2. Bundesliga im Juni 1976 zurück.
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Fußball. Der FSV Mainz 05 hat an eine der einschneidendsten Entscheidungen seiner Vereinsgeschichte erinnert: Am 10. Juni zog sich der Klub 1976 freiwillig aus der 2. Bundesliga zurück. Nach Angaben des Vereins war es das erste Mal, dass sich ein etablierter Klub aus finanziellen Gründen selbst aus dem Profifußball verabschiedete.

Damals stand Mainz 05 zwei Spieltage vor Saisonende als Tabellenzehnter der 2. Bundesliga Süd da. Dennoch verzichtete der Verein auf einen Lizenzantrag für die folgende Saison. Als Grund nannte die Vereinsführung die angespannte wirtschaftliche Lage. Verwaltungsratschef und Oberbürgermeister Jockel Fuchs erklärte laut Vereinsdarstellung damals, man könne es finanziell nicht verantworten, die Lizenz zu beantragen.

Zu wenig Zuschauer, hohe Kosten

Der Rückzug hatte nach Vereinsangaben mehrere Ursachen. Zwar spielte Mainz 05 in der Saison 1975/76 offensiv auffällig und erzielte 81 Tore, zugleich kassierte die Mannschaft aber auch 92 Gegentreffer. Sportlich bewegte sich der Klub im Mittelfeld, wirtschaftlich geriet er jedoch zunehmend unter Druck.

Ein zentrales Problem waren demnach die Zuschauerzahlen. Während einzelne Heimspiele gegen attraktive Gegner noch mehrere tausend Besucher anzogen, lag der Schnitt über die Saison deutlich niedriger als kalkuliert. Vereinspräsident Werner Höllein rechnete bereits im Herbst 1975 vor, dass ein wirtschaftlicher Betrieb nur mit rund 8000 zahlenden Zuschauern pro Heimspiel möglich sei. Dieses Ziel wurde klar verfehlt.

Hinzu kamen hohe Belastungen durch den Kader. Im Frühjahr 1976 machte der Verein laut eigener Chronik Einnahmen von 268.000 D-Mark aus dem Zuschauerbereich öffentlich, zugleich aber Schulden von 600.000 D-Mark sowie weitere hohe Forderungen im Zusammenhang mit Vertragsverlängerungen.

Fehlstart der damaligen 2. Bundesliga

Mainz 05 ordnet den Schritt auch in die Fußballgeschichte ein. Die 2. Bundesliga war erst 1974 als neuer Unterbau der Bundesliga eingeführt worden, zunächst in eine Nord- und eine Südstaffel geteilt. Nach Darstellung des Vereins erwies sich das Modell wirtschaftlich für viele Standorte als problematisch, weil Interesse, Reichweite und Einnahmen überschätzt worden seien.

Der Mainzer Rückzug blieb demnach kein Einzelfall. In den Jahren danach gerieten weitere Vereine in Schwierigkeiten oder verzichteten auf eine Lizenz. 1981 reformierte der DFB die Liga grundlegend und führte die eingleisige 2. Bundesliga mit 20 Mannschaften ein.

Zwölf Jahre bis zur Rückkehr

Für Mainz 05 begann nach dem Rückzug eine lange Zeit im Amateurfußball. Der Verein spielte zunächst in der Amateurliga, verpasste mehrfach den Wiederaufstieg und kehrte erst 1988 in die 2. Bundesliga zurück.

Aus heutiger Sicht wirkt die damalige Entscheidung wie ein harter Einschnitt, zugleich markiert sie einen wichtigen Wendepunkt der Vereinsgeschichte. Mainz 05 spielt inzwischen seit Jahren stabil im Profifußball und hat sich wirtschaftlich deutlich anders aufgestellt als Mitte der 1970er Jahre. Quelle: Mainz 05/red

Autor:

Erik Stegner aus Landstuhl

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