Zöliakie früh erkennen: Darauf Eltern bei Diabetes achten
- Häufige Doppel-Diagnose: Zöliakie tritt bei Kindern mit Typ-1-Diabetes deutlich häufiger auf als in der Allgemeinbevölkerung.
- Foto: dpa
- hochgeladen von Cornelia Bauer
Zöliakie bei Kindern mit Diabetes. Nach der Diagnose Typ‑1‑Diabetes kann eine zweite Autoimmunerkrankung übersehen werden. Fachleute raten deshalb, auch an Zöliakie zu denken, weil sie bei betroffenen Kindern deutlich häufiger vorkommt.
Blutzuckermessen, Insulin spritzen und Mahlzeiten planen gehören für viele Familien nach der Diagnose zum Alltag. Doch Typ‑1‑Diabetes tritt laut der Organisation DiabetesDE – Deutsche Diabetes‑Hilfe öfter gemeinsam mit anderen Autoimmunerkrankungen auf. Eine davon ist Zöliakie. Während rund ein Prozent der Gesamtbevölkerung an der Glutenunverträglichkeit leidet, sind es unter Menschen mit Typ‑1‑Diabetes etwa drei bis sechs Prozent.
Warum Zöliakie den Diabetes beeinflussen kann
Bei Zöliakie reagiert das Immunsystem auf das Klebereiweiß Gluten, das in Getreide wie Weizen, Roggen oder Dinkel vorkommt. Der Körper bildet Antikörper, die die Schleimhaut des Dünndarms angreifen. Die Folge können Schäden an der Darmschleimhaut sein. Dadurch nimmt der Körper Kohlenhydrate und andere Nährstoffe schlechter auf. «Das begünstigt Unterzuckerungen und Mangelerscheinungen», erklärt der Kinderdiabetologe Prof. Andreas Neu vom Universitätsklinikum Tübingen.
Worauf Eltern nach einer Diabetes‑Diagnose achten können
Damit eine mögliche Zöliakie früh erkannt wird, nennen Fachleute zwei wichtige Punkte:
- Untersuchung in der Arztpraxis ansprechen. Leitlinien empfehlen, Kinder und Jugendliche mit neu diagnostiziertem Typ‑1‑Diabetes auch auf Zöliakie zu testen. Laut Experten wird das in der Praxis jedoch nicht überall konsequent umgesetzt. Eine Blutuntersuchung kann Hinweise geben. In manchen Fällen folgt zusätzlich eine Gewebeprobe aus dem Dünndarm.
- Unspezifische Beschwerden ernst nehmen. Zöliakie verursacht bei Kindern mit Diabetes oft keine typischen Magen‑Darm‑Symptome. Bauchschmerzen, Blähungen oder Durchfall treten nicht immer auf. Auffällig können stattdessen anhaltende Müdigkeit, Leistungsabfall oder unerklärliche Gewichtsveränderungen sein.
Was nach einer bestätigten Diagnose wichtig ist
Wird Zöliakie festgestellt, bleibt nur eine konsequent glutenfreie Ernährung. Der Verzicht auf Gluten gilt lebenslang. Bei Kindern mit Typ‑1‑Diabetes hat das auch Folgen für die Therapie. «Menschen mit Typ‑1‑Diabetes müssen ihre Kohlenhydratberechnung und Insulindosis anpassen, da sich glutenfreie Produkte anders auswirken können», so Andreas Neu. Die Kombination beider Erkrankungen lässt sich im Alltag gut bewältigen, wenn sie früh erkannt wird und Ernährung sowie Insulindosis entsprechend angepasst werden. dpa/red
Autor:Jens Vollmer aus Kaiserslautern |