Besser sehen in der Schwangerschaft: Was bei Augen hilft
- Während einer Schwangerschaft verändert sich bei vielen Frauen die Sehstärke vorübergehend.
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Besser sehen in der Schwangerschaft. Viele Augenbeschwerden sind vorübergehend und lassen sich einordnen, doch Flimmern, Doppelsehen oder plötzlich verschwommenes Sehen gehören ärztlich abgeklärt. Der wichtigste Alltagsnutzen liegt darin, harmlose Veränderungen von Warnzeichen zu unterscheiden. Das verhindert vorschnelle Entscheidungen etwa bei einer neuen Brille und hilft, Beschwerden gezielt zu lindern.
Eine Schwangerschaft verändert den Hormonhaushalt deutlich. Nach Angaben der Deutschen Ophthalmologischen Gesellschaft, kurz DOG, kann sich das auch an den Augen bemerkbar machen. Vier typische Probleme treten besonders häufig auf.
Die Sehstärke kann sich vorübergehend verändern
Durch hormonelle Veränderungen lagert der Körper in der Schwangerschaft mehr Wasser ein. Das betrifft nicht nur Beine und Füße, sondern kann auch die Hornhaut im Auge verändern. Wird sie dicker, verändert sich die Brechkraft.
Die Folge kann eine leicht stärkere Kurzsichtigkeit sein. Die DOG nennt häufige Veränderungen um minus 0,25 bis minus 0,75 Dioptrien. «In den meisten Fällen ist das kein Grund zur Sorge und erst recht kein Anlass für eine übereilte neue Brille», sagt Augenarzt Thomas Neß von der Uniklinik Freiburg.
Meist normalisiert sich die Sehschärfe sechs bis zwölf Wochen nach der Geburt wieder. Bei stillenden Frauen kann es länger dauern. Eine dauerhafte Veränderung der Werte lässt sich laut Experte sinnvoll erst frühestens drei Monate nach dem Abstillen beurteilen.
Kontaktlinsen können plötzlich stören
Die Augenoberfläche reagiert in der Schwangerschaft oft empfindlicher. Ein instabilerer Tränenfilm und mehr Ablagerungen können dazu führen, dass Kontaktlinsen schneller als Fremdkörper wahrgenommen werden. Viele Betroffene empfinden die Linsen dann als schlechter sitzend oder störend.
Bei Beschwerden nennt die DOG mehrere Möglichkeiten für den Alltag:
- die Tragezeit der Kontaktlinsen verkürzen
- eher Tageslinsen nutzen, weil Monatslinsen häufiger Ablagerungen sammeln
- bei starken Beschwerden vorübergehend auf die Brille ausweichen
Trockene Augen treffen viele Schwangere
Trockene, brennende oder gerötete Augen sind in der Schwangerschaft weit verbreitet. Studien zeigen der DOG zufolge, dass bis zu 70 Prozent der Schwangeren betroffen sein können. Auch hier spielt der veränderte Tränenfilm eine zentrale Rolle.
Linderung können befeuchtende Augentropfen bringen. Dabei gelten Präparate ohne Konservierungsmittel als geeigneter, weil empfindliche Augen dadurch weniger zusätzlich gereizt werden. Nach Geburt oder Stillzeit erholt sich der Tränenfilm in der Regel wieder.
Geschwollene Lider sind meist morgens stärker
Wassereinlagerungen können auch die Augenlider betreffen. Meist schwellen beide Lider an. Typisch ist, dass die Schwellung morgens stärker ist und bis zum Mittag nachlässt.
Anders einzuordnen sind rasch zunehmende, einseitige oder schmerzhafte Schwellungen. Solche Beschwerden sollten laut DOG ärztlich abgeklärt werden.
Diese Sehstörungen sollten ärztlich kontrolliert werden
Besondere Aufmerksamkeit gilt Flimmern, Doppelsehen, Gesichtsfeldausfällen oder plötzlich verschwommenem Sehen. Dahinter kann eine Aura stecken, die einer Migräneattacke vorausgeht. Solche Sehstörungen können aber auch auf eine Präeklampsie hinweisen.
Eine Präeklampsie wird auch Schwangerschaftsvergiftung genannt. Dazu gehört unter anderem hoher Blutdruck. Unbehandelt kann sie schwerwiegende Folgen für Mutter und Kind haben.
Die praktische Einordnung lautet deshalb: Leichte Veränderungen der Sehstärke, trockene Augen oder Probleme mit Kontaktlinsen sind häufig vorübergehend, plötzlich auftretende oder ungewöhnliche Sehstörungen brauchen jedoch medizinische Abklärung. [dpa/red]
Autor:dpa content aus Ludwigshafen |