Hitze und Dürre: Welche Schäden Unternehmen versichern können
- Symbolbild: Niedrigwasser, Dürre und Hitzestress können Betriebe finanziell treffen, ohne dass eine Versicherung automatisch zahlt. Entscheidend ist, ob ein versichertes Schadenereignis vorliegt oder „nur“ Mehrkosten und Ausfälle entstehen.
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Hitze. Viele finanzielle Folgen von Hitze, Niedrigwasser und Trockenheit sind im Alltag von Betrieben spürbar, aber nicht automatisch versichert, weil Versicherungen meist an konkrete Sachschäden oder definierte Schadenereignisse gebunden sind.
Wenn wegen Niedrigwasser Transporte teurer werden oder Rohstoffe später eintreffen, entsteht schnell ein Kostenproblem in der Produktion. Praktisch entscheidend ist dann die Einordnung, ob es sich um reine Mehrkosten und Verzögerungen handelt oder um einen tatsächlich versicherten Schaden an Ware, Betriebsmitteln oder Tieren.
Der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) ordnet die Lage so ein: Vieles ist grundsätzlich versicherbar, aber gerade reine Ertragsausfälle, Verzögerungsschäden und klimabedingte Mehrkosten liegen häufig außerhalb des Versicherungsschutzes. Maßgeblich sind die jeweiligen Vertragsbedingungen.
Niedrigwasser: Mehrkosten und Verzögerungen sind meist nicht versichert
Niedrige Pegelstände auf wichtigen Wasserstraßen können dazu führen, dass Schiffe nur noch mit reduzierter Ladung fahren oder Transporte verlagert werden müssen. Für Unternehmen bedeutet das typischerweise höhere Transportkosten und Lieferverzögerungen.
Wichtig für die finanzielle Einordnung:
- Niedrigwasser an sich ist in der Regel kein versicherter Schaden.
- Reine Verzögerungsschäden und Mehrkosten, weil Ware später ankommt oder alternative Transporte nötig werden, sind regelmäßig ausgeschlossen.
- Versichert sein können Schäden an der transportierten Ware, wenn in der Transportversicherung ein versichertes Schadenereignis vorliegt. Das gilt nicht automatisch für jede Lieferkettenstörung.
Für die Praxis heißt das: Wer nur Umsatz- oder Produktionsausfälle durch verspätete Rohstoffe hat, kann sich nicht darauf verlassen, dass eine Police diese Folgen abdeckt. Absicherung entsteht hier eher über Risikomanagement, Ausweichrouten, Lagerhaltung oder Lieferantenmix.
Dürre: Ernteausfälle sind versicherbar, aber nicht flächendeckend abgesichert
In der Landwirtschaft kann anhaltende Trockenheit je nach Region und Kulturpflanze zu erheblichen Ertragseinbußen bis hin zu Totalausfällen führen. Der GDV verweist darauf, dass Landwirte Ernten über Mehrgefahrenversicherungen gegen verschiedene Wetterrisiken absichern können. Je nach Vertrag können dazu neben Hagel auch Starkregen, Sturm, Frost und zunehmend Dürre zählen.
Gleichzeitig bleibt die finanzielle Realität: Der Abschluss ist freiwillig und Prämien können bei hoher Risikolage entsprechend hoch ausfallen. Zudem ist der Schutz gegen Hagel historisch verbreiteter als eine umfassende Mehrgefahrenabsicherung inklusive Dürre.
Der GDV spricht sich für eine stärkere Förderung solcher Mehrgefahrenversicherungen nach dem Vorbild anderer EU-Staaten aus, auch mit dem Ziel, staatliche Ad-hoc-Hilfen nach Naturereignissen langfristig zu reduzieren.
Hitzestress im Stall: Leistungseinbußen sind meist Betriebsrisiko
Hohe Temperaturen können die Leistung von Nutztieren senken, etwa durch geringere Milchleistung oder schlechtere Mastleistung. Solche Ertragseinbußen gelten im Grundsatz nicht als versicherter Schaden, sondern als unternehmerisches Risiko.
Anders kann es sein, wenn Tiere verenden. Dann hängt der Schutz laut GDV von der konkreten Police ab, zum Beispiel Tierlebens- oder Ertragsschadenversicherungen. Ob Hitzeschäden oder Hitzekollaps eingeschlossen sind, regeln die Versicherungsbedingungen. Ein automatischer Schutz besteht nicht.
Versicherungsschutz kann auch dann greifen, wenn ein versicherter Sachschaden Auslöser ist, etwa wenn nach einem Brand oder einem versicherten technischen Defekt eine Lüftungsanlage ausfällt und dadurch Tiere sterben. Entscheidend bleibt die Vertragslage.
Praktische Konsequenz: Versicherbar ist oft das Ereignis, nicht der Folgeschaden
Bei Hitze, Niedrigwasser und Trockenheit entscheidet für die finanzielle Absicherung meist die Trennlinie zwischen konkretem Sachschaden und reinem Ertrags- oder Verzögerungsschaden. Wer Risiken realistisch einschätzen will, kommt deshalb an einem Blick in die eigenen Versicherungsbedingungen und an vorbeugender Planung für Lieferketten, Produktion und Tierhaltung kaum vorbei.
Autor:Jens Vollmer aus Kaiserslautern |