Ohne sie würde vieles fehlen: Ehrenamtliche in unserer Region
- Woche des bürgerschaftlichen Engagements: Das Ehrenamt hat viele Gesichter – Menschen engagieren sich in ganz unterschiedlichen Bereichen für andere und für die Gemeinschaft.
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Ehrenamt. Ob in der Sterbebegleitung, im Krankenhaus, beim gemeinsamen Aufräumen, im Tierschutz, im Sport oder in der Erinnerungskultur: Ehrenamt hat viele Gesichter. In der Woche des bürgerschaftlichen Engagements stellen wir Menschen und Initiativen aus der Region vor, warum sie sich engagieren – und was sie dabei bewegt.
Engagement macht stark
„Das geht uns alle an!“ ist eine Initiative des Bundesverbandes kostenloser Wochenzeitungen. Das Ehrenamt ist eine wichtige Stütze unserer Gesellschaft. Deshalb präsentiert der Bundesverband kostenloser Wochenzeitungen (BVDA) seit Jahren bundesweit die „Woche des bürgerschaftlichen Engagements“ - in diesem Jahr von 11. bis 20. September.
Die Wochenblätter, die Stadtanzeiger und der Trifelskurier der SÜWE sind jährlich mit Artikeln aus den Lokalredaktionen beteiligt, um das Ehrenamt an der Basis zu unterstützen.
Ehrenamt hat viele Gesichter
Wenn Heidi Zies Menschen am Ende ihres Lebens begleitet, kann sie nichts mehr ungeschehen machen. Sie kann keine schwere Diagnose verhindern und keinen Verlust rückgängig machen. Aber sie kann da sein. Seit 2008 begleitet die Frau aus dem Zellertal ehrenamtlich sterbende Menschen, seit 2021 auch Trauernde. Ihre Geschichte zeigt, dass Engagement manchmal vor allem eines bedeutet: Zeit schenken, zuhören und schwierige Situationen gemeinsam aushalten.
Andere Ehrenamtliche packen ganz praktisch an. In Neustadt beteiligen sich bei „Neustadt glänzt!“ Schulen, Kitas und Freiwillige an Aufräum- und Verschönerungsaktionen. In Ludwigshafen wollen die Stadtfüchse ihre Stadt „a bissl schäner mache“ und engagieren sich für ein lebenswerteres Umfeld. Beim Ebenberg parkrun in Landau sorgen Freiwillige Woche für Woche dafür, dass Menschen gemeinsam laufen, walken oder einfach dabei sein können – unabhängig von Alter, Tempo oder sportlicher Erfahrung.
Auch im Ringen geht es um weit mehr als Technik, Kraft und Wettkämpfe. Artur Rimmer begleitet seit 15 Jahren als Jugendtrainer Kinder und Jugendliche. Mit 14 Jahren kam er aus Lettland nach Deutschland und fand über den Sport Anschluss. Heute gibt er selbst jungen Menschen Halt und Orientierung. Er vermittelt Disziplin und Selbstvertrauen und ist für viele auch ein verlässlicher Ansprechpartner im Alltag.
Im Pirmasenser Krankenhaus nehmen sich die „Grünen Damen und Herren“ Zeit für Patientinnen und Patienten. Sie besorgen Getränke, Bücher oder Zeitschriften, hören zu und vermitteln bei Bedarf weitere Unterstützung. Die Ökumenische Nachbarschaftshilfe Schifferstadt begleitet ältere Menschen zum Arzt, beim Einkaufen oder auf den Friedhof. Manchmal geht es auch einfach darum, bei einer Tasse Kaffee nicht allein zu sein.
Ehrenamtliche helfen zudem in besonderen oder belastenden Situationen. Die Facebook-Gruppe „Vermisste / gefundene Tiere Mannheim“ unterstützt Halterinnen und Halter bei der Suche nach verschwundenen Haustieren. In Lauterecken schafft die Katholische Jugend seit mehr als zwei Jahrzehnten inklusive Ferienfreizeiten für Kinder und Jugendliche mit und ohne Behinderung. Im Mittelpunkt stehen Teilhabe, Begegnung und die Erfahrung, selbstverständlich dazuzugehören.
