Mehr spanische Urlauber im Schwarzwald: Was dahinter steckt

Der Schwarzwald ist eine der gefragtesten Urlaubsregionen in Deutschland. (Archivbild) | Foto: Uli Deck/dpa
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Freiburg. Für Urlauber und die Tourismusbranche in Südbaden wird ein Sommertrend sichtbarer: Mehr Gäste aus Spanien und Italien reisen in den Schwarzwald, weil sie dort kühlere Bedingungen als in ihrer Heimat erwarten.

Die Entwicklung passt zu dem, was Verbände inzwischen als „Coolcation“ bezeichnen. Gemeint ist Urlaub in vergleichsweise kühleren Regionen statt in besonders heißen Reisezielen. Nach Angaben der Schwarzwald Tourismus GmbH auf Basis von Zahlen des Statistischen Landesamts Baden-Württemberg legten vor allem die Übernachtungen spanischer Gäste zu.

Im vergangenen Jahr wurden im Schwarzwald knapp 199.000 Übernachtungen aus Spanien gezählt. Das war ein Plus von 3,6 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Im Vergleich zu 2015 beträgt der Zuwachs sogar 64 Prozent. Aus Italien kamen rund 194.500 Übernachtungen. Das entsprach einem Plus von 0,8 Prozent. Zusammen kamen beide Märkte damit auf mehr als 393.000 Übernachtungen.

Besonders starke Zuwächse im Hochschwarzwald

Im Hochschwarzwald fällt die Entwicklung noch deutlicher aus. Nach Angaben der Hochschwarzwald Tourismus GmbH stiegen die Übernachtungen aus Spanien in den Jahren nach der Corona-Pandemie dort um 11 bis 46 Prozent pro Jahr.

Am Titisee wurden zuletzt fast doppelt so viele Besucher aus Spanien und Italien gezählt wie im gleichen Vorjahreszeitraum. Allerdings bleiben beide Herkunftsländer dort bislang ein kleiner Marktanteil. Zusammen machen sie nach Angaben des Verbands zwischen einem und zwei Prozent aller Gäste im Hochschwarzwald aus.

Dass die Hoffnung auf Abkühlung ein wichtiger Reisegrund ist, bestätigen beide Tourismusorganisationen. Rückmeldungen von Gästen zufolge spielen die hohen Temperaturen in Spanien und Italien bei der Wahl des Urlaubsziels eine wichtige Rolle. Als Gegenpol gelten vor allem Wälder, Seen und Höhenlagen des Schwarzwalds.

In Freiburg ist mehr Spanisch und Italienisch zu hören

Auch in Freiburg wird die Entwicklung nach Einschätzung lokaler Anbieter spürbar. Der Stadtführer Cardenio Vásquez Avilés, der seit acht Jahren kostenlose Führungen auf Spanisch anbietet, berichtet von wachsender Nachfrage vor allem im Sommer und zur Weihnachtszeit. In den Sommermonaten komme er nach eigenen Angaben im Schnitt auf drei Touren pro Tag.

Nach seiner Einschätzung reisen viele Familien mit der Erwartung an, dass es in Südbaden frischer ist. In den Städten ist der Unterschied zur Heimat jedoch nicht immer groß. Wer deutliche Abkühlung suche, müsse eher in höhere Lagen oder tiefer in den Schwarzwald fahren.

Sommertrend mit praktischem Nutzen für Reisende

Neben niedrigeren Temperaturen nennen die Verbände weitere Gründe für das Interesse aus Südeuropa. Genannt werden authentische Erlebnisse wie regionale Küche, historische Schwarzwaldhöfe, Naturziele und kulturelle Orte wie der Dom St. Blasien.

Für Reisende lässt sich daraus vor allem ableiten:

  • In den Sommermonaten steigt die Nachfrage aus Spanien und Italien besonders stark.
  • Wer kühlere Temperaturen sucht, findet sie im Schwarzwald eher in Höhenlagen als in Innenstädten.
  • Gefragt sind neben Natur auch regionale Küche und kulturelle Ausflugsziele.

Neu ist das Motiv allerdings nicht. Schon die frühere Sommerfrische beruhte auf dem Wunsch, heiße Städte zeitweise gegen Land und Berge zu tauschen.

Tourismus wirbt gezielt in Spanien

Die Branche reagiert bereits auf die Entwicklung. Nach Angaben der Schwarzwald Tourismus GmbH lief im vergangenen Jahr eine gezielte Kampagne im spanischen Markt, bei der „Coolcation“ eines der zentralen Werbethemen war. Auch die Zahl spanischer und italienischer Medien und Influencer, die über den Hochschwarzwald berichten, nimmt laut Verband zu.

Damit profitiert der Tourismus in Südbaden schon jetzt spürbar von Besuchern aus Südeuropa. Der Trend dürfte aus Sicht der Branche weiter an Bedeutung gewinnen. dpa/red

Autor:

Cornelia Bauer aus Speyer

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