Regen im Südwesten: Wer profitiert – und für wen er zu spät kommt

Nach langer Trockenheit kann ein bisschen Regen nicht viel bewirken. (Archivbild)  | Foto: Thomas Warnack/dpa
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Baden-Württemberg. Für Garten, Natur und Landwirtschaft bringt der Regen im Südwesten Entlastung, doch Grundwasser, Rhein-Schifffahrt und viele Ernten profitieren kaum. Nach langen Wochen der Trockenheit ist etwas Niederschlag gefallen, bis Ende August soll stellenweise weiterer Regen dazukommen. Fachleute ordnen ein, wo die Schauer helfen und wo sie zu spät kommen.

Grundwasser braucht deutlich mehr Regen

Ein paar Schauer reichen nach Einschätzung der Landesanstalt für Umwelt Baden-Württemberg nicht aus, um die teils extrem niedrigen Grundwasserstände spürbar anzuheben. Der LUBW-Grundwasserexperte Michel Wingering sagte, bis Monatsende dürften die Regenfälle kaum Relevanz haben. Nötig wäre ein ausdauernder Landregen über mehrere Tage.

Indirekt hilft Regen dem Grundwasser dennoch. Wenn Bäche, Flüsse und andere Oberflächengewässer wieder mehr Wasser führen, werden Grundwasservorräte geschont. Entscheidend für die Neubildung ist aber vor allem die Zeit von November bis April. In diesem Jahr ist der Rückgang nach Angaben des Experten stärker als sonst zum Ende des Sommers.

Schifffahrt am Oberrhein bleibt unter Druck

Auch für die Schifffahrt bringt der Regen bisher kaum Entspannung. Am südlichen Oberrhein seien Wasserstände mancherorts zwar um wenige Zentimeter gestiegen, sagte Benjamin Sinaba vom Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt Oberrhein. Sie blieben aber extrem niedrig. „Wir sind weiter in der Niedrigwasserphase“, sagte Sinaba.

Für Transporte auf dem Rhein ändert sich damit im Wesentlichen nichts. Bei voraussichtlich nur einzelnen Regenfällen bis Ende August könne man noch nicht von Entspannung sprechen.

Wald und Böden erholen sich nicht durch kurze Schauer

Für Wälder und trockene Böden sind kurze Regengüsse nach Einschätzung von Fachleuten nur eine Verschnaufpause. ForstBW hatte bereits erklärt, dass ein großer Teil des Wassers bei solchen Schauern gar nicht bis in den Waldboden gelangt. Es bleibe auf Blättern oder in der Streu hängen und verdunste wieder.

Auch Ackerböden und Flächen sind nach Einschätzung der Nabu-Expertin Sabine Brandt aus Oberschwaben vielerorts stark geschädigt. Dort hätten sich Hitzerisse bis zu 50 Zentimeter Tiefe gebildet. Gewässer füllten sich zwar wieder, seien aber teils verschlammt. Viele Böden seien schlicht verbrannt.

Viele Ernten sind schon entschieden

Für zahlreiche Landwirte kommt der Regen zu spät. Die Getreideernte ist abgeschlossen. Beim Mais seien die Schäden vielerorts bereits entstanden, sagte eine Sprecherin des Landesbauernverbandes. Das lasse sich jetzt nicht mehr aufholen. Auch bei Zuckerrüben wird im Südwesten eine historisch schlechte Ernte erwartet.

Anders sieht es bei späteren Kulturen aus. Herbstgemüse wie Kraut und andere Kohlarten kann von Regen noch profitieren. Für deren weitere Entwicklung könne Niederschlag entscheidend sein, so der Landesbauernverband.

Obstbauern hoffen auf größere Äpfel

Für Obstbauern ist jeder Tropfen willkommen. Nach Angaben des Baden-Württembergischen Genossenschaftsverbandes können Äpfel durch Regen noch an Fruchtgröße gewinnen. Zudem können hitzegestresste Bäume Energie für die kommende Saison tanken. Für alles, was derzeit noch wächst, wirke der Regen ertrags- und qualitätsverbessernd.

Wildtiere profitieren schnell

Für Rehe, Wildschweine und Füchse bedeuten Regen und kühlere Temperaturen eine spürbare Erleichterung. Nabu-Wildtierexperte Rolf Müller erklärte, lange Trockenzeiten beeinträchtigten durch ausgetrocknete Nasenschleimhäute den Geruchssinn. Dieser ist für Orientierung und Nahrungssuche wichtig. Nach Regen seien die Tiere wieder mobiler.

Auch kleinere Tiere profitieren, wenn Wasserstellen wieder gefüllt sind. Sie schaffen oft keine weiten Wege zu entfernten Gewässern.

Amphibien und Reptilien hilft der Regen kaum noch

Für Amphibien und Reptilien kommt die Entlastung nach Einschätzung von Nabu-Experte Hubert Laufer vielfach zu spät. Amphibienweibchen seien abgemagert und müssten vor der Winterruhe Eier für das kommende Jahr produzieren. Das gelinge nicht, wenn es nur kurz regne. Bei Reptilien habe die Eiablage zwar stattgefunden, viele Eier dürften aber vertrocknet sein.

Wer vom Regen noch profitieren kann

  • Späte Herbstkulturen: Gemüse wie Kraut und Kohlarten kann sich bei weiterem Regen besser entwickeln.
  • Obstbäume: Äpfel können noch größer werden, Bäume können Kraft sammeln.
  • Wildtiere: Gefüllte Wasserstellen und feuchte Luft erleichtern Orientierung und Nahrungssuche.
  • Pflanzen mit Samen: Feuchtigkeit kann verhindern, dass Samen sofort verdorren. Sie könnten im nächsten Frühjahr keimen.

Für die Natur insgesamt wirken kühlere Temperaturen und Niederschläge tendenziell positiv, sagte Julia Hiller vom Nabu-Projekt mensch.natur. Es sei etwas mehr Wasser und Nahrung verfügbar. Das gelte aber nur, solange Temperaturen nicht stark abfielen und Regen nicht extrem werde. Nach der Hitzeperiode hätten viele Tiere eine schlechtere Fitness und könnten weitere Extremwetterereignisse schlechter verkraften. dpa/red

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Cornelia Bauer aus Speyer

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