Wolfsangriff in Hamburg: Experte sieht keinen Bezug zum Schwarzwald

Ein Wolf verletzt eine Frau in der Hamburger Einkaufsmeile Große Bergstraße. (Symbolbild) | Foto: dpa
  • Ein Wolf verletzt eine Frau in der Hamburger Einkaufsmeile Große Bergstraße. (Symbolbild)
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Hamburg. Der Angriff eines Wolfs auf eine Frau in Hamburg sorgt bundesweit für Aufmerksamkeit. Nach Einschätzung eines Wildtierexperten lässt sich der Vorfall jedoch nicht mit der Situation der Wölfe im Schwarzwald vergleichen.

Damit wurde in Deutschland erstmals seit der Rückkehr der Wölfe vor rund 30 Jahren ein Mensch von einem Wolf angegriffen. Fachleute gehen derzeit davon aus, dass es sich um einen Ausnahmefall handelt.

Experte sieht Panikreaktion

Raoul Schwarze vom Alternativen Wolf und Bärenpark Schwarzwald in Bad Rippoldsau Schapbach hält den Vorfall für eine besondere Situation. Nach seiner Einschätzung geriet das Tier offenbar in Panik. „Wenn sich Menschen einem Wolf in einer solchen Lage stark nähern, verteidigt er sich. Das ist ein normaler Instinkt“, sagte Schwarze. Wäre ein Mensch bei einer Begegnung mit einem Wolf im Schwarzwald angegriffen worden, wäre die Lage deutlich besorgniserregender.

Diskussion um Wolfsmanagement

Der Fall hat die Debatte über den Umgang mit Wölfen erneut angeheizt. Schwarze hält es für wichtig, genau nachzuvollziehen, wie das Tier überhaupt bis in die Hamburger Innenstadt gelangen konnte. Zu klären sei unter anderem, warum der Wolf die Nähe von Menschen gesucht habe und weshalb nach früheren Sichtungen nicht früher eingegriffen worden sei. Für solche Situationen brauche es ein besseres Wolfsmanagement.

Politik fordert klarere Regeln

In Baden Württemberg soll künftig das Landwirtschaftsministerium stärker für das Wolfsmanagement zuständig sein. Minister Peter Hauk kündigte bereits an, Problemwölfe im Zweifel auch zum Abschuss freizugeben. „Dort, wo sie Grenzen für Mensch und Tier überschreiten, müssen sie entnommen werden“, erklärte der CDU Politiker. Hintergrund sind auch zunehmende Angriffe auf Nutztiere wie Schafe, Ziegen und Rinder.

Naturschützer warnen vor falschen Schlüssen

Das Umweltministerium im Südwesten und Naturschutzverbände wie der Nabu mahnen jedoch zur Zurückhaltung. Nach ersten Erkenntnissen habe sich in Hamburg vermutlich ein junger Wolf in eine Millionenstadt verirrt und sei in einer Einkaufspassage zwischen Automatiktüren geraten. Solche Begegnungen seien äußerst selten. Junge Wölfe verlassen regelmäßig ihr Rudel und durchqueren dabei unterschiedliche Landschaften. Dass sie gelegentlich auch Städte passieren, gilt grundsätzlich als möglich.

Vier Wölfe leben im Südwesten

Rund 150 Jahre lang galt der Wolf in Deutschland als ausgerottet. Erst nach dem Mauerfall kehrten die Tiere über Polen zurück. Heute leben wieder zahlreiche Rudel in Deutschland. In Baden Württemberg sind derzeit vier Wölfe dauerhaft ansässig. Besonders diskutiert wurde zuletzt ein Wolf im Gebiet der Hornisgrinde im Nordschwarzwald, der sich mehrfach Menschen und Hunden näherte. Eine zeitlich befristete Abschussgenehmigung für dieses Tier lief jedoch aus, nachdem der Wolf nicht erlegt worden war. dpa/red

Autor:

Jens Vollmer aus Wochenblatt Kaiserslautern

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