Gletscherschwund an der Zugspitze: Deutschland verliert Eis
- Es war das zweitschlimmste Jahr seit Beginn der Messungen für die Schweizer Gletscher (Archivbild)
- Foto: Gian Ehrenzeller/KEYSTONE/dpa
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Zugspitze. Der Schwund der Alpengletscher kann sommerliche Wasserknappheit künftig verschärfen. Auch an Deutschlands höchstem Berg setzt die Hitze den letzten Eisflächen weiter zu.
In der Schweiz sind nach Angaben des Gletschermessnetzes Glamos rund 5,5 Prozent des Eisvolumens geschmolzen. Schneemangel im zurückliegenden Winter und ein heißer Sommer hätten das Jahr zu einem der schwersten für die Alpengletscher gemacht. Die mittlere Eisdicke einzelner Schweizer Gletscher sank demnach um 2,5 bis vier Meter.
Schneedecke verschwand schon im Juni
Die Nullgradgrenze lag in der Schweiz an 76 Tagen über 4000 Metern. Das war laut Glamos ein Höchstwert. Auf vielen Gletschern war die schützende Schneedecke bereits im Juni verschwunden. Im September lag selbst auf 3500 Metern vielerorts kein Schnee mehr.
Von Juli bis September verloren die Schweizer Gletscher nach Glamos-Angaben rund 2200 Milliarden Liter Wasser. Das Schmelzwasser kann sommerliche Trockenheit derzeit noch abmildern. Mit der schrumpfenden Eisfläche nimmt dieser Effekt jedoch ab.
Auch Österreich erwartet starke Verluste
In Österreich dokumentieren Teams des Alpenvereins derzeit den Zustand der Gletscher. Sie stellten einen massiven Längen- und Massenschwund fest, sagte ÖAV-Experte Andreas Kellerer-Pirklbauer. Für die Pasterze am Großglockner zeichne sich ein möglicher Rekordverlust ab. Schmelzwasser höhle das Eis zusätzlich von innen aus.
Das jüngste österreichische Gletscherinventar weist für das Jahr 2023 einen Rückgang der Eisfläche um 31 Prozent binnen zwei Jahrzehnten aus. Sie beträgt noch 285 Quadratkilometer.
Letzte deutsche Gletscher unter Druck
Die vier verbliebenen deutschen Gletscher hatten bereits bis 2025 innerhalb von zwei Jahren mehr als ein Viertel ihrer Fläche verloren. Dabei gingen rund eine Million Kubikmeter Eis verloren. Nach Einschätzung von Fachleuten ist auch nach dem jüngsten Sommer mit erheblichen Verlusten zu rechnen.
Vom Blaueisgletscher und vom Watzmanngletscher in den Berchtesgadener Alpen sind nur noch Reste übrig. Der Nördliche Schneeferner an der Zugspitze könnte bis Ende des Jahrzehnts seinen Gletscherstatus verlieren. Als letzter deutscher Gletscher dürfte sich voraussichtlich der Höllentalferner im Zugspitzgebiet halten. Auch ihm geben Wissenschaftler maximal noch zehn Jahre.
Felssturz und tauender Permafrost
Ende September sorgte ein Felssturz an der Zugspitze für Aufmerksamkeit. Die Abbruchstelle lag auf etwa 2800 Metern Höhe. Dort kann gefrorener Untergrund, sogenannter Permafrost, Gestein stabilisieren. Taut er bei höheren Temperaturen, verliert der Fels an Halt. Die genaue Ursache des Abbruchs wird noch untersucht.
Der tauende Permafrost und mehr Spalten im Eis erschweren zudem die Arbeit von Vermessungsteams. Das Risiko in den Hochlagen nehme zu, berichten Fachleute. [dpa/red]
Autor:dpa content aus Ludwigshafen |