Wenn sich alles dreht: Was hinter rätselhaften Schwindelattacken steckt

Die Schwindelattacken einer vestibulären Migräne können nach ein paar Sekunden wieder vorbei sein, in Extremfällen aber auch mehrere Tage lang anhalten.  (zu dpa: «Oft Schwindelattacken: Vielleicht eine vestibuläre Migräne?») | Foto: dpa
  • Die Schwindelattacken einer vestibulären Migräne können nach ein paar Sekunden wieder vorbei sein, in Extremfällen aber auch mehrere Tage lang anhalten. (zu dpa: «Oft Schwindelattacken: Vielleicht eine vestibuläre Migräne?»)
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Schwindelattacken. Wiederkehrender starker Schwindel kann nicht nur vom Innenohr kommen. In manchen Fällen steckt eine sogenannte vestibuläre Migräne dahinter. Wer die Ursache kennt, kann gezielter nach Behandlungsmöglichkeiten suchen.

Plötzlicher Dreh- oder Schwankschwindel, der immer wieder auftritt, belastet viele Betroffene im Alltag. Häufig liegt der Verdacht zunächst beim Ohr, weil dort das Gleichgewichtsorgan sitzt. Doch wenn HNO-Untersuchungen keinen Befund zeigen, kann auch das Gehirn der Auslöser sein.

Bei der vestibulären Migräne, auch Schwindelmigräne genannt, stehen Schwindelattacken im Vordergrund. Darüber informiert das Gesundheitsmagazin «Apotheken Umschau». Fachliche Abklärung erfolgt in der Regel in einer neurologischen Praxis. In größeren Städten gibt es zudem spezialisierte Schwindelambulanzen.

Schwindel statt Kopfschmerz als Hauptsymptom

Im Unterschied zur klassischen Migräne dominiert bei der vestibulären Migräne nicht der Kopfschmerz. Typisch sind wiederkehrende Schwindelattacken. Sie können nur wenige Sekunden dauern, in ausgeprägten Fällen aber mehrere Tage anhalten.

Begleiterscheinungen ähneln häufig denen einer Migräne. Dazu gehören unter anderem:

  • Licht-, Lärm- oder Geruchsempfindlichkeit
  • ein starkes Ruhebedürfnis während der Attacke
  • sogenannte Auren wie Flimmern oder Störungen im Blickfeld

Die Erkrankung tritt häufig familiär gehäuft auf. Typisch ist ein Beginn zwischen 30 und 40 Jahren. Frauen sind häufiger betroffen als Männer. Ein erhöhtes Risiko besteht bei Menschen, die früher bereits unter Migräne litten.

Neben den körperlichen Beschwerden entsteht bei vielen Betroffenen eine starke Unsicherheit. Die Angst vor der nächsten Attacke kann dazu führen, dass Aktivitäten im Alltag eingeschränkt werden oder das Haus seltener verlassen wird.

Behandlung zielt auf akute Hilfe und Vorbeugung

Eine Heilung der vestibulären Migräne ist derzeit nicht möglich. Es stehen jedoch verschiedene Behandlungsansätze zur Verfügung.

Bei akuten Attacken kommen Medikamente gegen Schwindel und Übelkeit infrage. Dazu zählen Wirkstoffe wie Diphenhydramin, der auch in Reisetabletten enthalten ist. Auch typische Migränemedikamente wie Schmerzmittel oder Triptane können eingesetzt werden.

Zur Vorbeugung schwerer Attacken werden je nach Situation unterschiedliche Medikamente genutzt. Dazu gehören unter anderem:

  • bestimmte Betablocker
  • Antidepressiva
  • Kalziumkanalblocker
  • Antikörpertherapien bei starkem Leidensdruck

Zusätzlich existiert mit den sogenannten Gepanten eine neuere Wirkstoffklasse, die sowohl zur akuten Behandlung als auch zur Vorbeugung eingesetzt werden kann. Welche Therapie sinnvoll ist, hängt von der individuellen Situation ab und wird ärztlich abgestimmt.

Alltag und Auslöser genau beobachten

Neben der medizinischen Behandlung spielt der Lebensstil eine Rolle. Ausreichend Schlaf, regelmäßige Mahlzeiten und möglichst wenig Stress gelten als günstige Rahmenbedingungen. Moderater Ausdauersport von etwa 30 Minuten an zwei oder drei Tagen pro Woche wird ebenfalls häufig empfohlen.

Hilfreich kann außerdem ein Schwindelkalender sein. Darin werden Zeitpunkt, Dauer, Stärke der Attacke sowie mögliche Auslöser notiert. Licht, Lärm, Schlafmangel, bestimmte Gerüche oder hormonelle Schwankungen kommen als individuelle Trigger infrage.

Nach Angaben der Deutschen Hirnstiftung sind solche Aufzeichnungen auch dann wertvoll, wenn noch keine gesicherte Diagnose vorliegt. Sie erleichtern die ärztliche Einordnung und helfen, Muster im Alltag zu erkennen. dpa/red

Autor:

Cornelia Bauer aus Speyer

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