Malaria-Fälle in Frankfurt: Risiko im Südwesten sehr gering

Am Dienstag hatte das Frankfurter Gesundheitsamt bekanntgegeben, dass zwei Anwohner in der Nähe des Airports an sogenannter Flughafen-Malaria erkrankten - einer davon starb an der Infektion. (Symbolbild)  | Foto: James Gathany/AP/dpa
  • Am Dienstag hatte das Frankfurter Gesundheitsamt bekanntgegeben, dass zwei Anwohner in der Nähe des Airports an sogenannter Flughafen-Malaria erkrankten - einer davon starb an der Infektion. (Symbolbild)
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Baden-Württemberg. Für Menschen in Baden-Württemberg besteht wegen der Malaria-Fälle im Raum Frankfurt derzeit kein Anlass, ihr Verhalten zu ändern. Fachleute schätzen das Risiko einer Ansteckung im Südwesten als sehr gering ein.

Nach Einschätzung des Tübinger Tropenmediziners Peter Kremsner und der Virologin Christiane Wagner-Wiening vom Landesgesundheitsamt Baden-Württemberg sind derzeit keine besonderen Schutzmaßnahmen nötig. Malaria werde nicht von Mensch zu Mensch übertragen. Ein Reisender aus einem Risikogebiet könne die Krankheit daher nicht einfach an Angehörige weitergeben.

Was in Frankfurt passiert ist

Das Frankfurter Gesundheitsamt hatte am 15. September bekanntgegeben, dass zwei Anwohner in der Nähe des Flughafens an sogenannter Flughafen-Malaria erkrankt waren. Einer von ihnen starb an der Infektion. Die Betroffenen arbeiteten nach Angaben der Behörde nicht am Flughafen und waren zuvor nicht in einem Malaria-Risikogebiet.

Die Behörden vermuten, dass infizierte, eingeschleppte Anopheles-Mücken die Menschen gestochen haben. Bereits im Sommer waren sechs Beschäftigte des Frankfurter Flughafens an Malaria erkrankt. Zwei von ihnen starben.

Warum das Risiko im Südwesten gering ist

Damit es zu einer solchen Infektion kommt, müsste eine mit Malaria-Erregern infizierte Mücke etwa per Flugzeug oder Fracht nach Deutschland gelangen, den Transport überleben und anschließend einen Menschen stechen. Unter günstigen Bedingungen können Anopheles-Mücken mehrere Kilometer zurücklegen.

Kremsner hält es dennoch für wenig wahrscheinlich, dass eine infizierte Mücke aus den Tropen nach Deutschland gelangt. „Ganz auszuschließen ist es nicht, aber die Wahrscheinlichkeit ist sehr, sehr, sehr gering weit weg von internationalen Flughäfen“, sagte der Malaria-Experte.

Auch Wagner-Wiening sieht für Baden-Württemberg ein deutlich geringeres Risiko als rund um den Frankfurter Flughafen. Weder in Stuttgart noch in Baden-Baden gebe es Fluglinien, die Malaria-Endemiegebiete anflögen. „Wir haben in den letzten Jahrzehnten keine Infektion im Zusammenhang mit Flughäfen beobachtet“, sagte sie.

Warum sich Malaria kaum ausbreitet

Eine dauerhafte Übertragung von Malaria hält Kremsner in Baden-Württemberg für sehr unwahrscheinlich. Zwar gebe es hier Anopheles-Arten, die den Erreger grundsätzlich übertragen könnten. Sie seien dafür aber weniger geeignet als tropische Arten.

Hinzu kommt nach Einschätzung des Experten das gut ausgebaute Gesundheitssystem. Infektionen würden in Deutschland in der Regel erkannt und behandelt. Menschen, die nicht oder nur selten mit Malaria in Kontakt gekommen seien, würden bei einer Infektion erkranken und medizinisch auffallen. Dadurch könne die Krankheit behandelt werden, bevor sich eine weitere Übertragungskette entwickle.

Die Todesfälle in Frankfurt könnten nach Einschätzung der Stuttgarter Expertin auch damit zusammenhängen, dass die Diagnose zunächst nicht gestellt wurde. Malaria tropica sei grundsätzlich gut behandelbar. Problematisch werde es, wenn eine Infektion nicht in Betracht gezogen werde. Nach der ungewöhnlichen Häufung und den Todesfällen sei die Ärzteschaft nun stärker sensibilisiert.

Was Fachleute jetzt empfehlen

Für Baden-Württemberg sieht das Landesgesundheitsamt derzeit keinen Anlass für zusätzliche Maßnahmen. Die Gesundheitsämter wurden nach Angaben der Fachvirologin bereits im August sensibilisiert.

Unabhängig von den Fällen in Frankfurt empfiehlt sich in den Sommermonaten allgemeiner Mückenschutz, besonders in der Oberrheinregion. Dort können Stechmücken unter bestimmten Umständen auch Erreger wie Dengue- oder Chikungunya-Viren übertragen.

  • Mückenschutz nutzen: Repellents können Stiche vermeiden.
  • Bedeckende Kleidung tragen: Lange Ärmel und lange Hosen senken das Stichrisiko.
  • Wohnräume schützen: Fliegengitter helfen, Mücken fernzuhalten.
  • Bei Fieber nach Tropenreisen ärztlich abklären lassen: Eine schnelle Diagnose ist wichtig.

Die Stadt Frankfurt rät ihren Bürgerinnen und Bürgern wegen der neuen Fälle ebenfalls zu Mückenschutz durch Repellents und bedeckende Kleidung sowie zu Fliegengittern in Wohnräumen. Die Gefahr, sich mit Malaria zu infizieren, sei aber auch in Frankfurt sehr gering. Die klimatischen Bedingungen in Deutschland seien aktuell für den Entwicklungszyklus von Mücke und Erreger ungünstig. dpa/red

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dpa content aus Ludwigshafen

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