Niedrigwasser in Hessen: Schadstoffe werden weniger verdünnt
- Die Pegelstände im Wasser sind stark gesunken. Vielerorts wurden historische Tiefstände gemessen.
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Wiesbaden. Niedrigwasser kann Schadstoffe in Flüssen und Bächen stärker konzentrieren, weil weniger Wasser sie verdünnt. Darauf weist das Hessische Landesamt für Naturschutz, Umwelt und Geologie in Wiesbaden hin.
Nach Angaben von Holger Martin vom HLNUG sind vor allem kontinuierliche Einträge aus kommunalen und industriellen Kläranlagen relevant. Bei niedrigen Wasserständen steigt der Anteil von Abwasser im Fluss. Stoffe, die bei höherer Wasserführung stärker verdünnt würden, könnten dann in höheren Konzentrationen auftreten.
Warum Trockenheit die Wasserqualität belastet
Besonders im Sommer ist Niedrigwasser für die Gewässerökologie wichtig. Dann kommen höhere Wassertemperaturen und schwankende Sauerstoffwerte hinzu. Vor allem morgens kann der Sauerstoffgehalt niedrig sein. Dadurch ist nach Einschätzung des Fachmanns auch die natürliche Selbstreinigungskraft eines Gewässers eingeschränkt.
Das HLNUG verweist zudem auf den Klimawandel. Trockenperioden dürften künftig häufiger werden. Damit rückt der Schutz von Flüssen, Bächen und Wasserressourcen stärker in den Fokus.
Welche Rückstände im Wasser bleiben können
Kläranlagen entfernen nach Angaben der Behörde zwar die meisten Inhaltsstoffe aus dem Abwasser. Einige schwer abbaubare oder langlebige Stoffe können aber dennoch in Gewässer gelangen. Dazu zählen:
- Arzneimittelrückstände
- Industriechemikalien
- Süßstoffe
Nicht nur einzelne Stoffe können Wasserorganismen beeinflussen. Auch Gemische mehrerer Substanzen können laut HLNUG sogenannte Summenwirkungen auslösen. Die Bewertung sei komplex. Selbst wenn einzelne Stoffe unterhalb einer akut wirksamen Konzentration liegen, könne eine längerfristige Belastung durch mehrere Substanzen für Wasserorganismen relevant sein.
Mögliche Folgen sind nach Angaben der Behörde Veränderungen körperlicher Abläufe und des Verhaltens. Auch Beeinträchtigungen des Immunsystems können auftreten.
Messstationen liefern wichtige Daten
Für die Bewertung der Wasserqualität nutzt die Fachbehörde Gewässergüte-Messstationen. Sie erfassen kontinuierlich pH-Wert, elektrische Leitfähigkeit, Sauerstoffgehalt und Wassertemperatur. So lassen sich Veränderungen über Stunden, Tage und Wochen verfolgen. Ergänzt werden die Messungen durch regelmäßige Laboranalysen von Wasserproben.
Fachleute fordern besseren Schutz der Wasserressourcen
Um die Belastung der Gewässer weiter zu verringern, spielt laut HLNUG eine bessere Abwasserreinigung eine wichtige Rolle. Für manche Stoffe reichten die üblichen Reinigungsstufen nicht aus. Weitergehende Verfahren wie eine vierte Reinigungsstufe mit Ozonung oder Aktivkohlefiltration könnten zusätzliche Spurenstoffeinträge reduzieren.
Auch Sebastian Exner, stellvertretender Geschäftsführer des Landesverbands Energie- und Wasserwirtschaft Hessen/Rheinland-Pfalz, sieht die Wasserqualität langfristig als Herausforderung. Wasserressourcen müssten stärker vor Schadstoffeinträgen geschützt und an trockenere Sommer angepasst werden.
Problematisch seien unter anderem Nitrat sowie per- und polyfluorierte Chemikalien, kurz PFAS. Diese Stoffgruppe kommt nicht natürlich vor und wird wegen ihrer Langlebigkeit laut Umweltbundesamt auch als „Ewigkeitschemikalien“ bezeichnet. Bestimmte Wasserressourcen könnten dadurch schwerer oder gar nicht mehr für die Trinkwasserversorgung genutzt werden. [dpa/red]
Autor:dpa content aus Ludwigshafen |