Hitze im Schulalltag: Wie eine Grundschule in Schwäbisch Gmünd ihre Kinder schützt
- Kinder leiden unter den Folgen des Klimawandels. (Symbolbild)
- Foto: Patrick Pleul/dpa
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Schwäbisch Gmünd. Hitze kann Kinder schneller belasten, ihre Konzentration schwächen und Konflikte verstärken. Das zeigt auch ein Projekt an einer Grundschule in Schwäbisch Gmünd, die ihren Schulhof naturnaher und hitzetauglicher gestalten will.
Kinder reagieren auf Folgen des Klimawandels besonders empfindlich. „Kinder sind anfälliger für klimatische Veränderungen, weil sie sich in der Entwicklung befinden“, sagt Dirk Holzinger, Facharzt für Kinder- und Jugendmedizin am Universitätsklinikum Essen. Vor allem Säuglinge und Kleinkinder nähmen Wärme leicht auf. Bezogen auf ihr Gewicht brauchten sie mehr Wasser und Nahrung und könnten dadurch auch mehr Schadstoffe aufnehmen.
Kinder unter fünf Jahren sind laut dem von Holzinger herausgegebenen Fachbuch „Kindergesundheit und Klimawandel“ besonders verletzlich. Ihre Wärmeregulation und Immunabwehr reifen noch. Hitze kann Flüssigkeitsmangel begünstigen. Schon während der Schwangerschaft werden Hitze und Luftschadstoffe mit Frühgeburten und niedrigem Geburtsgewicht in Verbindung gebracht.
Mehr UV-Strahlung, Pollen und Infektionsrisiken
Auch weitere Klimafolgen können die Gesundheit von Kindern beeinflussen. Holzinger verweist auf eine gestiegene UV-Belastung in Europa durch mehr Sonnenstunden. Heute geborene Kinder wüchsen damit mit einem höheren Hautkrebsrisiko auf. Zudem habe sich die Pollensaison verlängert, was Kinder mit Asthma stärker belasten könne. Wärmere Bedingungen begünstigten außerdem die Ausbreitung von Zecken und Mücken und damit bestimmte Infektionsrisiken.
Hitze erschwert Lernen und Zusammenleben
Die Psychologin und Buchautorin Lea Dohm sieht neben körperlichen auch psychische Belastungen. Viele Kinder und Jugendliche seien nach der Pandemie weiterhin belastet. Zukunftssorgen durch Krisen kämen hinzu. Gerade jüngere Kinder seien dabei stark auf verlässliche Bezugspersonen angewiesen.
Hitze betreffe zugleich den Schulalltag. „Hitzeschutz ist auch in Grundschulen bereits ein großes und wirklich relevantes Thema“, sagt Dohm. An heißen Tagen könnten Reizbarkeit und Konflikte zunehmen, während die Konzentration abnehme. Entspannung oder Sport könnten zwar helfen, mit Stress und Ohnmachtsgefühlen umzugehen. Sie ersetzten jedoch keinen Schutz vor Hitze und Extremwetter.
Schulhof soll mehr Schatten und Beteiligung schaffen
An der Rauchbeinschule in Schwäbisch Gmünd arbeiten Kinder im Schulgarten und versorgen Tiere auf dem Schulbauernhof. Fachoberlehrer Daniel Pieri verbindet diese Erfahrungen mit dem Sachunterricht. Der Schulhof werde als „dritter Pädagoge“ verstanden.
Die Kinder erlebten die Klimakrise vor allem über konkrete Folgen wie Durst, Müdigkeit und extreme Hitze, sagt Pieri. Auf den Asphaltflächen des Schulhofs sei Spielen an manchen Tagen kaum möglich. Auch Leistungsfähigkeit und Konzentration litten. Deshalb soll das Gelände naturnah umgestaltet werden. Kinder, Eltern, Kollegium und Betreuungskräfte waren in die Planung einbezogen.
Schutz vor Hitze ist auch eine soziale Frage
Nicht alle Familien hätten die gleichen Möglichkeiten, sich gegen Hitze zu schützen, betont Dohm. Menschen mit wenig Geld lebten häufiger in heißen Wohnungen und Stadtteilen mit wenig Grün. Auch Schulen verfügten unterschiedlich über Geld für Schatten und Hitzeschutz.
Ein Positionspapier zum Kindeswohl in der Klimakrise fordert unter anderem hitzeangepasste Kitas und Schulen, sichere Schulwege sowie mehr Grün in belasteten Stadtteilen. Holzinger plädiert deshalb für Investitionen in Lernorte und Wohnquartiere, damit Kinder in einer gesunden Umgebung aufwachsen können. [dpa/red]
Autor:dpa content aus Ludwigshafen |