Debatte um Freibäder in Rheinland-Pfalz: Was jetzt zählt

Kopfüber ins Glück - viele verbinden ihre Kindheit und Jugend mit dem Besuch im Freibad. (Archivbild)  | Foto: Jana Bauch/dpa/dpa-tmn
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Rheinland-Pfalz. Für Freibadgäste geht es in diesem Sommer vor allem um Rücksicht, Sonnenschutz und steigende Preise. Das zeigt eine dpa-Auswertung mit Stimmen aus Bäderpraxis, Medizin und Kultur.

Freibäder sind Orte, an denen sehr unterschiedliche Menschen zusammentreffen. Während die einen im Schatten ausruhen, ziehen andere ihre Bahnen oder springen vom Brett. Nach Einschätzung von Christian Mankel, Geschäftsführer und Koordinator der Bäderallianz Deutschland, spiegeln Freibäder damit schlicht den gesellschaftlichen Wandel wider.

„Unsere Gesellschaft verändert sich – das spiegelt sich in den Freibädern“, sagt Mankel. Entscheidend sei nicht das Aussehen der Gäste, sondern ihr Verhalten. Konflikte entstünden vor allem dort, wo Rücksicht fehle, etwa durch unerlaubtes Filmen mit dem Handy.

Vielfalt im Becken, klare Regeln am Rand

Bei der Badekleidung treffen inzwischen sehr unterschiedliche Vorstellungen aufeinander. Während manche Städte über Oben-ohne-Baden diskutieren, tragen andere Menschen aus religiösen, kulturellen oder gesundheitlichen Gründen stärker bedeckende Kleidung.

Für Mankel ist das kein Widerspruch. Öffentliche Bäder seien Orte der Vielfalt. Wichtig seien Hygiene, Sicherheit und eine klare Hausordnung. Geschultes Personal und transparente Regeln seien deshalb entscheidend.

Größtes Problem sind nicht Konflikte, sondern marode Bäder

Die eigentliche Herausforderung sieht die Bäderallianz an anderer Stelle. Viele Schwimmbäder sind sanierungsbedürftig oder von Schließung bedroht. Zugleich fehlen Wasserflächen für den Schwimmunterricht. Nach Mankels Einschätzung ist jedes erhaltene Bad ein Gewinn für Sicherheit, Gesundheit und gesellschaftlichen Zusammenhalt.

UV-Shirts und Ganzkörperanzüge nehmen zu

Auch beim Gesundheitsschutz verändert sich der Freibadalltag. Immer häufiger sind langärmlige UV-Shirts oder Ganzkörper-Badeanzüge zu sehen. Die Dermatologin Svenja Grove aus Mülheim-Kärlich hält das für sinnvoll.

Sonnencreme verlängere zwar die Eigenschutzzeit der Haut, aber nicht unbegrenzt. UV-Schutzkleidung könne die geschützte Zeit verlängern und müsse im Unterschied zur Creme nicht ständig erneuert werden. Beim Kauf komme es auf dichtes Material und einen möglichst hohen UV-Schutzfaktor an.

Den Trend zu stärker bedeckender Badebekleidung bewertet Grove positiv. Aus ihrer Sicht ist guter Sonnenschutz nicht nur wichtig, um Hautkrebs vorzubeugen. Er sei auch eine wirksame Maßnahme gegen vorzeitige Hautalterung.

  • Wichtig im Freibad: Rücksicht auf andere Gäste
  • Wichtig für die Haut: Sonnencreme und UV-Schutzkleidung kombinieren
  • Wichtig für Familien: Erhaltene Schwimmbäder sichern Schwimmunterricht

Schwimmbadbesuch wird teurer

Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes kostete der Besuch eines Schwimmbads im Juni rund 3,6 Prozent mehr als ein Jahr zuvor.

In Rheinland-Pfalz wurden dem Innenministerium zufolge 2025 an Schwimmbädern und Badestellen 566 Straftaten registriert. Ein klarer Trend nach oben lasse sich daraus aber nicht ableiten. Die meisten Fälle waren Diebstähle mit 258 Delikten. Hinzu kamen 121 Rohheitsdelikte und 49 Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung.

Schriftsteller sieht im Freibad eine kleine Utopie

Der in Kaiserslautern geborene Schriftsteller Arno Frank beschreibt das Freibad als sozialen Raum, in dem Unterschiede kleiner werden. Für viele Menschen sei es ein Ort prägender Erfahrungen – vom Schwimmenlernen bis zum ersten Kuss.

So bleibt das Freibad für viele weit mehr als ein Becken unter freiem Himmel: Es ist Treffpunkt, Lernort und Sommeralltag zugleich. dpa/red

Autor:

Anouar Touir aus Ludwigshafen

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