„Inklusion ist Pflicht“: Neue Beauftragte fordert Barrierefreiheit in RLP

Barrierefreiheit bezeichnet die neue Landesbehindertenbeauftragte Katja Lüke als Klammer für ihre Arbeit. (Symbolbild) | Foto: Daniel Maurer/dpa
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Rheinland-Pfalz. Barrierefreiheit in Schule, Arbeit, Wohnen, Gesundheit und Mobilität soll für Menschen in Rheinland-Pfalz stärker in den Fokus rücken. Die neue Landesbeauftragte für die Belange von Menschen mit Behinderungen, Katja Lüke, sieht Inklusion als Aufgabe der gesamten Landesregierung.

„Inklusion ist ein Querschnittsthema, das alle Ressorts einer Landesregierung betrifft“, sagte Lüke der Deutschen Presse-Agentur in Mainz. Menschen mit Behinderungen seien von allen Themen des täglichen Lebens betroffen, wie Menschen ohne Behinderung auch.

Barrierefreiheit als zentrale Aufgabe

Wenn man für die vielen Lebensbereiche eine Klammer suche, sei diese die Barrierefreiheit, sagte die 56-Jährige. Wichtige Themen seien Bildung, Arbeiten, Wohnen, Gesundheit, Digitalisierung, Freizeit und Mobilität. „Ich hoffe, dass ich alle Bälle gut jonglieren kann“, sagte Lüke.

Als Schwerpunkt nannte sie die Umsetzung bestehender Ziele. Es gehe darum, immer wieder zu prüfen, wo Barrieren oder Missstände bestünden und wie sie behoben werden könnten. Die Landesregierung habe sich dazu im Koalitionsvertrag verpflichtet. CDU und SPD kündigen darin eine Evaluierung und Weiterentwicklung des Landesaktionsplans zur Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention an. „Die UN-Behindertenrechtskonvention ist für mich als Landesbehindertenbeauftragte natürlich meine Bibel“, sagte Lüke.

Was Barrierefreiheit im Alltag bedeuten kann

Nach Angaben des Sozialministeriums haben rund 335.000 Menschen in Rheinland-Pfalz eine anerkannte Behinderung. Das entspricht etwa acht Prozent der Bevölkerung. Lüke verweist darauf, dass der Anteil mit der alternden Gesellschaft wachse. „Je älter wir werden, desto größer ist die Chance, auch eine Behinderung zu erwerben“, sagte sie.

Barrierefreiheit meint dabei weit mehr als Rampen für Rollstühle. Lüke zitierte den Bundesbehindertenbeauftragten Jürgen Dusel: „Barrierefreiheit ist etwa für 10 Prozent der Menschen unerlässlich und für 90 Prozent ein schöner Komfort.“

Dazu gehören nach ihren Angaben unter anderem:

  • leichte Sprache für Menschen mit kognitiven Beeinträchtigungen
  • Gebärdensprachdolmetscher für gehörlose Menschen
  • gute Farbkontraste und Leitsysteme
  • passende Beleuchtung in Gebäuden und öffentlichen Räumen
  • zugängliche Angebote bei Digitalisierung, Freizeit und Mobilität

Lüke bringt Erfahrung aus Sozialarbeit und Sport mit

Lüke hat in Kassel Sozialarbeit und Sozialpädagogik auf Diplom studiert. Für die neue Aufgabe kündigte sie ihre unbefristete Stelle beim Deutschen Olympischen Sportbund in Frankfurt, wo sie als Referentin für Diversity und Inklusion arbeitete.

Zuvor war sie unter anderem im Krankenhaussozialdienst, in der Organisation persönlicher Assistenz und beim Paritätischen Landesverband in Hessen tätig. Ihr berufliches Ziel sei immer gewesen, die Lebensqualität von Menschen mit Behinderungen zu verbessern, sagte Lüke.

Sie selbst ist nach einer Erkrankung seit fast 30 Jahren inkomplett querschnittsgelähmt und auf einen Rollstuhl angewiesen. Nur ungefähr drei Prozent der Behinderungen seien angeboren, sagte sie. „Es kann schneller gehen als man denkt.“

Start Anfang September im Sozialministerium

Lüke beginnt ihre Aufgabe Anfang September. Landesbehindertenbeauftragte werden für eine Wahlperiode berufen. Ihr Arbeitsplatz liegt im Sozialministerium. Ihr Team besteht aus vier Mitarbeiterinnen auf 2,5 Stellen.

Im Ministerium arbeiten auch die Landesbeauftragte gegen sexualisierte Gewalt an Kindern und Jugendlichen, Anette Diehl, sowie Staatssekretärin Kathrin Anklam-Trapp, die zugleich Landesbeauftragte für gleichgeschlechtliche Lebensweisen und Geschlechtsidentität ist. Zu beiden sieht Lüke thematische Schnittmengen. Frauen mit Behinderungen seien viel öfter von Gewalt betroffen als Frauen ohne Behinderung, sagte sie. dpa/red

Autor:

Cornelia Bauer aus Speyer

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