Sexuelle Wünsche ansprechen: So sinkt Druck in Beziehungen
- Spaß im Bett? Der hatte in festen Beziehungen laut einer Umfrage in Deutschland nur für 29 Prozent der 45- bis 54-jährigen Frauen Priorität.
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Sexuelle Wünsche ansprechen. Sexuelle Wünsche lassen sich in Beziehungen meist entspannter klären, wenn sie außerhalb des Betts als gemeinsame Einladung formuliert werden und nicht als Kritik am Partner oder an der Partnerin ankommen.
Eine YouGov-Umfrage deutet darauf hin, dass die Lust von Frauen in festen Beziehungen in Deutschland häufiger zu kurz kommt als in anderen befragten Ländern. Das betrifft nicht nur die Zufriedenheit im Sexualleben, sondern auch die Frage, wie offen Paare über Wünsche, Unsicherheiten und neue Ideen sprechen.
In Deutschland sagten 29 Prozent der 45- bis 54-jährigen Frauen, dass ihre Lust während der gesamten Beziehung Priorität hatte. Bei den 25- bis 34-jährigen Frauen waren es 35 Prozent. International lagen die Werte in den weiteren zehn befragten Ländern höher.
In Deutschland sprechen weniger Frauen ihre Wünsche aus
In den weiteren Ländern gaben 39 Prozent der 45- bis 54-jährigen Frauen an, dass ihre Lust in der Beziehung nicht zu kurz komme. Bei den 25- bis 34-Jährigen waren es fast die Hälfte, nämlich 48 Prozent.
Für die Online-Umfrage befragte YouGov insgesamt 13.597 Personen ab 18 Jahren in elf Ländern, darunter Spanien, Kanada, Brasilien, Australien, die USA, Großbritannien und die Schweiz. In Deutschland beteiligten sich 2.178 Erwachsene an der repräsentativen Onlineumfrage im Auftrag der Dating-Plattform Ashley Madison.
Ein möglicher Grund für die niedrigeren Werte in Deutschland liegt in der Kommunikation. International sagten 31 Prozent der Frauen, ein stärkeres Bewusstsein für die eigenen sexuellen Wünsche habe sie motiviert, diese auch auszusprechen. In Deutschland waren es 19 Prozent. Bei Männern lag der Wert ebenfalls bei 19 Prozent.
Wünsche klingen weniger verletzend als Kritik
Die Hamburger Sexualberaterin Mignon Kowollik sieht die Formulierung als entscheidend an. «Das Framing ist alles», sagt sie. Ihr Rat lautet: «Niemals sagen, was fehlt, sondern sagen, worauf man Lust hat.»
Im Alltag bedeutet das: Ein Wunsch wird leichter angenommen, wenn zuerst das Bestehende wertgeschätzt wird. Kowollik nennt als Beispiel «Ich liebe unser Sexleben» und ergänzt dies mit einer Einladung wie «...und ich hätte richtig Lust, noch eine neue Facette mit dir zu entdecken».
Solche Formulierungen verschieben den Schwerpunkt weg vom Mangel. Statt Leistung oder Versagen zu bewerten, entsteht eher der Eindruck, dass beide etwas gemeinsam ausprobieren können.
Der beste Ort ist nicht das Schlafzimmer
Beim Zeitpunkt rät Kowollik klar von einem Gespräch im Bett ab. «Ganz klar, bitte außerhalb des Betts!», sagt sie. Aus ihrer Sicht sollte das Thema weder nackt noch im Schlafzimmer verhandelt werden.
Der Grund ist der Druck, der dort schneller entstehen kann. «Im Bett steht die Performance auf dem Prüfstand, Druck entsteht und Fehlinterpretation droht. Sprecht auf der Couch, beim Spaziergang oder im Auto darüber. Auf neutralem Boden sinkt der Druck», so die Sexpertin.
Für viele Paare kann ein neutraler Moment deshalb hilfreicher sein als eine Situation, in der Nähe, Erwartung und mögliche Enttäuschung direkt zusammenfallen.
Die Ich-Lust-Formel vermeidet Vorwürfe
Wer den Einstieg schwer findet, kann laut Kowollik mit Ich-Botschaften arbeiten. Sie spricht von der «Ich-Lust-Formel» und nennt Formulierungen wie «Ich habe letztens über etwas nachgedacht, das mich total anmacht...» oder «Ich würde gerne ein kleines Experiment mit dir wagen, wie klingt das für dich?»
Auch Scham lässt sich offen benennen. Kowollik schlägt den Satz vor: «Ich schäme mich ein wenig, dir das zu sagen, aber du bist die Person, der ich am meisten vertraue.» Das kann helfen, Abwehr zu verringern und Empathie zu fördern.
Hilfreich sind vor allem Formulierungen, die neugierig machen und dem Gegenüber Zeit lassen. Wenn der Partner oder die Partnerin verunsichert reagiert, empfiehlt Kowollik: «Gib der Person Raum und sag sofort "Du musst mir darauf jetzt keine Antwort geben. Lass uns einfach beide mal darüber nachdenken."»
Vergleiche und Druck verschlechtern das Gespräch
Es gibt auch klare Stolperfallen. Kowollik nennt als No-Gos Vergleiche mit früheren Partnerinnen oder Partnern, Vorwürfe und Sätze mit «Du machst nie...». Auch mitten im Vorspiel sollte ein neuer Wunsch nicht überraschend eingebracht werden.
Praktisch lässt sich die Empfehlung so zusammenfassen: Sexuelle Wünsche kommen eher an, wenn sie als persönliche Lust, in ruhigem Rahmen und ohne Leistungsdruck formuliert werden. [dpa/red]
Autor:dpa content aus Ludwigshafen |