Attest-Pflicht in Rheinland-Pfalz: Hausärzte warnen vor Folgen
- Die schwarz-rote Koalition will mit strengeren Vorgaben gegen hohe Fehlzeiten in Unternehmen vorgehen. (Symbolbild)
- Foto: Sina Schuldt/dpa
- hochgeladen von Cornelia Bauer
Rheinland-Pfalz. Für Beschäftigte könnte ein Arztbesuch schon ab dem ersten Krankheitstag nötig werden: In Rheinland-Pfalz warnen Hausärzte vor deutlich mehr Bürokratie und einem zusätzlichen Ansturm auf die Praxen.
Der Hausärztinnen- und Hausärzteverband Rheinland-Pfalz kritisiert ein Reformpaket der Regierungsparteien im Bund scharf. Nach den Plänen von Union und SPD soll künftig bereits ab dem ersten Krankheitstag eine ärztliche Bescheinigung Pflicht sein. Bislang ist sie in der Regel erst ab dem vierten Tag erforderlich. Zudem sollen telefonische Krankschreibungen abgeschafft werden.
Verband warnt vor mehr Andrang in den Praxen
Die Landesvorsitzende Barbara Römer nennt die Beschlüsse eine „Katastrophe“. Aus Sicht des Verbandes würden Hausarztpraxen mit Fällen belastet, die oft keine Behandlung vor Ort bräuchten. Medizinisch sei bei vielen akuten Erkrankungen eher Ruhe sinnvoll als ein Praxisbesuch.
Der Verband spricht von „sinnfreiem Aktionismus“. Die geplanten Änderungen würden nach seiner Einschätzung weder strukturelle Probleme im Gesundheitswesen lösen noch die Zahl der Krankheitstage spürbar senken.
Telefonische Krankschreibung soll wegfallen
Auch die geplante Abschaffung der telefonischen Krankschreibung lehnt der Verband ab. Er verweist auf Studien, nach denen diese Möglichkeit nicht zu höheren Fehlzeiten geführt habe. Der Anstieg registrierter Krankheitsfälle sei vielmehr damit zu erklären, dass Arbeitsunfähigkeiten seit 2022 vollständig elektronisch erfasst werden.
Geplant sind auch höhere Strafen
Im Reformpaket ist außerdem vorgesehen, die Strafen für das unrichtige Ausstellen einer Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung zu erhöhen. Gemeint sind fehlerhafte oder nicht ausreichend begründete Krankschreibungen.
Barbara Römer weist den Vorwurf zurück, Ärztinnen und Ärzte würden Bescheinigungen leichtfertig oder ohne ausreichende medizinische Grundlage ausstellen. Der Verband sieht darin ein Zeichen von Misstrauen gegenüber den Praxen. dpa/red
Autor:Cornelia Bauer aus Speyer |
|
| Cornelia Bauer auf Facebook | |