Was tun bei einem Bombenangriff? Bundesamt veröffentlicht neue Schutzempfehlungen

Grafische Darstellung eines Wohnhauses mit innenliegendem Kellerraum: Bei Explosionen empfiehlt das Bundesamt für Bevölkerungsschutz, Schutz in fensterlosen Räumen im Gebäudeinneren zu suchen. | Foto: Illustration BBK
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Schutz vor Bomben: Welche Räume bieten Sicherheit? Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz (BBK) hat seinen Krisenratgeber aktualisiert und erklärt, wo Menschen im Ernstfall Schutz finden – und warum zwei Wände entscheidend sein können.

Von Erik Stegner
Rheinland-Pfalz/Saarland. Krisenherde im Nahen Osten, wachsende Spannungen zwischen Staaten, eine globale Sicherheitslage im Wandel: Was lange weit entfernt schien, wird politisch neu bewertet. Behörden in Deutschland sprechen wieder über Zivilschutz – ein Begriff, der viele Jahre kaum eine Rolle spielte. Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe beschreibt in seinem überarbeiteten Ratgeber erstmals seit 35 Jahren, wie sich Bürger bei Bombenangriffen oder Explosionen schützen können.

Vorsorge statt Warnung

Mit der Aktualisierung vom Oktober 2025 reagiert das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe auf die veränderte sicherheitspolitische Lage. Eine konkrete Warnung vor einem bevorstehenden Krieg ist damit ausdrücklich nicht verbunden. Ziel ist es, die Bevölkerung auf unterschiedliche Krisenszenarien vorzubereiten und konkrete Handlungsempfehlungen an die Hand zu geben.

Bomben, Druckwellen und Splitter: Worin die Gefahr liegt

Bei einem Bombenabwurf geht die größte Gefahr nicht allein vom unmittelbaren Einschlag aus. Entscheidend sind die Druckwellen, die eine Explosion erzeugt. Sie können Fenster bersten lassen, Mauern beschädigen und Trümmer oder Glassplitter mit hoher Geschwindigkeit durch Räume schleudern. Auch Gebäude, die nicht direkt getroffen werden, können durch Erschütterungen schwer in Mitleidenschaft gezogen werden. Verletzungen entstehen häufig durch umherfliegende Teile oder herabfallende Bauelemente.
Das BBK rät deshalb, sich im Ernstfall so schnell wie möglich in geschützte Innenräume zu begeben. Abstand zum Außenbereich ist dabei der wichtigste Faktor.

Die Zwei-Wände-Regel

Eine zentrale Empfehlung des Ratgebers ist die sogenannte Zwei-Wände-Regel. Für einen möglichst wirksamen Schutz sollten sich mindestens zwei Wände zwischen einer Person und dem Außenbereich befinden. Wird die Außenwand beschädigt oder durchbrochen, kann eine weitere Wand Splitter und Trümmer abfangen. Je weiter innen ein Raum liegt, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass Druckwellen abgeschwächt werden.

Warnsysteme im Blick: Sirenen, Lautsprecherdurchsagen und Warn-Apps informieren im Ernstfall über Gefahrenlagen. | Foto: BBK
  • Warnsysteme im Blick: Sirenen, Lautsprecherdurchsagen und Warn-Apps informieren im Ernstfall über Gefahrenlagen.
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Diese Räume gelten als besonders sicher

Räume ohne Fenster gelten als besonders geeignet. Innenliegende Flure, Treppenhäuser oder Bäder bieten in vielen Wohngebäuden mehr Schutz als Dachgeschosse oder Räume mit großen Glasflächen. Dächer sind bei Explosionen besonders gefährdet, und zerberstende Scheiben können zusätzliche Risiken verursachen. Wer keinen Keller zur Verfügung hat, soll nach Möglichkeit andere stabile Gebäude in unmittelbarer Umgebung aufsuchen. Auch dort gilt: Abstand zu Fenstern, Türen und offenen Eingängen ist entscheidend. Aufzüge dürfen in einer solchen Lage nicht benutzt werden.

Schutzräume und Bunker: Die Realität in Deutschland

Ein flächendeckendes öffentliches Bunkersystem wie im Kalten Krieg existiert in Deutschland nicht mehr. Eine zentrale Übersicht über Schutzräume in Wohnortnähe gibt es derzeit ebenfalls nicht. Der Ratgeber setzt daher auf das Prinzip der Eigenverantwortung und darauf, vorhandene Gebäude sinnvoll zu nutzen.

Vorsorge für Krisen aller Art

Neben dem Verhalten bei Bombenangriffen oder Explosionen betont das BBK die Bedeutung allgemeiner Krisenvorsorge. Empfohlen wird, Lebensmittel und Trinkwasser für mehrere Tage bereitzuhalten und wichtige Dokumente griffbereit zu organisieren. Ebenso sinnvoll ist es, Erste-Hilfe-Kenntnisse regelmäßig aufzufrischen und das Mobiltelefon möglichst geladen zu halten. Eine wichtige Rolle spielt zudem die Warn-App NINA, über die offizielle Warnmeldungen und Verhaltensempfehlungen verbreitet werden. Sie informiert nicht nur bei militärischen Gefahrenlagen, sondern auch bei Hochwasser, Großbränden oder großflächigen Stromausfällen.

Vorsorge für den Ernstfall: Ein batteriebetriebenes Radio, Taschenlampe und Erste-Hilfe-Material gehören laut Bundesamt für Bevölkerungsschutz zur empfohlenen Grundausstattung im Krisenfall. | Foto: Illustration BBK
  • Vorsorge für den Ernstfall: Ein batteriebetriebenes Radio, Taschenlampe und Erste-Hilfe-Material gehören laut Bundesamt für Bevölkerungsschutz zur empfohlenen Grundausstattung im Krisenfall.
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Neue Realitäten in der Sicherheitspolitik

Der aktualisierte Krisenratgeber ist kein Alarmruf. Er versteht sich als sachliche Informationsgrundlage in einer unsicheren Weltlage. Ziel ist es, Bürger handlungsfähig zu halten – nicht, Angst zu erzeugen, sondern Vorbereitung zu ermöglichen.
Bundesamt für Bevölkerungsschutz

Häufig gestellte Fragen (FAQ)

Am besten in innenliegenden Räumen ohne Fenster. Keller gelten als besonders geeignet. Wer keinen Keller hat, sollte sich möglichst weit ins Gebäudeinnere begeben – Abstand zu Außenwänden, Fenstern und Türen ist entscheidend.
Zwischen Person und Außenbereich sollten sich mindestens zwei feste Wände befinden. Wird die Außenwand beschädigt, kann eine weitere Wand Splitter und Trümmer abfangen und die Wirkung der Druckwelle mindern.
Explosionen erzeugen starke Druckwellen. Diese lassen Scheiben bersten und schleudern Glassplitter mit hoher Geschwindigkeit durch Räume. Auch Dächer sind durch Erschütterungen besonders anfällig.
Ein flächendeckendes Bunkersystem existiert nicht mehr. Eine zentrale Übersicht über Schutzräume gibt es derzeit ebenfalls nicht. Das BBK setzt daher auf individuelle Vorsorge und die Nutzung stabiler Gebäude.

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Autor:

Erik Stegner aus Landstuhl

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