Mehr Gefahren in den Alpen: Worauf Wanderer jetzt achten müssen
- «Ein Problem ist vor allem, dass die Hitzewellen so lange angehalten haben», sagt Severin Karrer, Fachleiter für Ausbildung, Bergsport und Sicherheit im Sommer beim Schweizer Alpen-Club (SAC).
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Alpen. Wer jetzt in den Alpen unterwegs ist, muss laut Fachleuten selbst auf bekannten Routen mit deutlich höheren Risiken rechnen. Wenig Schnee im Winter, ein milder Frühling und lang anhaltende Hitze haben die Bedingungen in den Bergen in diesem Sommer spürbar verschärft.
Der Schweizer Alpen-Club und der Deutsche Alpenverein warnen vor einer ungewöhnlich ungünstigen Lage. Bergsteiger träfen zunehmend auf blanke Eisflächen. Schneebrücken über Gletscherspalten könnten einbrechen. Auch Randspalten würden größer.
Null-Grad-Grenze liegt außergewöhnlich hoch
Nach Angaben des Schweizer Alpen-Clubs lag die Null-Grad-Grenze über mehrere Wochen bei mehr als 4000 Metern. Zeitweise erreichte sie demnach annähernd 5000 Meter. Im langjährigen Durchschnitt liegt sie im Sommer zwischen 3000 und unter 4000 Metern. Die Bergrettung im österreichischen Pinzgau spricht deshalb von einem außergewöhnlichen Jahr. Manche Touren seien derzeit nicht mehr möglich.
Gefahr endet nicht automatisch mit kühlerem Wetter
Neben Risiken auf Gletschern wächst auch die Gefahr durch auftauenden Permafrost. Er stabilisiert im Hochgebirge gefrorene Gesteinsschichten. Wenn diese Bindung nachlässt, können sich Fels und Schutt lösen. Die Folge sind Steinschlag und Felsstürze. Nach Gewittern und Starkregen steigt zusätzlich das Risiko von Muren. Auch Zustiege zu Hütten können vorübergehend unpassierbar sein.
Fachleute betonen, dass die Gefahr auch nach einer Abkühlung bestehen bleibt. Bereits gelockertes Gestein könne später abrutschen.
Alte Tourenbeschreibungen können täuschen
Nach Einschätzung der Experten sollten sich nicht nur Bergsteiger, sondern auch Wanderer vor jeder Tour über die aktuellen Verhältnisse informieren. Ältere Karten und Routenbeschreibungen könnten ein falsches Sicherheitsgefühl geben, weil sich Gletscherstände, Felsabschnitte und ganze Wege rasch verändern.
- Vor dem Start aktuelle Bedingungen und Weginfos prüfen
- Früh aufbrechen und die Mittagshitze meiden
- Genug Flüssigkeit einpacken und Trinkpausen im Schatten planen
- Kopfbedeckung und Sonnenschutz mitnehmen
Die Bergrettung beobachtet zudem viele Erschöpfungsfälle, weil manche Menschen zu spät starten und größere Höhenunterschiede erst in der Mittagshitze angehen.
Klimawandel verändert den Alpenraum rasant
Nach Einschätzung des Instituts für Schnee- und Lawinenforschung in Davos erwärmen sich die Alpen mitten in Europa doppelt so schnell wie der globale Durchschnitt. Eine Studie in der Fachzeitschrift „Earth-Science Reviews“ vom November kommt unter Beteiligung des Instituts zu dem Ergebnis, dass die Steinschlagaktivität in alpinen Regionen mit tauendem Permafrost und Gletscherschwund zunimmt. Als Hauptgrund nennt die Untersuchung steigende Sommertemperaturen. dpa/red
Autor:Cornelia Bauer aus Speyer |
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