Stau, Panne, Unfall: So bleibt die Familie auf Reisen handlungsfähig
- Auf Ferienfahrten hilft ein klarer Plan, damit Warnweste, Warndreieck und Verbandskasten im Stau oder bei einer Panne schnell zur Hand sind.
- Foto: Gisela Böhmer
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Panne auf der Autobahn. Mit griffbereiter Sicherheitsausrüstung und klaren Abläufen lassen sich bei Stau, Panne oder Unfall typische Fehler vermeiden, damit Kinder und Haustiere schnell aus dem Gefahrenbereich kommen und Hilfe zügig organisiert ist.
Gerade in der Ferienzeit ist die Lage oft unübersichtlich: stockender Verkehr, volle Rastplätze und lange Wartezeiten. Kommt dann ein Reifenplatzer oder ein Unfall dazu, müssen parallel mehrere Dinge gelingen. Unfallstelle absichern, Notruf absetzen, Kinder beruhigen, Hund sichern.
Praktische Leitplanken kommen vom TÜV-Verband e. V. Dort wird betont, dass Vorbereitung nicht Panik bedeutet, sondern Zeit spart, wenn es darauf ankommt. Entscheidend ist, dass Pflichtausrüstung nicht unter Koffern verschwindet und dass alle Mitfahrenden wissen, was im Ernstfall zuerst passiert.
Pflichtausrüstung so verstauen, dass sie in Sekunden erreichbar ist
In Deutschland gehören Warnweste, Warndreieck und Verbandskasten zur vorgeschriebenen Fahrzeugausstattung. Auf Reisen ins Ausland sollten die Vorschriften der Transit- und Zielländer vorab geprüft werden.
Für die Praxis wichtiger als die Mindestanforderung ist die Erreichbarkeit. Warndreieck, Warnwesten und Verbandskasten sollten nicht im Kofferraum unter Gepäck liegen, sondern an festen, leicht zugänglichen Orten im Innenraum. Bewährt sind zum Beispiel:
- Türablagen
- Fach unter dem Beifahrersitz
- leicht zugängliche Ablagefächer im Fahrzeuginnenraum
Sinnvoll ist außerdem, Kontaktdaten von Automobilclub und Kfz-Versicherung vor Abfahrt im Mobiltelefon zu speichern. Vor Reisebeginn sollte der Verbandskasten auf Vollständigkeit geprüft werden. Sterile Inhalte wie Kompressen, Pflaster und Verbände haben ein Verfallsdatum und sollten bei Überschreitung ersetzt werden.
Reise- und Notfallset: Was zusätzlich wirklich hilft
Neben der Pflichtausrüstung empfiehlt sich ein kleines Pannen- und Notfallset, das ebenfalls griffbereit liegt. Dazu zählen:
- Taschenlampe
- geladene Powerbank plus Ladekabel
- Starthilfekabel
- Ersatzrad oder Reifenreparaturset, sofern vorgesehen
Für längere Fahrten erhöhen einfache Basics die Handlungsfähigkeit im Stau oder bei einer Panne, auch ohne dass sofort Hilfe da ist:
- ausreichend Getränke und Snacks für Erwachsene und Kinder
- persönliche Medikamente griffbereit und vor Hitze geschützt
- bei Reiseübelkeit Kotzbeutel im Fahrzeug
Wer mit Tier reist, sollte zusätzlich an Wasser und Futter denken. Praktisch sind faltbare Reisenäpfe oder auslaufsichere Trinkflaschen. Für Notfälle können saugfähige Unterlagen oder spezielle Reisetoiletten für Haustiere helfen. Auch für Menschen kann Vorbereitung sinnvoll sein, etwa mit Windeln oder faltbarer Reisetoilette für Kleinkinder und Urinalbeuteln für ältere Kinder und Erwachsene.
