Regioklinik in Hermeskeil: Was Patienten dort bekommen

Nach rund einem Jahr läuft die neue Regioklinik gut, sagt die Standortleiterin Alexandra Gebel. (Archivbild) | Foto: Harald Tittel/dpa
  • Nach rund einem Jahr läuft die neue Regioklinik gut, sagt die Standortleiterin Alexandra Gebel. (Archivbild)
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Hermeskeil. Patienten im ländlichen Raum sollen weiter medizinische Hilfe nah am Wohnort bekommen: In Hermeskeil gilt die Regioklinik inzwischen als Modell für weitere Standorte in Rheinland-Pfalz.

Aus dem früheren Krankenhaus St. Josef ist ein Gesundheitscampus entstanden, der ambulante und stationäre Versorgung unter einem Dach bündelt. Die Regioklinik ist nach Angaben des Landes die erste ihrer Art in Rheinland-Pfalz und ging vor rund einem Jahr offiziell an den Start.

Was die Regioklinik in Hermeskeil anbietet

Zur Regioklinik gehört eine Station mit 20 Betten. Dazu kommt eine Anlaufstelle für sogenannte Alltagsnotfälle. Gemeint sind etwa kleinere Unfälle, Sportverletzungen oder bestimmte akute Beschwerden.

Außerdem gibt es ein ambulantes OP-Zentrum für kleinere und mittlere chirurgische Eingriffe. Dort werden unter anderem Leistenbrüche behandelt, Gelenkspiegelungen vorgenommen oder Knochenbrüche versorgt.

„Wir machen nur OPs, die keine intensivmedizinische Nachversorgung benötigen“, sagt Alexandra Gebel, kaufmännische Direktorin des Marienhaus Campus Hermeskeil. Die frühere Intensivstation wurde bei der Umstellung geschlossen. Stattdessen wurden Überwachungsmöglichkeiten eingerichtet.

Auch die zentrale Notaufnahme gibt es nicht mehr. An ihre Stelle traten zwei Aufnahmezimmer für Alltagsnotfälle. Lebensbedrohliche Notfälle wie der Verdacht auf einen Herzinfarkt oder Schlaganfall werden in größeren Kliniken im Umfeld behandelt. Laut Gebel sei das auch vor der Umstellung bereits so gewesen.

In Hermeskeil im Kreis Trier-Saarburg ist nach Angaben der Standortleitung aber rund um die Uhr ein Arzt vor Ort. Dieser übernimmt die Erstversorgung bei aktuellen Alltagsnotfällen. Bisher zählt die Station rund 1.200 Patienten.

Kurze Wege auf dem Gesundheitscampus

Die Regioklinik ist Teil eines größeren Campus-Konzepts. Dazu gehört ein Medizinisches Versorgungszentrum, kurz MVZ. Dort behandeln Ärzte von Montag bis Freitag in sieben Facharztpraxen. Die Angebote reichen von Allgemeinmedizin über Neurologie und Psychiatrie bis zur Gastroenterologie.

Außerdem gibt es eine geriatrische Reha-Abteilung mit rund 70 Betten und eine psychiatrische Tagesklinik mit 40 teilstationären Plätzen für Erwachsene.

Christina De Francesco-Kasper, Leiterin Medizincontrolling bei der Marienhaus GmbH, sieht darin den entscheidenden Punkt. In ländlichen Regionen gebe es zu wenige Ärzte. Das Haus kompensiere dieses Problem und verzahne Ambulantes und Stationäres.

Auch nach der Umstellung sei das Diagnosespektrum laut Standortleitung nicht völlig verändert. „70 bis 80 Prozent der Diagnosen, die wir vorher versorgt haben, können wir auch heute noch behandeln“, sagt Gebel.

Weggefallen sind vor allem Eingriffe, die eine Intensivüberwachung erfordern. Dazu zählen etwa Wirbelsäulenoperationen, Schenkelhalsfrakturen oder aufwendiger Knieersatz.

Warum das Modell für andere Regionen wichtig ist

Die Krankenhausreform erhöht den Druck auf kleinere Standorte. In Hermeskeil hatte das frühere Krankenhaus bereits rote Zahlen geschrieben. Für eine Zukunft am Standort sei deshalb ein neues Konzept nötig gewesen. Nun ist nach Angaben der Betreiber eine schwarze Null in Aussicht.

Das Gesundheitsministerium in Mainz bezeichnet Hermeskeil als Modell für weitere Regiokliniken im Land. Eine solche Einrichtung sei eine Chance, Klinikstandorte langfristig zu sichern. Zugleich betont das Ministerium, dass es kein starres Einheitsmodell gebe. Jede Regioklinik solle an den Bedarf der jeweiligen Region angepasst werden.

Der rheinland-pfälzische Gesundheitsminister Clemens Hoch will am Dienstag, 1. September, in Mainz über die nächsten Schritte der Krankenhausreform und die medizinische Versorgung im Land informieren. Mögliche weitere Regiokliniken spielen dabei eine zentrale Rolle. Zuletzt war von acht bis zehn solchen Häusern in Rheinland-Pfalz die Rede.

In der Diskussion sind unter anderem Standorte wie Kirn und Boppard. Beschlossen ist bereits eine Regioklinik in Bingen. Sie soll aus dem Heilig-Geist-Hospital entstehen, das wegen erneuter Insolvenz sonst womöglich zum Dienstag, 1. September, hätte schließen müssen.

Der Binger Oberbürgermeister Thomas Feser sprach nach den Entscheidungen im Stadtrat und im Kreistag Mainz-Bingen von einer notwendigen Lösung. Eine Regioklinik biete eine gesicherte Grundversorgung, auch wenn das Leistungsspektrum reduziert werde.

Planungssicherheit für neue Versorgungsformen

Gerade haben der GKV-Spitzenverband, der Verband der Privaten Krankenversicherung und die Deutsche Krankenhausgesellschaft eine Vereinbarung zur Vergütung sogenannter sektorenübergreifender Versorgungseinrichtungen geschlossen. Damit sind Einrichtungen gemeint, die ambulante und stationäre Leistungen verbinden.

Minister Hoch sieht darin Planungssicherheit. Regiokliniken könnten künftig eine wichtige Rolle dabei spielen, medizinische Versorgung auch in der Fläche zu sichern und stärker miteinander zu verbinden. dpa/red

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Cornelia Bauer aus Speyer

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