Todesfall-Absicherung: Warum vielen Familien fast 1.000 Euro fehlen
- Nach einem Todesfall laufen Miete, Kredit und Alltagskosten weiter, oft fehlt aber plötzlich ein Einkommen. Eine GDV-Studie zeigt, wie groß die Lücke im Monatsbudget werden kann und wer besonders häufig ungeschützt ist. (Symbolbild)
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Risikolebensversicherung Absicherung Todesfall. In vielen Familien kann nach einem Todesfall plötzlich eine monatliche Finanzierungslücke entstehen, weil ein Einkommen wegfällt, laufende Kosten aber weiterlaufen.
Das ist kein seltenes Randthema: Der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) kommt in einer aktuellen Auswertung zu dem Ergebnis, dass nur rund jeder zweite Haushalt mit Absicherungsbedarf eine Risikolebensversicherung hat. In mehr als 20 Millionen Haushalten fehlt damit zusätzlicher finanzieller Schutz für Hinterbliebene.
Jährlich verlieren in Deutschland laut GDV mehr als 100.000 Menschen, darunter rund 50.000 Kinder, einen Elternteil oder Partner, von dessen Einkommen sie finanziell abhängig waren. Für den Alltag bedeutet das oft, dass Miete oder Kreditrate, Lebensmittel und Mobilität weiter bezahlt werden müssen, obwohl ein Einkommen fehlt.
Welche laufenden Kosten sich nach einem Todesfall kaum sofort senken lassen
Viele Ausgaben reagieren kurzfristig nicht auf die neue Situation. Der GDV beziffert den Anteil für grundlegende Posten wie Wohnen, Lebensmittel und Verkehr im Durchschnitt auf rund zwei Drittel des Einkommens. Genau diese Bereiche lassen sich in der Praxis oft nicht von heute auf morgen reduzieren.
Typische Fixkosten, die weiterlaufen, sind:
- Miete oder Raten für einen Immobilienkredit
- Energie- und Nebenkosten
- Lebensmittel und Haushaltsausgaben
- Mobilität, zum Beispiel Auto oder ÖPNV-Tickets
- Verträge und laufende Verpflichtungen
Die Bundesarbeitsgemeinschaft Schuldnerberatung e. V. beschreibt die Dynamik so, dass Hinterbliebene häufig erst mit Verzögerung merken, wie schnell offene Kreditraten oder Mahnungen zum Thema werden, wenn ein Einkommen fehlt.
Beispielrechnung der Studie: So entsteht fast 1.000 Euro Lücke im Monat
Für das Verständnis liefert die GDV-Studie eine greifbare Rechnung: Eine vierköpfige Familie gibt im Durchschnitt 4.599 Euro pro Monat aus, davon 3.473 Euro für grundlegende Bedarfe wie Wohnen, Ernährung und Verkehr.
Fällt in einem Zwei-Verdiener-Haushalt ein Einkommen weg und reduziert der verwitwete Elternteil zusätzlich seine Arbeitszeit um 30 Prozent, ergibt sich nach Berechnungen der Studie eine monatliche Lücke von fast 1.000 Euro. Diese Größenordnung zeigt, dass es häufig nicht um „Luxusposten“ geht, sondern um das Schließen einer Finanzierungslücke im normalen Haushaltsbudget.
Wer besonders oft ungeschützt ist: Unterschiede nach Einkommen, Haushaltstyp und Region
Die Studie zeigt deutliche Unterschiede bei der Verbreitung der Risikolebensversicherung.
- Nach Einkommen: Unterhalb von 3.250 Euro Haushaltsnettoeinkommen liegt der Verbreitungsgrad je nach Einkommensklasse nur zwischen 3 und 10 Prozent. In Haushalten mit mehr als 7.500 Euro netto verfügen 46 Prozent über eine Risikolebensversicherung.
- Nach Haushaltstyp: Paare mit minderjährigen Kindern erreichen mit rund 45 Prozent den höchsten Wert. Alleinerziehende liegen bei etwa 19 Prozent. Alleinlebende bei 7,7 Prozent.
- Nach Region: In Stadtstaaten ist der Anteil deutlich geringer als in Flächenländern, teils nur halb so hoch.
Auffällig ist laut Studie auch: Selbst in Gruppen, in denen eine Absicherung besonders naheliegt, bleibt etwa jeder zweite Haushalt ohne entsprechenden Schutz, darunter Paare mit minderjährigen Kindern und Haushalte mit Immobilienkredit.
Wozu eine Risikolebensversicherung im Alltag dienen kann
Die Risikolebensversicherung ist darauf ausgelegt, im Todesfall eine vorher vereinbarte Summe auszuzahlen. Damit können Hinterbliebene finanzielle Verpflichtungen für eine Übergangszeit stabilisieren, zum Beispiel die Miete oder Kreditraten, und den Wegfall eines Einkommens abfedern.
Versicherungsbedarf sieht der GDV dort, wo Menschen finanziell voneinander abhängig sind, etwa bei Familien mit Kindern, bei Allein- oder Hauptverdienenden oder bei laufenden Immobilienfinanzierungen.
Häufige Schwachstelle: Versicherungssummen sind oft zu niedrig
Selbst wenn ein Vertrag besteht, reicht die Summe laut GDV häufig nicht aus. Als Orientierungswert nennt die Studie eine Faustregel von etwa drei bis fünf Bruttojahresgehältern zuzüglich offener Kredite.
Zum Vergleich: Im Jahr 2024 lag die durchschnittliche Versicherungssumme pro Vertrag bei rund 121.000 Euro. Das durchschnittliche Bruttojahresgehalt betrug rund 50.000 Euro. Daraus ergibt sich bereits ohne Kredite eine empfohlene Mindestabsicherung von etwa 150.000 Euro. Die durchschnittlichen Versicherungssummen liegen laut GDV seit 25 Jahren unter diesem Orientierungswert.
Kostenfaktor Alter und Rauchen: Warum der Zeitpunkt eine Rolle spielt
Die Studie ordnet auch die Beitragslogik ein: Ab einem Abschlussalter von etwa 35 Jahren sind die Beiträge ungefähr doppelt so hoch wie mit 25 Jahren. Nach dem 40. Lebensjahr steigen sie besonders stark an.
Raucherinnen und Raucher zahlen laut GDV je nach Alter teilweise mehr als doppelt so hohe Beiträge wie Nichtrauchende. Gerade zwischen dem 25. und 35. Lebensjahr, in dem häufig Familie gegründet oder eine Immobilie finanziert wird, besitzt bisher aber nur ein vergleichsweise kleiner Teil der Haushalte eine Risikolebensversicherung.
Wer das Thema sachlich im Haushalt klärt, kann besser einschätzen, wie groß die Lücke wäre, wenn ein Einkommen wegfällt, und ob die vorhandene Absicherung zur realen Monatsrechnung passt. red
Autor:Thorsten Kornmann aus Karlsruhe |