Krankschreibung in Rheinland-Pfalz: Ärzte warnen vor mehr Praxisdruck
- Die Kassenärztliche Vereinigung wählt harsche Worte mit Blick auf die auf Bundesebene geplanten Änderungen. (Symbolfoto)
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Rheinland-Pfalz. Für Beschäftigte und Arztpraxen könnten geplante Änderungen bei der Krankschreibung den Alltag spürbar erschweren. In Rheinland-Pfalz warnt die Kassenärztliche Vereinigung vor mehr Praxisbesuchen schon ab dem ersten Krankheitstag und vor dem Ende der telefonischen Krankschreibung.
Nach Angaben der Kassenärztlichen Vereinigung Rheinland-Pfalz sende eine verpflichtende Krankschreibung ab dem ersten Krankheitstag ein „völlig falsches Signal“. Der stellvertretende KV-Landesvorsitzende Andreas Bartels sagte, eine solche Regelung führe zwangsläufig zu zusätzlichen Terminen in den Praxen. Das gelte auch dann, wenn ein Arztbesuch medizinisch gar nicht nötig sei.
Mehr Wartezeit und mehr Bürokratie befürchtet
Die Folgen wären nach Einschätzung der KV klar:
- vollere Wartezimmer
- mehr Bürokratie in den Praxen
- höhere Infektionsgefahr durch zusätzliche Kontakte
- weniger Zeit für Patienten mit echtem Behandlungsbedarf
Auf die Änderungen hatte sich der Koalitionsausschuss der Bundesregierung am 2. Juli verständigt. Ziel ist es, gegen hohe Fehlzeiten in Unternehmen vorzugehen. Geplant ist neben der Krankschreibung ab dem ersten Tag auch die Abschaffung der telefonischen Krankschreibung.
Telefonische Krankschreibung gilt als praxistauglich
Gerade bei bekannten Patientinnen und Patienten mit leichten und unkomplizierten Erkrankungen habe sich die telefonische Krankschreibung bewährt, sagte Bartels. Sie vermeide unnötige Besuche in der Praxis und gelte als sicheres Instrument. Ein funktionierendes Verfahren ohne Not abzuschaffen, sei weder medizinisch sinnvoll noch gesundheitspolitisch nachvollziehbar.
Die KV verweist zudem auf die knappen Ressourcen im Gesundheitswesen. Lösungen müssten diese Ressourcen möglichst effizient nutzen. Als Beispiel nannte die Vertretung der Kassenärzte Schweden. Dort gibt es seit Jahren einen unbezahlten ersten Krankheitstag.
Auch andere Stimmen aus Rheinland-Pfalz kritisieren die Berliner Pläne deutlich. Der Hausärztinnen- und Hausärzteverband Rheinland-Pfalz nannte die Beschlüsse der Koalition im Bund eine „Katastrophe“. Verbandschefin Barbara Römer sprach von einem „bürokratischen Super-GAU“ für Hausarztpraxen. Gesundheitsminister Clemens Hoch von der SPD warnte davor, die ambulante Versorgung lahmzulegen. dpa/red
Autor:Cornelia Bauer aus Speyer |
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