Hitzeschäden im Wald: Was jetzt sichtbar wird
- Wie groß das Ausmaß des Schadens infolge von Hitze und Trockenheit im Wald ist, lässt sich noch nicht sagen.
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Baden-Württemberg. Beim Spaziergang im Wald können abgestorbene Äste und geschwächte Bäume zur Gefahr werden: In Baden-Württemberg hat Trockenheit und Hitze in diesem Sommer deutliche Spuren hinterlassen. „Den Wald hat's schwer getroffen“, sagte Waldbaureferent Alexander Abt von ForstBW in Tübingen. Wie groß der Schaden tatsächlich ist, wird nach Einschätzung von Fachleuten erst im Frühjahr sichtbar, wenn Bäume wieder austreiben oder ausfallen.
Schon jetzt werfen viele Laubbäume Blätter ab oder bilden keine Früchte. Damit verringern sie ihren Wasserverlust. In Baumkronen sterben Äste ab und können abbrechen. Für Waldbesucherinnen und Waldbesucher heißt das: Besonders bei Wind und nach längerer Trockenheit ist Vorsicht unter geschädigten Kronen sinnvoll. Werden Bäume geschwächt, haben zudem Insekten wie Borkenkäfer und Eichenprozessionsspinner leichteres Spiel.
Trockenstress trifft auch robuste Arten
Das Landwirtschaftsministerium kann das Ausmaß der Schäden noch nicht beziffern. Der aktuelle Stress werde sich erfahrungsgemäß auch auf die Folgejahre auswirken, hieß es. Besonders betroffen seien alte Bäume, die in einem kühleren und regenreicheren Klima aufgewachsen sind.
Jüngere Bestände wirkten dagegen widerstandsfähiger. Nach Angaben des Ministeriums bewähren sich Mischbaumarten, die in den vergangenen Jahren vermehrt gepflanzt oder gefördert wurden, sofern sie bereits ausreichend Wurzeln gebildet haben. Genannt werden Elsbeere, Speierling, Vogelkirsche, Spitzahorn und Hainbuche.
Sommer war so trocken wie lange nicht
Andrea Hölscher von der Forstlichen Versuchs- und Forschungsanstalt Baden-Württemberg spricht von einem „alarmierend trockenen“ Sommer. Im Mittel der vergangenen 15 Jahre sei es nicht so trocken gewesen. Vor allem an Waldrändern und Hängen zeigten Bäume seit Mitte oder Ende Juli Verfärbungen, wie sie sonst erst im Herbst auftreten.
Nach Angaben von FVA-Fachmann Sho Kawano zeigen etwa Rotbuche und Robinie Vergilbungen und Verbrennungserscheinungen. Dann kann ein Baum seine Photosynthese nicht mehr wie gewohnt leisten. Werden Leitungsbahnen geschädigt, kann der Wassertransport ausfallen. Auch Wurzeln können unter der Trockenheit leiden.
Welche Bäume sichtbar leiden
Die Reaktionen der Arten fallen unterschiedlich aus. Geschädigte Buchen können im kommenden Jahr kleinere Blätter oder Kronen ausbilden. Andere Schäden werden womöglich erst später sichtbar. Fachleute verweisen darauf, dass sich Folgen früherer Hitzesommer oft erst mit Verzögerung gezeigt haben.
Nadelhölzer seien derzeit weniger auffällig als Laubbäume. Das bedeute aber nicht, dass sie unbeschadet sind. „Die Tanne leidet lange unerkannt“, sagte Abt. Besonders stark betroffen seien nach seiner Einschätzung Buche, Kirsche und Birke. Besser kamen Douglasie, Spitzahorn und Linde durch den Sommer.
- Herbstlaub im Sommer kann ein Zeichen für Trockenstress sein.
- Abgestorbene Äste in Kronen erhöhen das Risiko von Astbruch.
- Geschwächte Bäume sind anfälliger für Schädlinge.
- Waldränder und trockene Hänge sind besonders belastete Standorte.
Umbau der Wälder dauert Generationen
ForstBW setzt auf eine größere Vielfalt an Baumarten und Genen. Als zukunftsfähig gelten nach Angaben des Landesbetriebs etwa Eiche und Elsbeere. Instabiler seien Fichten. Auch die Wuchshöhe spielt eine Rolle, weil hohe Bäume Wasser weiter nach oben transportieren müssen.
Fast 40 Prozent Baden-Württembergs sind bewaldet. ForstBW betreut mehr als 324.000 Hektar Staatswald und damit ein Viertel der Waldfläche im Land. Von Mitte Juli bis Mitte August wurde der Waldzustand im Rahmen der jährlichen Bestandsaufnahme erhoben. Erstmals wurden auch junge Bäume unter Altbäumen gezielt auf Trockenschäden untersucht. Die Auswertung dauert noch mehrere Monate.
Waldbesitzerinnen und Waldbesitzer erhalten laut Ministerium Unterstützung, etwa bei der Suche und Dokumentation von Borkenkäfer-Befallsherden sowie beim Transport und bei der Lagerung von Schadholz. Förderungen gibt es auch für Wiederbewaldung nach Extremwetterereignissen.
Das Ministerium rechnet damit, dass Wettersituationen wie in diesem Sommer künftig häufiger und intensiver auftreten können. Der Umbau zu klimaresilienteren Mischwäldern lasse sich nicht kurzfristig lösen. Abt spricht von einer Aufgabe über 100 bis 150 Jahre. Klar sei aus seiner Sicht, dass es weiter Wald geben werde, aber mit verändertem Aussehen: „Die Menschen müssen sich eingestehen, dass der Wald sein Gesicht verändert.“ dpa/red
Autor:Cornelia Bauer aus Speyer |
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