Neustart bei Südwest-FDP: Glück soll Partei retten
- Der Europaabgeordnete Andreas Glück ist neuer Landeschef der FDP in Baden-Württemberg. (Archivbild)
- Foto: Marijan Murat/dpa
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Balingen. Für FDP-Anhänger und kommunale Mandatsträger in Baden-Württemberg beginnt nach dem Landtags-Aus ein Neustart: In Balingen ist der Europaparlamentarier Andreas Glück zum neuen Landesvorsitzenden gewählt worden. Der 51-Jährige erhielt auf dem Landesparteitag der Liberalen 89,12 Prozent der Stimmen. Er folgt auf Hans-Ulrich Rülke, der nach der schweren Niederlage bei der Landtagswahl im März seinen Rücktritt erklärt hatte.
Was die Wahl für die Südwest-FDP bedeutet
Glück übernimmt die Partei in einer Phase, in der die Liberalen im Land kaum noch parlamentarische Sichtbarkeit haben. Nach dem Ausscheiden aus Bundestag und Landtag ist er der letzte hauptberufliche Parlamentarier der FDP aus Baden-Württemberg. Für den Landesverband wird damit das Europaparlament zu einem wichtigen politischen Anker, während vor Ort vor allem Kreisverbände und kommunale Mandatsträger die Präsenz sichern müssen.
Die FDP war bei der Landtagswahl im März auf 4,4 Prozent gefallen. Zuvor hatte sie noch 10,5 Prozent erreicht. Erstmals in ihrer Geschichte verpassten die Südwest-Liberalen damit den Einzug in den Stuttgarter Landtag. Rülke, der als Spitzenkandidat angetreten war, zog die Konsequenz und kündigte seinen Rückzug vom Landesvorsitz an.
Glück will Image der Partei korrigieren
In seiner Rede stellte Glück Freiheit mit Verantwortung, Frieden und Wohlstand in den Mittelpunkt. Zugleich wandte er sich gegen ein aus seiner Sicht schlechtes Bild der Partei. „Wir sind nicht die Partei der Reichen“, sagte er. Respekt gebühre jenen, die mit einer Idee erfolgreich geworden seien. Das Herz der Partei gehöre aber jenen, die es noch schaffen wollten oder es vielleicht wieder schaffen wollten.
Vor der Wahl hatte sich Glück in einer Mitgliederbefragung des Landesverbands knapp gegen Sean Braun von Stumm aus Karlsruhe durchgesetzt. Die Befragung war rechtlich nicht bindend, politisch aber maßgeblich. Unterstützt wurde Glück unter anderem von den Bezirksverbänden Stuttgart, Südbaden und Nordschwarzwald.
Arzt aus dem Kreis Reutlingen
Glück kommt aus Münsingen im Kreis Reutlingen, ist zweifacher Vater und Chirurg. Vor seinem Wechsel ins Europaparlament saß er im Landtag. In Brüssel und Straßburg arbeitet er unter anderem in Ausschüssen für öffentliche Gesundheit, Industrie, Forschung, Energie, Umwelt, Klima und Lebensmittelsicherheit. Für die FDP im Südwesten ist seine Wahl nun der Versuch, nach dem historischen Wahldebakel wieder Vertrauen und politische Relevanz aufzubauen. [dpa/red]
Autor:dpa content aus Ludwigshafen |