Gesamtversorgungsniveau im Alter: 78 Prozent gelten vielen als Ziel
- Viele Menschen möchten im Ruhestand im Schnitt 78 Prozent ihres heutigen Nettoeinkommens erreichen. Eine DIW-Befragung zeigt außerdem, wo viele den Mindestbedarf sehen und warum die gesetzliche Rente oft nicht genügt.
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Gesamtversorgungsniveau im Alter. Viele Erwerbstätige halten im Schnitt 78 Prozent des heutigen Nettoeinkommens als passendes Alterseinkommen für angemessen, wenn gesetzliche Rente, Betriebsrente und private Vorsorge zusammengezählt werden.
Wer heute den Haushalt plant, merkt schnell: Ohne groben Zielwert bleibt unklar, ob die Sparrate eher „nice to have“ ist oder ob später eine spürbare Lücke droht. Eine Befragung des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) im Auftrag des Gesamtverbands der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) setzt dafür eine greifbare Orientierung. Im Mittel liegt der Mindestbedarf zum „Über-die-Runden-kommen“ bei 58 Prozent des aktuellen Nettoeinkommens.
Aus der Differenz ergibt sich ein praktischer Merksatz: Zwischen „es reicht knapp“ und „Lebensstandard halten“ liegen im Durchschnitt rund 20 Prozentpunkte.
Was die 78 Prozent konkret bedeuten
Mit „Gesamtversorgungsniveau“ ist der Anteil gemeint, den das gesamte Alterseinkommen im Ruhestand im Verhältnis zum heutigen Einkommen erreichen soll. Dazu zählen drei Säulen:
- gesetzliche Rente
- betriebliche Altersversorgung, also Betriebsrente
- private Vorsorge
Die DIW-Forscher ließen die Teilnehmenden nicht nur eine Zahl nennen, sondern simulierten Entscheidungssituationen, in denen heutiger Konsum gegen späteres Einkommen abgewogen werden musste. Der Zielwert von 78 Prozent ist damit als Ergebnis einer bewussten Abwägung einzuordnen, nicht als allgemeingültige Empfehlung.
Warum Wunsch und Mindestbedarf auseinanderliegen
Die Studie zeigt, dass die Vorstellungen stark streuen. Knapp ein Drittel der Befragten hält 50 Prozent oder weniger für ausreichend. Eine ähnlich große Gruppe strebt 100 Prozent oder mehr an. Das passt zu sehr unterschiedlichen Lebenslagen, etwa bei Wohnkosten oder familiären Verpflichtungen.
Mit höheren erwarteten Ausgaben im Alter steigt auch das gewünschte Niveau. Wer mit höheren Pflege- und Wohnkosten rechnet, plant laut DIW im Schnitt mit zwei bis vier Prozentpunkten mehr Alterseinkommen. Besonders Mieterinnen und Mieter haben höhere Erwartungen als Personen, die im Eigentum wohnen.
Zusatzvorsorge ist oft vorhanden, das Vertrauen in das Ergebnis aber nicht
Auffällig ist der Pessimismus bei der Frage, ob das gewünschte Niveau erreicht wird. Selbst unter Personen, die bereits privat und betrieblich vorsorgen, hält nur etwa ein Drittel es für wahrscheinlich, die eigene Wunschversorgung zu schaffen. Ohne zusätzliche Vorsorge liegt dieser Anteil bei 14 Prozent.
Gleichzeitig ist die Bereitschaft hoch, selbst mehr Verantwortung zu übernehmen. Rund zwei Drittel befürworten mehr Eigenverantwortung, nur fünf Prozent lehnen dies klar ab. Personen mit niedrigerem Einkommen streben dabei im Durchschnitt höhere Ersatzraten an.
Betriebsrente als Hebel, aber oft fehlt sie
Für die Praxis ist wichtig, dass die zweite Säule häufig fehlt. Nach Schätzungen der Bundesregierung haben knapp 40 Prozent der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten weder eine betriebliche Altersversorgung noch eine Riester-Rente. Länder mit starker zweiter Säule wie die Niederlande und Dänemark werden in der Einordnung des GDV als Vergleich genannt, dort haben rund 90 Prozent der Beschäftigten eine Betriebsrente.
Einordnung für die eigene Finanz-Planung
Die Zahlen liefern vor allem einen Rahmen für die persönliche Plausibilitätsprüfung: Wer bei der eigenen Ruhestandsplanung nur die gesetzliche Rente betrachtet, verfehlt häufig den Bereich, den viele als „Lebensstandard halten“ definieren. Im Kern bleibt als praktische Konsequenz, dass das gewünschte Gesamtversorgungsniveau im Alter meist nur als Mischung aus gesetzlicher Rente, Betriebsrente und privater Vorsorge erreichbar ist.
Autor:Thorsten Kornmann aus Karlsruhe |