Rätsel um seltenen Rückkehrer: Wo sind die Fischotter an der Blies geblieben?
- Macht sich der Otter im Saarland wieder rar? (Symbolbild)
- Foto: Bernd Weißbrod/dpa
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Saarland. Deutlich weniger Sichtungen des seltenen Fischotters an der Blies sorgen bei Naturschützern für Sorge. Vier Jahre nach der gefeierten Rückkehr des Tieres im Saarland ist die Zahl der Nachweise stark gesunken.
Im August 2022 hatte eine Wildkamera des Naturschutzbundes Nabu erstmals wieder einen Fischotter an der Blies aufgenommen. Die Freude war groß. Denn seit dem 19. Jahrhundert galt die Art im Saarland als ausgestorben. In den folgenden Jahren bestätigten Videoaufnahmen und DNA-Spuren, dass neben einem Männchen auch ein Weibchen und sogar Nachwuchs in der Region unterwegs waren.
Doch inzwischen beobachten die Ehrenamtlichen deutlich weniger Tiere. Zwischen Dezember und März registrierten sie nur noch sieben Sichtungen. Im gleichen Zeitraum des Vorjahres waren es noch 41 gewesen. „Das ist extrem und ich rätsele, woran das liegt“, sagt der Homburger Nabu-Aktivist Hardy Welker, der seit Jahren Otter-Spuren dokumentiert.
Ministerium sieht stabile Entwicklung
Das Umweltministerium bewertet die Lage zurückhaltender. Nach Angaben einer Sprecherin habe sich der Kenntnisstand zum Fischotter im Saarland seit etwa 2025 insgesamt stabilisiert und verbessert. Bei einer Fortbildung sei sogar eine neue Fundstelle bei Neunkirchen-Wellesweiler entdeckt worden.
Zusammen mit regelmäßigen Beobachtungen südöstlich von Blieskastel gehe man inzwischen davon aus, dass sich entlang der Blies ein Revier von rund 40 Kilometern Länge gebildet habe. Ein möglicher Rückgang einzelner Sichtungen lasse sich deshalb schwer bewerten. Zudem sei der Nachweis der scheuen Tiere generell schwierig.
Naturschützer vermuten Probleme im Gewässer
Der Nabu Homburg widerspricht dieser Einschätzung. Nach den eigenen Monitoring-Daten im Auftrag des Zentrums für Biodokumentation seien die Sichtungen um mehr als 80 Prozent zurückgegangen.
Als mögliche Ursache nennen die Naturschützer Veränderungen im Ökosystem der Blies. Beobachtet wurden zuletzt eine deutliche Abnahme der Fischbestände, weniger Wasserlebewesen sowie wiederkehrende Schaumbildung im Fluss. Auch Belastungen durch Tenside und mögliche PFAS-Einträge aus dem Erbach stehen im Verdacht.
Ob diese Faktoren direkt für den Rückgang verantwortlich sind, ist bislang unklar. Dennoch sehen Nabu und BUND Hinweise auf eine Verbindung zwischen Gewässerbelastung und der Nahrungsgrundlage der Tiere.
Forderung nach weiteren Untersuchungen
Beide Verbände fordern deshalb genauere Untersuchungen der Gewässer. Ziel sei es, verlässliche Daten zur Wasserqualität und zu den Fischbeständen zu erhalten.
Parallel baut der BUND im Umweltzentrum „Haus Eckert“ in Lebach ein „Kompetenzzentrum Fischotter Saar“ auf. Dort sollen Ehrenamtliche künftig geschult werden, um Spuren des seltenen Wassermarders besser zu erkennen und systematisch zu dokumentieren.
Die offizielle Eröffnung ist für Dienstag, 27. Mai geplant. Anlass ist der internationale Welt-Ottertag. Die Verbände hoffen, mit mehr Beobachtungen langfristig bessere Daten zum Zustand der Population im Saarland zu bekommen. dpa/red
Autor:Cornelia Bauer aus Speyer |
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