Nahrungsergänzungsmittel: Risiken, Irrtümer und worauf es ankommt

Symbolbild: Viele Nahrungsergänzungsmittel wirken harmlos, sind aber oft unnötig. Wer hohe Dosierungen nimmt oder Medikamente einnimmt, sollte Werbeversprechen kritisch einordnen und den Bedarf besser prüfen lassen. | Foto: tetxu/stock.adobe.com
  • Symbolbild: Viele Nahrungsergänzungsmittel wirken harmlos, sind aber oft unnötig. Wer hohe Dosierungen nimmt oder Medikamente einnimmt, sollte Werbeversprechen kritisch einordnen und den Bedarf besser prüfen lassen.
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Nahrungsergänzungsmittel Risiken. Für viele Menschen sind Nahrungsergänzungsmittel im Alltag oft überflüssig und können in hoher Dosierung sogar schaden oder die Wirkung von Arzneimitteln beeinflussen.

Ob Vitamin D, Magnesium oder „Immun-Booster“: Im Regal oder im Internet wirkt vieles wie eine schnelle Absicherung. Praktisch wichtig ist aber die Unterscheidung zwischen Nahrungsergänzungsmitteln und Arzneimitteln, weil für Nahrungsergänzungsmittel andere Regeln gelten und Werbeversprechen häufig mehr suggerieren, als belegt ist.

Darauf weist auch die ABDA, die Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände, hin. Beim Fortbildungskongress pharmacon Meran erklärte die Apothekerin Professor Dr. Mona Tawab, wissenschaftliche Leiterin des Zentrallaboratoriums Deutscher Apotheker (ZL), dass viele Menschen Werbeaussagen vertrauen und gleichzeitig fälschlicherweise annehmen, sie seien unterversorgt.

Warum Nahrungsergänzungsmittel oft überschätzt werden

Ein zentraler Punkt: Rund die Hälfte der Menschen in Deutschland geht laut den Aussagen von Tawab davon aus, Nahrungsergänzungsmittel seien im Grunde wie Arzneimittel und würden auf Wirksamkeit und Sicherheit geprüft. Genau dieser Irrtum macht es im Alltag schwer, sinnvolle von unnötigen oder problematischen Produkten zu unterscheiden.

Zusätzlich werden in sozialen Medien laut Tawab häufig überzogene Wirkversprechen verbreitet, Studienergebnisse verdreht oder Fakten erfunden. Das führt dazu, dass Produkte „für alle“ plausibel wirken, obwohl ein konkreter Bedarf nicht geklärt ist.

Typische Warnsignale bei Werbung und Online-Angeboten

Ein praktischer Hinweis aus der Apotheke: Unseriös wird es besonders dann, wenn ein Nahrungsergänzungsmittel mit Wirkungen beworben wird, die von den behördlich festgelegten erlaubten Aussagen, den sogenannten „Health Claims“, abweichen.

Wichtige Einordnung: Krankheitsbezogene Werbung für Nahrungsergänzungsmittel ist gesetzlich verboten. Tawab beschreibt krankheitsbezogene Versprechen wie „hilft gegen eine Erkrankung“ als klares Warnsignal. Apotheken dürfen solche Produkte nicht verkaufen. Trotzdem werden sie laut ABDA weiterhin im Internet angeboten und gekauft.

Konkrete Warnzeichen können sein:

  • Heil- oder Krankheitsversprechen, zum Beispiel „wirkt gegen Diabetes“ oder „heilt Gelenkschmerzen“.
  • Extrem vereinfachte Aussagen wie „entgiftet den Körper“ oder „ersetzt Medikamente“.
  • Besonders hoch dosierte Produkte ohne nachvollziehbare Begründung.

Welche Risiken hohe Dosierungen haben können

Tawab betont, dass hoch dosierte Nahrungsergänzungsmittel nicht nur teuer sein können, sondern auch gesundheitliche Schäden verursachen können. Außerdem können sie die Wirkung von Arzneimitteln stören. Im Alltag ist das vor allem dann relevant, wenn bereits regelmäßig Medikamente eingenommen werden und zusätzlich Vitamine, Mineralstoffe oder Pflanzenextrakte „zur Sicherheit“ dazukommen.

Wann Vitamine und Mineralstoffe sinnvoll sein können

Für Vitamine und Mineralstoffe empfiehlt Tawab, eine Einnahme an gemessenen Blutwerten auszurichten. Erst dadurch lasse sich feststellen, ob überhaupt ein Mangel vorliegt. Solche Messungen werden laut ABDA inzwischen von immer mehr Apotheken angeboten.

Das Zentrallaboratorium Deutscher Apotheker (ZL) arbeitet nach Angaben von Tawab außerdem an der Evaluation von Messgeräten für Apothekentests. Das ist für Verbraucherinnen und Verbraucher vor allem deshalb relevant, weil Messergebnisse die Grundlage dafür sein können, eine unnötige oder zu hohe Einnahme zu vermeiden.

Am Ende zählt für den Alltag vor allem diese Konsequenz: Nahrungsergänzungsmittel sind kein pauschaler Gesundheits-Shortcut, sondern sollten nur dann eine Rolle spielen, wenn ein konkreter Bedarf plausibel ist und die Dosierung zur persönlichen Situation passt. [red]

Autor:

Thorsten Kornmann aus Karlsruhe

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