Zwischen „Be Real“ und #btw: Ist dieser Trend das Ende der perfekten Fassade auf Instagram und TikTok
- ein Blick auf Instagram beweist: kuriose Fakten aber auch emotionale Bekenntnisse werden mit dem Zusatz btw oder "by the way" (deutsch: übrigens) gekennzeichnet
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Während die sozialen Netzwerke lange von perfekt inszenierten Bildern und Videos geprägt waren, zeichnet sich seit einigen Monaten ein Gegentrend ab. Unter Schlagworten wie „Real Life“, „Deinfluencing“ oder „Be Real“ zeigen Nutzer zunehmend ihren echten Alltag – mit Fehlern, Rückschlägen und ungeschönten Momenten.
Gleichzeitig verbreitet sich die Verwendung von „btw“ („by the way“) als stilistisches Mittel, um vermeintlich nebensächliche, tatsächlich aber bemerkenswerte Informationen hervorzuheben. Aussagen wie „18 years old btw“ oder „same person btw“ sollen die Authentizität eines Beitrags unterstreichen und den Blick auf eine überraschende Realität lenken. Beide Trends spiegeln den Wunsch vieler Nutzer wider, sich von künstlicher Perfektion und überinszenierten Darstellungen abzuwenden und stattdessen mehr Echtheit auf TikTok und Instagram zu zeigen.
Wie btw - und "yellow font" neue Maßstäbe in der Realität der sozialen Netzwerke setzen
Das „btw“ wird oft ironisch am Ende eines Satzes angehängt, um etwas offensichtlich Widersprüchliches, Überraschendes oder Übertriebenes hervorzuheben. Beispiele sind:
- „same person btw“
- „XY years old btw“
- „I made this in 10 minutes btw“
- „yellow font btw“
- "real body btw"
Das „btw“ stet für den englischen Ausdruck "by the way" und bedeutet auf Deutsch so viel wie "übrigens" - es funktioniert in Instagram-Posts wie ein stilistisches Signal: Es soll die Aussage pointierter, selbstbewusster, emotionaler oder ironischer wirken lassen. Viele Nutzer verwenden es bewusst trocken oder leicht provokativ. Einige empfinden diesen Stil sogar als etwas bevormundend, herablassend gar oder arrogant, weshalb darüber regelmäßig diskutiert wird.
Ein verwandter TikTok-Trend ist die sogenannte „Yellow Font Theory“. Dabei werden persönliche oder emotionale Aussagen in gelber Schrift eingeblendet; daraus entstanden später viele Parodien mit dem Zusatz „yellow font btw“.
Warum solche Trends wichtig sind
Während Medikamente und Abnehmspritzen die Diskussion über Schlankheitsideale neu befeuern, setzen Trends zu mehr Echtheit im Netz ein Gegengewicht und fördern die Akzeptanz vielfältiger Körperbilder. Etwas verspielter wird das auch bei dem 2016-Trend deutlich, der aufzeigen soll, wie unschuldig verspeilt die sozialen Medien noch vor zehn Jahren waren.
Wie geht es weiter mit Instagram & TikTok?
Wie viele Social-Media-Trends wird auch der Wunsch nach mehr Authentizität inzwischen zunehmend ironisch gebrochen. Nutzer präsentieren unter dem Label „Real Life“ oder „Be Real“ bewusst banale, übertriebene oder offensichtlich inszenierte Situationen und spielen damit auf die Schwierigkeit an, echte Authentizität überhaupt darzustellen. Die Parodien zeigen, dass selbst ungefilterte Einblicke schnell zu einem neuen Standard und damit zu einer weiteren Form der Inszenierung werden können. Aus dem Trend zur Echtheit entsteht so ein Meta-Trend, der die Frage aufwirft, wie „real“ soziale Medien überhaupt sein können.
Deshalb geht der Trend auch dahin, zu betonen, dass das Internet nie das wahre Leben zeigt, sondern immer nur eine ganz gezielte Auswahl davon - so wenig perfekt und uninszeniert diese uns auch erscheinen mag.
- Social Media Post 2026: My social media isn't my private life. My life is. you don't know me, you know my social media. (Mein Social media Account ist nicht mein Privatleben. Mein Leben ist mein Privatleben. Du kennst mich nicht, Du kennst meinen Social Media Account)
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Autor:Heike Schwitalla aus Germersheim |
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