Unfallmuster Elektroautos vs. Verbrenner: Wo es Unterschiede gibt

E-Autos sind laut UDV insgesamt ähnlich sicher wie Verbrenner, zeigen aber bei niedrigen Geschwindigkeiten besondere Unfallmuster. Die wichtigsten Unterschiede betreffen Fußgängerunfälle beim Anfahren, Rückwärtsfahren und Abbiegen in der Dämmerung. | Foto: © Harald Alomant / UDV
  • E-Autos sind laut UDV insgesamt ähnlich sicher wie Verbrenner, zeigen aber bei niedrigen Geschwindigkeiten besondere Unfallmuster. Die wichtigsten Unterschiede betreffen Fußgängerunfälle beim Anfahren, Rückwärtsfahren und Abbiegen in der Dämmerung.
  • Foto: © Harald Alomant / UDV
  • hochgeladen von Thorsten Kornmann

Unfallmuster Elektroautos vs. Verbrenner. Insgesamt schneiden Elektro-Pkw in schweren Unfällen ähnlich sicher ab wie vergleichbare Verbrenner, auffällig sind laut Unfallforschung der Versicherer (UDV) im Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) vor allem bestimmte Situationen bei sehr langsamer Fahrt.

Wer häufig in der Stadt unterwegs ist, kennt die typischen Momente: Anfahren an der Ampel, langsames Abbiegen im Wohngebiet oder Rückwärtsrangieren in einer dunklen Einfahrt. Genau in solchen Konstellationen sieht die UDV-Analyse Unterschiede, die im Alltag helfen, das eigene Fahrverhalten besser einzuordnen.

Die UDV hat dafür knapp 500 schwere Unfälle aus der Unfalldatenbank der Versicherer detailliert ausgewertet und Elektroautos mit baugleichen Verbrennern verglichen. Ergänzend wurden eine Literaturrecherche sowie eine Online-Befragung von 238 Personen herangezogen.

Wo E-Autos laut Studie häufiger auffallen

Die auffälligsten Abweichungen betreffen laut UDV Fußgängerunfälle bei sehr niedrigen Geschwindigkeiten. Genannt werden vor allem Situationen wie:

  • Anfahren aus dem Stand
  • Rückwärtsfahren
  • Abbiegen bei Dämmerung und Dunkelheit

Die UDV-Leiterin Kirstin Zeidler führt das darauf zurück, dass Fußgängerinnen und Fußgänger E-Autos in solchen Momenten schlechter wahrnehmen. Seit 2021 müssen Elektroautos bei Geschwindigkeiten unter 20 km/h künstliche Fahrgeräusche abgeben. Nach Einschätzung der UDV können diese Geräusche dennoch zu leise sein oder sich nicht eindeutig als Pkw-Geräusch zuordnen lassen.

Hinweise auf Fehlbedienung beim Anfahren und „One Pedal Drive“

In den untersuchten Fällen gibt es zudem Hinweise auf häufiger auftretende Unfälle durch Fahrzeugfehlbedienung, insbesondere beim Anfahren aus dem Stand. Betroffen waren laut UDV vor allem Fahrzeuge mit sogenanntem One Pedal Drive, bei dem das Auto im Alltag weitgehend über das Fahrpedal gesteuert wird.

Die Studie legt nahe, dass die Gewöhnung an diese Fahrweise in Notsituationen eine Pedalverwechslung begünstigen kann. In der Analyse war knapp jede zweite Person, die auf diese Weise verunfallte, älter als 75 Jahre.

Was in der Studie als Pluspunkt genannt wird

Neben den besonderen Unfallmustern betont die UDV mehrere Punkte, die im Schnitt für Elektro-Pkw sprechen:

  • Kleine E-Autos zeigten Vorteile beim Insassenschutz gegenüber vergleichbaren Verbrennern, unter anderem durch moderne Sicherheitsausstattung und höheres Fahrzeuggewicht.
  • Fahrende von E-Autos fuhren in den untersuchten Fällen im Schnitt weniger riskant als in Verbrennern. Sie verloren seltener die Kontrolle über das Fahrzeug und hatten weniger Alkohol- und Drogenunfälle.

Gleichzeitig bleibt aus Sicht der UDV der sogenannte Partnerschutz wichtig. Größere Gewichtsunterschiede zwischen Fahrzeugen können für Unfallgegner ein höheres Verletzungsrisiko bedeuten.

Einordnung für den Alltag und was Hersteller verbessern könnten

Die UDV wertet die Ergebnisse ausdrücklich nicht als Argument gegen Elektromobilität. Die Schadenhäufigkeit von E-Autos sei im Vergleich zu Verbrennern nahezu unauffällig.

Als konkrete Ansatzpunkte nennt die UDV unter anderem:

  • künstliche Fahrgeräusche so weiterzuentwickeln, dass sie klarer als Pkw-Geräusch erkennbar sind und bei niedrigen Geschwindigkeiten besser warnen
  • ein gut wahrnehmbares Signal für die Fahrbereitschaft im Innenraum und nach außen, um Missverständnisse zu vermeiden
  • aktive Sicherheitstechnik, die beim Anfahren Personen oder Gegenstände im Fahrtweg erkennt und Kollisionen verhindern kann
  • Gewicht zu sparen, um den Partnerschutz zu verbessern

Zur Einordnung der Größenordnung: Zum 1. Januar 2026 waren rund zwei Millionen E-Fahrzeuge in Deutschland zugelassen, das entspricht rund vier Prozent der Pkw. Der GDV rechnet in einer Prognose damit, dass 2040 circa 60 Prozent aller Pkw E-Autos sein könnten.

Weitere Informationen und Material zur Studie stellt die UDV online bereit: www.udv.de

Als praktische Konsequenz lässt sich die Studie so zusammenfassen: E-Autos gelten insgesamt als sicher, Aufmerksamkeit lohnt sich besonders bei langsamen Fahrmanövern, bei denen andere Verkehrsteilnehmende das Fahrzeug leichter übersehen. (red)

Autor:

Thorsten Kornmann aus Karlsruhe

Sie möchten diesem Profil folgen?

Verpassen Sie nicht die neuesten Inhalte von diesem Profil: Melden Sie sich an, um neuen Inhalten von Profilen und Orten in Ihrem persönlichen Feed zu folgen.

3 folgen diesem Profil
Kommentare sind deaktiviert.

Video einbetten

Es können nur einzelne Videos der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Playlists, Streams oder Übersichtsseiten.

Abbrechen

Karte einbetten

Abbrechen

Social-Media Link einfügen

Es können nur einzelne Beiträge der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Übersichtsseiten.

Abbrechen

Code einbetten

Funktionalität des eingebetteten Codes ohne Gewähr. Bitte Einbettungen für Video, Social, Link und Maps mit dem vom System vorgesehenen Einbettungsfuntkionen vornehmen.
Abbrechen

Beitrag oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen

Schnappschuss einbetten

Abbrechen

Sie möchten selbst beitragen?

Melden Sie sich jetzt kostenlos an, um selbst mit eigenen Inhalten beizutragen.