In Lauterecken schafft die Katholische Jugend mit ihren inklusiven Ferienfreizeiten seit mehr als zwei Jahrzehnten Räume, in denen Kinder und Jugendliche mit und ohne Behinderung gemeinsam Ferien verbringen. Es geht um Teilhabe, Begegnung und die Erfahrung, selbstverständlich dazuzugehören. Für dieses langjährige Engagement war das Projekt für den Deutschen Engagementpreis 2026 nominiert.
Ehrenamt kann auch bedeuten, Erinnerungen für kommende Generationen zu sichern. Der Heimatverein Hatzenbühl digitalisiert alte Super-8-Filme, VHS-Kassetten, Dias und Fotos. Die Dorfgemeinschaft hilft dabei, Gesichter zu erkennen, Gebäude zuzuordnen und Geschichten zu rekonstruieren. Mehr als 60 Beiträge sind unter dem Titel „Perlen aus dem Hatzenbühler Archiv“ bereits entstanden. So wächst aus privaten Aufnahmen ein digitales Dorfgedächtnis. Für das Projekt „Hatzenbühl damals & digital“ wurde der Heimatverein beim „Ideenwettbewerb Ehrenamt 4.0“ ausgezeichnet.
Und Engagement endet nicht an der eigenen Ortsgrenze: Der Aktionskreis Fröhliches Kunterbunt unterstützt seit Jahrzehnten soziale Projekte in Togo, Indien und Brasilien. Vorsitzender Hans Erich Klein und die Mitglieder des Vereins setzen sich dafür ein, Menschen weltweit zu helfen und soziale Projekte zu fördern.
Diese Beispiele zeigen: Ehrenamt ist nicht auf eine bestimmte Altersgruppe, ein Vereinsheim oder eine einzelne Aufgabe beschränkt. Es bedeutet, Verantwortung zu übernehmen – im Sport, in der Kultur, im sozialen Bereich, im Umwelt- und Tierschutz, in der Nachbarschaft, in der Inklusion oder im Gesundheitswesen. Manche engagieren sich regelmäßig, andere helfen bei einzelnen Aktionen. Manche organisieren im Hintergrund, andere sind unmittelbar für Menschen da.
„Der Staat kann das nicht auffangen“
Wie wichtig dieses Engagement für Rheinland-Pfalz ist, macht auch Marcus Klein deutlich. Der Minister für Bundes- und Europaangelegenheiten, Sport, Ehrenamt und Medien und Chef der Staatskanzlei spricht im Interview über die Situation der Engagierten und die Bedeutung einer lebendigen Vereinslandschaft.
Rheinland-Pfalz gilt als Land des Ehrenamts. Nach dem Freiwilligensurvey 2019 engagierten sich hier rund 1,5 Millionen Menschen freiwillig. Diese Zahl ist allerdings nicht aktuell für 2026: Die Ergebnisse des Freiwilligensurveys 2024 für Rheinland-Pfalz liegen noch nicht vor. Der Länderbericht soll voraussichtlich Ende 2026 erscheinen.
Aktuelle Daten zeigen dennoch, wie dicht die Vereins- und Engagementlandschaft im Land ist. Nach dem ZiviZ-Survey 2023 kommen in Rheinland-Pfalz zehn Vereine auf 1.000 Einwohnerinnen und Einwohner. Seit 2012 ist der Vereinsbestand um 2.043 Vereine gewachsen. Rund 96 Prozent der erfassten zivilgesellschaftlichen Organisationen sind als Vereine organisiert.
„Der Staat, die öffentliche Hand, kann das nicht auffangen“, sagt Marcus Klein im Gespräch mit Redakteurin Monika Klein. Wenn Ehrenamtliche fehlen, könnten Trainings ausfallen, Kulturvereine weniger anbieten und die Strukturen der Freiwilligen Feuerwehren wären schwieriger aufrechtzuerhalten. Ehrenamt ist deshalb nicht bloß ein zusätzliches Angebot. Es ist ein wichtiger Teil des gesellschaftlichen Zusammenlebens.
