Mehr als Höflichkeit: Wie Kinder lernen, wirklich dankbar zu sein
- Dankbarkeit kommt nicht auf Zuruf. Sie wächst durch Vorbild, Erfahrung und Beziehung – nicht durch «Sag' doch mal Danke».
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Dankbarkeit bei Kindern fördern. Mehr Verständnis oder ein einfaches „Danke“ wünschen sich viele Eltern im Alltag. Doch Dankbarkeit lässt sich bei Kindern nicht auf Knopfdruck erzeugen. Nach Einschätzung des Familienberaters Jan-Uwe Rogge entwickelt sie sich langsam durch Erfahrung, Vorbilder und eine stabile Beziehung.
Ein selbstgemaltes Herz, eine Umarmung oder eine kleine Dankeschön-Parade am Muttertag. Solche Momente zeigen Wertschätzung. Im Alltag erleben viele Mütter und Väter jedoch etwas anderes. Kinder bemerken oft kaum, wie viel Eltern organisieren, vorbereiten und erledigen.
Der Wunsch nach mehr Verständnis ist nachvollziehbar. Etwa wenn eine Mutter mittags eine halbe Stunde Ruhe vereinbart. In der Praxis platzt dann trotzdem jemand ins Zimmer und ruft: „Ich hab' Durst!“
Konsequenz löst oft ein schlechtes Gewissen aus
Erinnert die Mutter an die Abmachung und schickt das Kind zurück in die Küche, ist die Grenze zwar gesetzt. Gleichzeitig beginnt häufig ein innerer Konflikt. War die Reaktion zu hart. Hätte es freundlicher gehen müssen.
„Natürlich antwortet das Kind jetzt nicht \"Mama, ich danke dir, dass du so konsequent bist\"“, erklärt Erziehungsberater Jan-Uwe Rogge. Der Buchautor („Gelassen erziehen – stark begleiten“) beschreibt das nüchtern. Kinder seien mit Dankbarkeit oft sparsam. „Nicht aus Bosheit. Eher aus Entwicklung.“
Typischer seien Alltagssätze wie „Ich hab' Durst.“, „Wo ist mein Trikot?“ oder „Warum darf ich das nicht, die anderen dürfen alle?“.
Dankbarkeit wächst langsam im Alltag
Nach Einschätzung des Erziehungsberaters führt Druck selten zum gewünschten Effekt. Vorwürfe wie „Du könntest ruhig mal danke sagen“, „Andere Kinder wären froh“ oder „Weißt du eigentlich, was ich alles für dich mache?“ entstehen oft aus Erschöpfung. Beim Kind kommen sie jedoch häufig als Schuldgefühl an.
Rogge beschreibt Dankbarkeit deshalb nicht als feste Eigenschaft. „Dankbarkeit ist kein fertiges Möbelstück, das man nur noch ins Kinderzimmer stellt.“ Aus seiner Sicht entsteht sie Schritt für Schritt durch Vorleben, Beziehung und wiederkehrende Erfahrungen.
Gleichzeitig dürfen Kinder lernen, dass Eltern keine Dienstleister sind und Familie keine Einbahnstraße ist. Auch Mütter und Väter haben Bedürfnisse.
Ein möglicher Ansatz ist ein einfacher Satz, der Erwartungen klar formuliert. Rogge empfiehlt etwa: „Ich mache das gern für dich und helfe dir. Und ich möchte nicht, dass es selbstverständlich wird.“ So entsteht im Alltag eine Orientierung, ohne Druck aufzubauen.
Jan-Uwe Rogge, geboren 1947, arbeitet seit fast 50 Jahren als Familien- und Kommunikationsberater und hat zahlreiche Bücher zu Erziehungsthemen veröffentlicht. Am Dienstag, 1. Juli, erscheint sein neues Buch „Grenzen setzen ist (k)ein Kinderspiel“.
Im Familienalltag zeigt sich damit oft eine einfache Erkenntnis. Dankbarkeit bei Kindern entsteht nicht durch Forderungen, sondern durch Zeit, Beziehung und klare Grenzen. dpa/red
Autor:Cornelia Bauer aus Speyer |
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