Künstliches Koma verstehen: Warum Ärzte Patienten sedieren
- Damit der Körper sich erholen kann – Sedierung blendet Reize aus, unterstützt die Beatmung und entlastet das Hirn.
- Foto: dpa
- hochgeladen von Cornelia Bauer
Künstliches Koma verstehen. Auf Intensivstationen werden Patienten gezielt in einen tiefen Schlaf versetzt, damit sich Körper und Gehirn erholen können. Der Zustand wirkt für Außenstehende wie ein Koma. Medizinisch handelt es sich jedoch meist um eine kontrollierte Sedierung, die jederzeit beendet werden kann.
In Deutschland werden täglich Menschen auf Intensivstationen sediert. Diese Behandlung kann wenige Tage dauern, manchmal auch mehrere Wochen. Sie soll Heilungsprozesse unterstützen und belastende Reize für den Körper reduzieren.
Ein echtes Koma ist dagegen eine schwere Bewusstseinsstörung. Laut Deutscher Hirnstiftung verlieren Betroffene dabei dauerhaft das Bewusstsein und reagieren nicht mehr auf äußere Reize. Ursachen können zum Beispiel ein Schädel-Hirn-Trauma, ein Schlaganfall, ein Hirntumor oder auch eine schwere Unterzuckerung bei Diabetes sein.
Medizinisch handelt es sich meist um eine kontrollierte Sedierung
Der Begriff künstliches Koma wird häufig verwendet. Intensivmediziner halten ihn jedoch für ungenau. Prof. Hendrik Bracht erklärte in der «Apotheken Umschau», es handle sich eigentlich um eine Sedierung. Anders als beim Koma können Ärzte diese durch Medikamente gezielt steuern und wieder beenden.
Der künstlich herbeigeführte Schlaf kann mehrere Gründe haben. Dazu gehören etwa:
- Patienten sollen nicht gegen einen Beatmungsschlauch ankämpfen.
- Das Gehirn soll vor äußeren Reizen geschützt werden.
- Der Körper bekommt Zeit für Heilung und Stabilisierung.
Wann die Medikamente reduziert werden, hängt vom Gesundheitszustand ab. Verbessert sich dieser, beginnen Ärzte schrittweise mit dem Aufwecken.
Ein bekanntes Beispiel ist die Sängerin Bonnie Tyler. Nach Angaben ihres Managements wurde sie nach Komplikationen infolge einer Darmoperation in Portugal sediert. Rund fünf Wochen später sei sie wieder bei Bewusstsein, werde aber weiterhin intensivmedizinisch behandelt.
Der Körper braucht nach dem Aufwachen Zeit zur Erholung
Nach längerer Sedierung können vorübergehend Beschwerden auftreten. Das Portal Schlafanfallbegleitung.de nennt unter anderem starkes Schwitzen, Kreislaufprobleme oder Verwirrtheit. Der Körper baut die sedierenden Medikamente erst nach und nach ab.
Wie schnell sich Patienten erholen, hängt von mehreren Faktoren ab. Dazu zählen Alter, Vorerkrankungen und die Dauer der Sedierung. Manche Fähigkeiten müssen anschließend erneut trainiert werden.
Typische Maßnahmen in der Reha sind:
- Physiotherapie für Beweglichkeit und Muskelkraft
- Ergotherapie für Alltagsfähigkeiten
- Logopädie bei Sprach- oder Schluckproblemen
Der künstlich herbeigeführte Schlaf ist damit vor allem ein medizinisches Werkzeug, das dem Körper in kritischen Situationen Zeit für Stabilisierung und Heilung verschaffen soll. dpa/red
Autor:Sarah Isele aus Mannheim-Nord |