Im Job geweint: Was Tränen am Arbeitsplatz bedeuten und wie Sie reagieren können
- Im Job zu weinen, ist vielen unangenehm. Dabei ist das nichts, wofür man sich schämen muss.
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Im Job geweint. Auf der Arbeit zu weinen, ist vielen unangenehm. Doch Tränen im Job sind weder automatisch unprofessionell noch ein Zeichen von Schwäche. Entscheidend ist, warum sie entstehen und wie man anschließend mit der Situation umgeht.
Ob im Gespräch mit der Chefin, vor Kunden oder mitten im Arbeitsalltag, oft zeigen Tränen vor allem, dass etwas gerade nicht in Balance ist.
Ist Weinen im Job unprofessionell?
Kaum sind die Tränen getrocknet, beginnt bei vielen das Gedankenkarussell. Die Ärztin und Therapeutin Mirriam Prieß rät, zunächst einen Schritt zurückzutreten und liebevoll mit sich selbst umzugehen. «Also sich selbst zu sagen: Ich musste jetzt weinen und verurteile mich dafür nicht. Stattdessen nehme ich das zur Kenntnis und frage mich: Was war da eigentlich los?»
Warum Menschen auf der Arbeit weinen
Ganz nüchtern betrachtet, sind Tränen ein Ausdruck dafür, dass etwas in uns nicht in Balance ist. Wer ihre Botschaft entschlüsselt, kann im nächsten Schritt besser einordnen, was im Alltag verändert werden sollte.
- Tränen als Ausdruck von Überforderung. Manchmal reicht schon ein zusätzliches To-do, damit das Fass überläuft. «Es kann also sein, dass man sich in die Ecke gedrängt fühlt und die Tränen ein Ausdruck von Überforderung sind», sagt Prieß. Dahinter steckt oft eine längere Vorgeschichte, etwa zu viele Projekte, Konflikte im Team oder fehlende Wertschätzung. Hilfreich ist dann, die Ursachen nüchtern zu analysieren. Das kann die Grundlage sein, um etwa eine Entlastung im Gespräch mit Vorgesetzten anzusprechen.
- Tränen als Ausdruck von Wut. Hinter Tränen kann auch Wut stecken, wenn die eigene Position nicht klar vertreten wird. «Gerade Frauen fällt es oft schwer, die eigene Position in aller Klarheit zu vertreten», sagt Prieß. Statt ein bestimmtes «Das passt mir nicht» auszusprechen, schießen dann Tränen in die Augen. Wer dieses Muster erkennt, kann prüfen, ob sich daran arbeiten lässt, zum Beispiel in Gesprächen oder Rollenspielen mit Freunden. Laut Prieß können auch wenige Therapiestunden helfen, die eigenen Interessen und Bedürfnisse besser zu vertreten.
- Tränen durch Erschütterung im Privaten. Liebeskummer, Krankheit oder ein Verlust im Umfeld können dazu führen, dass starke Gefühle in den Job hineinwirken. «Dann ist das Weinen einfach ein Ausdruck eines erschütterten Menschen in diesem Moment», sagt Prieß. In solchen Situationen kann eine ehrliche Einordnung helfen, ob die Arbeit gerade noch leistbar ist oder ob eher eine Auszeit nötig wäre.
Was Sie nach einem Gefühlsausbruch tun können
Ob die Tränen später noch einmal angesprochen werden, bleibt eine individuelle Entscheidung. «Manchmal hilft eine kurze gemeinsame Aussprache, in der Sie Ihre Tränen auf Augenhöhe kurz einordnen. Da genügen ein, zwei Sätze», sagt Prieß. So lässt sich Verantwortung übernehmen und zugleich deutlich machen, woran das Umfeld ist.
Was man sagen kann
„Entschuldigen Sie bitte einen Moment. Das Thema hat mich gerade emotional getroffen."
„Mir geht es gleich wieder besser. Ich brauche nur einen kurzen Moment."
„Danke für Ihr Verständnis."
Entscheidend ist weniger der Moment des Weinens als die Frage, welche Ursache dahintersteht und welche praktische Konsequenz sich daraus für den Arbeitsalltag ergibt.
Wann Tränen ein Warnsignal sein können
Wenn Weinen im Job häufiger vorkommt, kann das auf anhaltenden Stress, Überlastung oder psychische Belastungen hinweisen. Dann lohnt es sich, die Ursachen genauer anzusehen und gegebenenfalls Unterstützung in Anspruch zu nehmen – etwa durch Vorgesetzte, den Betriebsarzt oder psychologische Beratung. dpa/red
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Autor:Cornelia Bauer aus Speyer |
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