Damit während der Fahrt nichts gesucht werden muss, können Organizer an den Rückenlehnen Trinkflaschen und Spielzeug sicher fixieren. Das reduziert Ablenkung vorn und verhindert, dass lose Gegenstände bei einer Vollbremsung durch den Innenraum fliegen. Tiere sollten während der Fahrt mit geeignetem Gurtsystem, Trenngitter oder gesicherter Transportbox gesichert sein.
Im Stau: Rettungsgasse früh bilden und im Auto bleiben
Bei stockendem Verkehr hilft gleichmäßiges Fahren mit ausreichend Abstand, Stauwellen zu reduzieren. Häufiges Spurwechseln bringt meist keinen Zeitgewinn und erhöht das Risiko.
Wichtig ist die Rettungsgasse, sobald der Verkehr ins Stocken gerät. Auf Straßen mit mindestens zwei Fahrstreifen pro Richtung wird sie zwischen dem äußersten linken und dem unmittelbar rechts danebenliegenden Fahrstreifen gebildet. Fahrzeuge links fahren so weit wie möglich nach links, alle anderen so weit wie möglich nach rechts. Die Rettungsgasse bleibt während des gesamten Staus frei.
Der Standstreifen ist Pannenfahrzeugen und Einsatzkräften vorbehalten. Unerlaubtes Befahren oder Halten kann mit Bußgeld und Punkten geahndet werden.
Steht der Verkehr komplett, kann der Motor bei längeren Wartezeiten ausgeschaltet werden. Rollt der Verkehr immer wieder an, ist häufiges An und Aus weniger sinnvoll, viele Fahrzeuge übernehmen das über die Start-Stopp-Funktion. Technisch einwandfreie Fahrzeuge sind grundsätzlich für Stop-and-go ausgelegt. Kritisch kann es bei älteren Autos mit Vorschäden oder Wartungsmängeln am Kühlsystem werden. Vor der Urlaubsfahrt lohnt der Blick auf Kühlmittelstand und Zustand des Kühlsystems.
An heißen Tagen sollte der Innenraum vor Fahrtbeginn durchgelüftet werden. Die Klimaanlage sollte moderat laufen. Ein Unterschied von fünf bis sieben Grad zur Außentemperatur gilt als kreislaufschonend und spart Energie. Umluftbetrieb nur zeitweise nutzen, sonst leidet die Luftqualität und Scheiben können beschlagen.
So verlockend es im Sommer sein kann, kurz auszusteigen: Auf Autobahnen gilt das als besonders riskant. Auch bei längeren Staus sollten Insassen im Fahrzeug bleiben, weil der Verkehr jederzeit wieder anrollen kann und Einsatzfahrzeuge freie Zufahrt benötigen.
Panne: Erst sichern, dann organisieren
Kommt es zur Panne, hat die Sicherheit der Insassen Priorität. Der Ablauf in kurzen Schritten:
- Warnblinkanlage einschalten.
- Fahrzeug möglichst weit rechts oder auf dem Standstreifen anhalten.
- Alle Insassen ziehen Warnwesten an.
- Fahrzeug möglichst über die rechte Seite verlassen.
- Unverzüglich hinter die Leitplanke gehen.
- Pannenstelle absichern, soweit ohne Eigengefährdung möglich.
- Bei Verletzten, Feuer oder unmittelbarer Gefahr Notruf 112.
Kinder und Hunde brauchen dabei zusätzliche Aufmerksamkeit. Kinder und Tiere sollten auch bei kurzen Stopps nicht allein im geschlossenen Fahrzeug bleiben. Kinder sollten nicht unbeaufsichtigt im Gefahrenbereich sein und nicht zwischen Fahrzeug und Leitplanke warten.
Hilfreich ist eine kurze „Reiseregel“ vorab, damit es im Stress keine Diskussion gibt:
- Aussteigen nur auf Anweisung.
- Immer auf der verkehrsabgewandten Seite aussteigen.
- An der Hand bleiben.
- Hinter der Leitplanke warten.
