Neues Virus bei Rindern entdeckt: Erreger breitet sich in Baden-Württemberg aus
- Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen haben ein bislang nicht näher beschriebenes Virus einer exotischen Gruppe in Deutschland bei Rindern nachgewiesen. (Symbolbild)
- Foto: Karl-Josef Hildenbrand/dpa
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Baden-Württemberg. Für Rinderhalter im Südwesten ist ein neuer Erreger nachgewiesen worden, der sich nach Einschätzung des Friedrich-Loeffler-Instituts weiter ausbreiten könnte. Betroffen sind nach bisherigen Erkenntnissen vor allem Rinder in Süddeutschland, insbesondere in Baden-Württemberg.
Das Friedrich-Loeffler-Institut in Greifswald untersuchte vier Proben aus Baden-Württemberg. Dabei kamen die Fachleute zu dem Schluss, dass es sich um ein bislang nicht näher charakterisiertes Orthobunyavirus aus der Simbu-Serogruppe handelt. Solche Viren kommen nach Angaben des Instituts vor allem in Afrika, Asien und Australien vor.
Was bisher über die Symptome bekannt ist
Bei den betroffenen Tieren wurden Fieber und Durchfall beobachtet. Milchkühe gaben zudem weniger Milch. Übertragen wird das Virus nach Angaben des Instituts durch blutsaugende Gnitzen.
Das neu nachgewiesene Virus gehört zu einer Gruppe, zu der auch das Schmallenberg-Virus zählt. Dieses war 2011 in Deutschland angekommen und hatte in den Jahren danach vor allem bei Schafen Fehlgeburten und Missbildungen verursacht. Damals waren mehr als 2000 Höfe betroffen.
Nach aktuellem Stand kein relevantes Risiko für Menschen
Nach bisherigem Kenntnisstand stellt das neue Virus kein relevantes Infektionsrisiko für den Menschen dar. Das müsse aber genauer untersucht werden, teilte das Institut mit.
Infiziert werden den Angaben zufolge überwiegend Wiederkäuer, insbesondere Rinder, Schafe und Ziegen. Antikörper wurden außerdem bei Alpaka, Bison sowie bei Reh-, Rot-, Dam- und Muffelwild nachgewiesen.
Mögliche Folgen in der Trächtigkeit noch offen
Bei erwachsenen Tieren verlaufen Infektionen mit Viren dieser Gruppe laut FLI meist mild bis moderat. Wichtiger ist aus Sicht des Instituts die mögliche Übertragung auf den Fetus während der Trächtigkeit. Je nach Zeitpunkt der Infektion können Aborte, Totgeburten und schwere angeborene Fehlbildungen auftreten.
Ob solche Folgen auch bei dem nun nachgewiesenen Virus auftreten, ist noch unklar. Weil die übertragenden Gnitzen noch bis November aktiv sind, rechnet das Institut mit einer weiteren und möglicherweise schnellen Ausbreitung.
FLI sieht noch viele offene Fragen
Nach Angaben des Instituts waren zuvor erkrankte Rinder in der Schweiz, in Frankreich und im Juli auch in zahlreichen Beständen in Süddeutschland aufgefallen. Die Symptome erinnerten zunächst an das Schmallenberg-Virus. Tests auf diesen und andere bekannte Erreger fielen jedoch negativ aus.
Schließlich wies das FLI eine große genetische Übereinstimmung mit Shamonda-Viren nach. In der Mitteilung bezeichnet das Institut den Erreger deshalb auch als „Shamonda-like“.
FLI-Vizepräsident Martin Beer erklärte, nach 2011 sei damit erneut ein exotisches Orthobunyavirus eingeschleppt worden. Die Untersuchungen der kommenden Wochen sollen zeigen, wie schnell es sich ausbreitet, welche Tierarten besonders betroffen sind und mit welchen klinischen Folgen zu rechnen ist. Auch die Entwicklung eines Impfstoffs gilt als möglich. dpa/red
Autor:Cornelia Bauer aus Speyer |
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