Studie zeigt: Wo Straßen für Wildkatzen besonders riskant sind
- Beim Fahren auf Landstraßen und an Waldkanten kommt es immer wieder zu Wildunfällen. Eine neue Karte zeigt, wo Wildkatzen besonders oft beim Queren von Straßen verunglücken.
- Foto: Gisela Böhmer
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Wildkatzen Straßentod Risiko. Eine neue Risikokarte zeigt, welche Straßenabschnitte in Deutschland besonders häufig zu tödlichen Kollisionen mit Wildkatzen führen und wo Schutzmaßnahmen im Verkehr am meisten bringen.
Die Deutsche Wildtier Stiftung ordnet den aktuellen Stand zur Rückkehr der Europäischen Wildkatze ein und verweist auf den größten Alltagsfaktor im Straßenraum: Verkehr ist nach Angaben des Biologen Malte Götz die häufigste Todesursache für Wildkatzen in Deutschland.
Dass die Art wieder neue Regionen erreicht, zeigen mehrere aktuelle Beispiele. In Schleswig-Holstein gelang per DNA-Analyse binnen eines Jahres bereits der zweite Nachweis, nachdem ein Jäger eine in einem Zaun verfangene Wildkatze befreit hatte und Haare des Tiers den Laborbeleg ermöglichten. In Brandenburg ist zudem bekannt, dass ein Wildkatzenweibchen im Wildnisgebiet Jüterbog 2025 erstmals seit 200 Jahren wieder Nachwuchs bekam.
Was die Risikokarte für Verkehrssicherheit und Planung bedeutet
Die wissenschaftliche Grundlage der Karte stammt aus einer Studie im „Journal of Environmental Management“. Ein Team um den Biostatistiker Matteo Luca Bastianelli von der Universität Freiburg wertete bundesweit mehr als 800 dokumentierte Unfallstellen aus, an denen Wildkatzen im Straßenverkehr getötet wurden.
Analysiert wurden Faktoren, die das Kollisionsrisiko beeinflussen, darunter:
- Kurvenverlauf
- Straßenbreite
- Verkehrsaufkommen
- erlaubte Geschwindigkeit in km/h
- Nähe zu Waldrändern
Aus diesen Zusammenhängen entstand eine Risikokarte für das gesamte deutsche Straßennetz. Sie prognostiziert abschnittsweise, wo Wildkatzen beim Queren besonders gefährdet sind. Für Verkehrsplanung und zuständige Stellen ist das vor allem deshalb praktisch, weil Maßnahmen damit gezielter priorisiert werden können, statt großflächig und nach Bauchgefühl zu bauen.
Als wirksam genannte Beispiele sind Grünbrücken und Wilddurchlässe. Laut Deutscher Wildtier Stiftung wurden einzelne besonders riskante Abschnitte in bekannten Wildkatzengebieten bereits entschärft. Auch dort, wo die Wildkatze erst wieder auftaucht, kann die Karte helfen, frühzeitig Konfliktstellen zu erkennen, etwa in Mecklenburg-Vorpommern, wo aktuell versucht wird, Spuren über nach Baldrian duftende Haarfallen zu sichern und Wildkameras 2023 vermutlich eine Wildkatze erfassten.
Für bestehende Unterführungen nennt die Stiftung alltagsnahe Optimierungen, die ohne großen Umbau auskommen können: naturnahe, helle Durchlässe sowie Hecken und Gehölze, die Tiere zu sicheren Querungen leiten. Solche Querungshilfen können neben Wildkatzen auch andere Arten wie Dachse, Baummarder und Luchse unterstützen.
Die Rasterdaten der Risikokarte sind laut Deutsche Wildtier Stiftung als GIS-Download verfügbar unter https://data.mendeley.com/datasets/6t2jmvnhhk/1. Praktisch bleibt damit vor allem: Schutz an den Stellen zu konzentrieren, an denen das Risiko nach Studiendaten am höchsten ist.
Autor:Thorsten Kornmann aus Karlsruhe |