Hunde sollten noch im Fahrzeug angeleint werden, bevor Türen oder Heckklappe geöffnet werden. In Stresssituationen laufen Tiere sonst leichter unkontrolliert auf die Fahrbahn oder behindern Helfende.
Unfall: Eigenschutz, Absichern, Notruf
Wer an einer Unfallstelle helfen will, sollte zuerst die eigene Sicherheit sichern. Empfohlen wird:
- Fahrzeug mit etwa 50 bis 100 Metern Abstand zur Unfallstelle an geeigneter Stelle anhalten.
- Warnblinkanlage einschalten und Warnweste anziehen, bevor das Fahrzeug verlassen wird.
- Mitfahrende auf der verkehrsabgewandten Seite aussteigen lassen und an einem sicheren Ort warten lassen, zum Beispiel hinter der Leitplanke.
- Unfallstelle absichern und Warndreieck aufstellen.
Als Orientierung für das Warndreieck gelten etwa 100 Meter auf Landstraßen und auf Autobahnen, je nach Sicht und Verlauf, etwa 150 bis 200 Meter. Vor Kurven und Kuppen zählt, dass die Gefahrenstelle früh genug erkennbar ist.
Für den Notruf gilt: 112 funktioniert in allen EU-Ländern sowie in der Schweiz und in Großbritannien in Festnetz und Mobilfunk und ist kostenlos. Wichtig sind möglichst genaue Angaben zu Unfallort, Anzahl der Verletzten, sichtbaren Verletzungen und besonderen Gefahren wie brennenden Fahrzeugen oder auslaufenden Betriebsstoffen. Zur Standortangabe helfen Fahrtrichtung, Autobahnnummer, letzte Anschlussstelle und wenn möglich die Kilometerangabe. Auch Kartenfunktion oder Notruf-App können den Standort präzisieren. Auflegen erst, wenn die Leitstelle das Gespräch beendet.
Im Tunnel gelten besondere Regeln: Warnblinkanlage einschalten, Fahrzeug möglichst in einer Pannenbucht oder weit rechts abstellen, Motor ausschalten und den Schlüssel im Fahrzeug lassen. Insassen ziehen Warnwesten an und verlassen den Tunnel über gekennzeichnete Fluchtwege. Der Notruf sollte möglichst über die Notrufeinrichtungen im Tunnel abgesetzt werden, weil der Standort direkt übermittelt wird.
Erste Hilfe: Pflicht im Rahmen des Zumutbaren
Niemand muss sich bei Hilfeleistung selbst erheblich gefährden. Im Rahmen des Zumutbaren besteht jedoch die Pflicht, Hilfe zu leisten, mindestens durch Absichern, Notruf und das Organisieren weiterer Unterstützung. Besonders auf Autobahnen ist Vorsicht entscheidend. Fahrbahn und Gefahrenbereich sollten nur betreten werden, wenn es zur Rettung von Menschen unbedingt erforderlich und sicher möglich ist.
Familien stehen als Ersthelfende vor einer zusätzlichen Aufgabe, weil Kinder in der Notsituation betreut und gleichzeitig gesichert werden müssen. Ist eine zweite erwachsene Person dabei, kann sie Kinder hinter die Leitplanke bringen und betreuen. Ist eine Person allein mit Kindern unterwegs, kann Unterstützung gezielt von Anwesenden eingefordert oder die Situation im Notruf klar benannt werden. Vor längeren Reisen kann es helfen, Erste-Hilfe-Kenntnisse aufzufrischen, vor allem stabile Seitenlage, Herzdruckmassage und das Stillen starker Blutungen.
Am Ende entscheidet meist nicht Technik, sondern Routine: Wer Ausrüstung griffbereit hält und ein paar klare Handgriffe verinnerlicht, bleibt im Stau oder Ernstfall schneller ruhig und handlungsfähig. [red]
Autor:Thorsten Kornmann aus Karlsruhe |