Nach der Rekordhitze: Das sind jetzt die Folgen für Rheinland-Pfalz
- Extreme Hitze ist kein Einzelfall mehr in Rheinland-Pfalz. (Symbolbild)
- Foto: Jens Büttner/dpa
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Rheinland-Pfalz. Mehr als 40 Grad, tropische Nächte und kaum Abkühlung – die Hitzewelle hat Rheinland-Pfalz an vielen Stellen an die Belastungsgrenze gebracht. Kliniken melden mehr Notfälle, Straßen werden beschädigt, Feuerwehren rücken häufiger aus und selbst Flüsse erreichen ungewöhnlich hohe Temperaturen.
Die Rekordhitze hat im Land unmittelbare Folgen für Gesundheit, Verkehr und Kommunen. Die Hitzewelle gilt nach Einschätzung von Behörden und Kommunen nicht mehr als Ausnahme. Vielmehr passt sie in den Trend zu häufigeren Extremereignissen. Besonders belastend ist das für ältere Menschen, Säuglinge, Kleinkinder und Menschen mit Vorerkrankungen.
Die aktuelle Hitzewelle im Überblick
über 40 Grad gemessen
mehr Rettungseinsätze
Krisenstab in Mainz
Blow-ups auf der A1
Rhein über 28 Grad
Mosel über 29 Grad
Wasserverbrauch in Trier +20 Prozent
mehr Vegetationsbrände
Kliniken und Pflegeheime sollen kühler werden
Nach der Hitzewelle wird vor allem über besseren Schutz in Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen gesprochen. Der Direktor des Landkreistages, Andreas Göbel, hält technische Nachrüstungen im Bestand für nötig. Genannt werden Klimaanlagen und Luftwärmepumpen zum Kühlen. Bei Neubauten sieht er weniger Probleme, weil diese nach aktuellem technischem Stand geplant würden.
Offen ist aus Sicht der Kommunen vor allem die Finanzierung. Die Landkreise sind grundsätzlich für Krankenhäuser zuständig. Für größere Nachrüstungen fordern sie eine faire Verteilung der Kosten.
Mehr Einsätze und mehr Druck auf Rettungskräfte
Die extrem heißen Tage haben Polizei, Brand und Katastrophenschutz sowie den Rettungsdienst spürbar gefordert. Es gab mehrere Vegetations und Flächenbrände. Zugleich stieg die Einsatzbelastung der Rettungskräfte. Das Innenministerium sieht die bestehenden Strukturen im Land dennoch als leistungsfähig an.
Wichtig bleiben nach Einschätzung des Ministeriums regelmäßige Übungen, aktualisierte Alarm und Einsatzpläne und passende Ausrüstung für die Brandbekämpfung. Dazu gehören auch flexibel einsetzbare Tanklöschfahrzeuge.
Notaufnahmen müssen mit Nachwirkungen rechnen
Auch die Kliniken melden eine höhere Belastung. In der Universitätsmedizin Mainz stiegen die hitzebedingten Notfälle am Sonntag, 29. Juni, so deutlich an, dass vorübergehend ein Krisenstab einberufen wurde. Nach Angaben der Klinik wird auch in den nächsten Tagen mit mehr Patienten gerechnet, weil die Folgen extremer Hitze medizinisch oft verzögert nachwirken.
Hitzeaktionsplan soll Kommunen helfen
Das Gesundheitsministerium verweist auf den Hitzeaktionsplan des Landes. Er soll Kommunen beim Schutz der Bevölkerung in Hitzeperioden unterstützen. Dazu gehören Handlungsempfehlungen sowie eine Informations und Alarmkette auf Grundlage der Einschätzungen des Deutschen Wetterdienstes.
Eine pauschale Lösung für Gebäude sieht das Ministerium nicht. Wie ein Haus gebaut oder angepasst wird, müsse vor Ort entschieden werden. Ziel bleibe, hitzebedingte Todesfälle durch Prävention, Aufklärung und gute Warnkommunikation zu verringern.
Verkehr und Gewässer geraten unter Druck
Auf der A1 bei Wittlich kam es bei mehr als 40 Grad auf einer Betonfahrbahn zu sogenannten Blow Ups. Dabei wölbten sich Fahrbahnplatten nach oben. Auf Bundes, Landes und Kreisstraßen wurden dagegen keine größeren Schäden gemeldet. Der Landesbetrieb Mobilität führt das vor allem darauf zurück, dass diese Straßen meist aus Asphalt bestehen und weniger hitzeanfällig sind.
Unter Druck stehen auch Flüsse und Betriebe. Der Rhein erreichte bei Worms mehr als 28 Grad. Die Mosel bei Palzem lag bei mehr als 29 Grad. Warmes Wasser enthält weniger Sauerstoff. Das kann Fische stark belasten und im Extremfall töten. Zudem geraten Industrie und andere Betriebe unter Druck, wenn Kühlwasser begrenzt werden muss.
Kommunen ziehen konkrete Lehren
In Mainz führte die Hitzeperiode zu einer hohen Belastung für Feuerwehr, Leitstelle und Katastrophenschutz. Am Hitzesonntag, 29. Juni, musste die Feuerwehr 45 Einsätze bewältigen. Das waren nach Angaben der Stadt mehr als dreimal so viele wie an einem durchschnittlichen Tag. Das Notrufaufkommen stieg binnen zwölf Stunden von sonst rund 1600 auf 2528 Anrufe.
In Koblenz behielt der Kommunale Vollzugsdienst besonders gefährdete Gruppen verstärkt im Blick und informierte bei Bedarf über Schattenplätze und Trinkwassermöglichkeiten. Trier meldete während der Hitzeperiode einen deutlich höheren Wasserverbrauch. Engpässe gab es dank des ausgebauten Versorgungssystems aber nicht. In der vergangenen Woche lag der Bedarf mit rund 184350 Kubikmetern etwa 20 Prozent über dem Vorjahreszeitraum und rund ein Drittel über dem Niveau von Anfang Juni. dpa/red
Autor:Cornelia Bauer aus Speyer |
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