Was Menschen zum Engagement bewegt
Die Beiträge unserer Redaktionen erzählen von Menschen, die Verantwortung übernehmen, Gemeinschaft schaffen und anderen zur Seite stehen. Sie zeigen auch, dass Engagement nicht immer einfach ist: Es kostet Zeit, verlangt manchmal Durchhaltevermögen und führt gelegentlich an persönliche Grenzen. Trotzdem berichten viele Engagierte davon, wie viel sie zurückbekommen – Begegnungen, Freundschaften, Dankbarkeit und das Gefühl, etwas bewegen zu können.
In den Geschichten unserer Themenwoche geht es nicht nur um Zahlen, sondern um konkrete Menschen und ihre Erfahrungen: um Nähe und Verlässlichkeit, um Gemeinschaft und Teilhabe, um den Wunsch, etwas zu bewirken – und um die Frage, warum Menschen oft über viele Jahre dabeibleiben.
Hinter jedem Projekt stehen Menschen, die organisieren, telefonieren, zuhören, Verantwortung übernehmen und weitermachen, auch wenn ihre Arbeit im Hintergrund kaum gesehen wird. Dafür bekommen sie vieles zurück: Begegnungen, Freundschaften, Dankbarkeit und das Gefühl, etwas bewegen zu können.
Hier finden Sie unsere Geschichten zum Ehrenamt in der Region:
Marcus Klein im Interview: Warum der Staat das Ehrenamt nicht ersetzen kann und weshalb Rheinland-Pfalz besonders stark von Vereinen und freiwilligem Engagement geprägt ist.
Heidi Zies aus dem Zellertal: Eine Ehrenamtliche begleitet sterbende Menschen und Trauernde.
„Neustadt glänzt!“: 33 Projekte, zwei Tage und viele Menschen, die gemeinsam für eine schönere Stadt anpacken.
Die Stadtfüchse aus Ludwigshafen: Eine private Initiative möchte „LU ä bissl schäner“ machen und das Stadtbild mitgestalten.
Die „Grünen Damen und Herren“ in Pirmasens: Warum Zuhören und kleine Hilfen im Krankenhaus so wertvoll sind.
Hilfe für verschwundene Tiere: Kristina Stumpf und die Facebook-Gruppe „Vermisste / gefundene Tiere Mannheim“ unterstützen Halter in schwierigen Situationen.
Inklusive Ferienfreizeiten in Lauterecken: Wie Kinder und Jugendliche mit und ohne Behinderung gemeinsam Ferien erleben.
35 Jahre Nachbarschaftshilfe Schifferstadt: Wie 54 Ehrenamtliche ältere Menschen begleiten und ihnen im Alltag zur Seite stehen.
Drei Jahre Ebenberg parkrun: Warum der kostenlose Lauf in Landau mehr ist als fünf Kilometer und allen offensteht.
Hatzenbühl damals & digital: Wie aus alten Filmen, Fotos und den Erinnerungen der Dorfgemeinschaft ein digitales Ortsarchiv entsteht.
Der Aktionskreis Fröhliches Kunterbunt: Wie ein Verein seit Jahrzehnten soziale Projekte in Togo, Indien und Brasilien unterstützt.
Artur Rimmer – Jugendtrainer im Ringen: Wie er Kindern und Jugendlichen neben dem Sport auch Halt, Selbstvertrauen und Orientierung vermittelt.
Die Trifelsherolde
Die Woche des bürgerschaftlichen Engagements gibt diesen Geschichten einen besonderen Platz. Sie macht sichtbar, was sonst häufig im Hintergrund passiert, und lenkt den Blick auf diejenigen, die ihre Zeit für andere einsetzen. Unsere Porträts und Interviews zeigen: Ehrenamt ist so vielfältig wie die Menschen, die es tragen.
Autor:Katharina Wirth aus Herxheim |
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