MeinELSTER+ Ein-Klick-Steuererklärung: Für wen sie sich lohnt
- Bei der Steuererklärung per App spart das Ein-Klick-Verfahren Zeit, setzt aber voraus, dass absetzbare Ausgaben vor dem Absenden geprüft und ergänzt werden.
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Steuererklärung 2026. Die Ein-Klick-Steuererklärung über „MeinELSTER+“ kann viel Zeit sparen, lohnt sich aber vor allem bei einfachen Fällen, weil wichtige absetzbare Ausgaben oft nicht automatisch auftauchen.
Seit dem 31. März ist die Anmeldung für die neue Funktion bundesweit einheitlich möglich, berichtet die Lohnsteuerhilfe Bayern e.V. Die App der Finanzbehörden heißt „MeinELSTER+“ und richtet sich perspektivisch an viele der insgesamt rund 11,5 Millionen Steuerpflichtigen, für die das neue Verfahren gedacht ist. Bequem ist das Verfahren vor allem, weil ein Großteil der bekannten Daten bereits vorliegt. Gleichzeitig bleibt die Verantwortung bei den Steuerpflichtigen, die Angaben zu prüfen und bei Bedarf zu ergänzen.
Was MeinELSTER+ (aktuell) kann und wer es nutzen darf
Der Nutzerkreis ist zunächst begrenzt. Aktuell steht die Ein-Klick-Funktion nur ledigen und kinderlosen Arbeitnehmenden sowie Altersrentnern ohne zusätzliche Einkünfte zur Verfügung. Von rund 24 Millionen ELSTER-Nutzern kommt damit laut Lohnsteuerhilfe Bayern e.V. knapp die Hälfte grundsätzlich infrage.
So läuft das Verfahren ab:
- Die App erstellt anhand der dem Finanzamt bereits vorliegenden Daten einen Vorschlag für die Steuererklärung inklusive Vorschau auf den Steuerbescheid.
- Ab dem 1. Juli 2026 kann die vorausgefüllte Steuererklärung für das Jahr 2025 bestätigt, korrigiert oder ergänzt werden.
- Mit Einverständnis wird die Erklärung in sehr kurzer Zeit elektronisch eingereicht.
Der praktische Haken: Automatisch sind vor allem Einnahmen, nicht Ausgaben
Die vorausgefüllten Inhalte basieren auf Daten, die dem Finanzamt typischerweise über Meldungen von Arbeitgebern, Rentenversicherung, Krankenkassen und Banken vorliegen. Das bildet vor allem Einnahmen ab. Absetzbare Ausgaben, die die Steuerlast senken können, sind damit nicht automatisch vollständig enthalten. Das betrifft je nach Fall zum Beispiel individuelle Kosten, die über Pauschalen hinausgehen. Wer hier vorschnell zustimmt, riskiert, steuermindernde Punkte zu übersehen.
Ein zweiter Punkt ist der spätere Korrekturweg. Nach einer schnellen Zustimmung sind nachträgliche Änderungen schwerer. Tauchen absetzbare Ausgaben erst nach dem Bescheid auf, bleibt in der Regel nur der Einspruch gegen den Steuerbescheid innerhalb der gesetzlichen Frist.
Einordnung: Segen bei einfachen Fällen, begrenzt bei Sparpotenzial
Für Menschen mit wenig Potenzial zum Absetzen kann die Ein-Klick-Steuererklärung ein echter Vorteil sein. Der Zeitgewinn ist hoch und mögliche finanzielle Nachteile bleiben in solchen Fällen eher überschaubar. Bei umfangreicheren oder komplexeren Steuerfällen reicht das Schnellverfahren oft nicht aus. Wer über die Pauschalen hinaus Ausgaben etwa für Beruf, Krankheit, Handwerkerleistungen oder Spenden geltend machen kann, muss diese Punkte weiterhin aktiv erfassen, damit sie in der Steuererklärung landen. Die App ist ein pragmatischer Einstieg in eine vereinfachte Abgabe, ersetzt aber bei Fällen mit größerem Gestaltungsspielraum keine gründliche Prüfung der eigenen Angaben.
Autor:Jens Vollmer aus Wochenblatt Kaiserslautern |