Gratis-Tampons in Baden-Württemberg: Städte zahlen teils 100.000 Euro
- Viele große Kommunen im Südwesten bieten in öffentlichen Gebäuden kostenlos Binden und Tampons an. (Illustration)
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Stuttgart. Kostenlose Tampons und Binden in Schulen oder öffentlichen Gebäuden werden in vielen Städten im Südwesten inzwischen bereitgestellt. Für Kommunen entstehen dadurch zum Teil jährliche Ausgaben von mehreren Zehntausend Euro.
Nach Angaben des Sozialministeriums kann ein fehlender Zugang zu Menstruationsprodukten die Gesundheit, die soziale Teilhabe sowie Bildungs und Arbeitschancen beeinträchtigen. Besonders betroffen sind Menschen mit geringem Einkommen. Deshalb haben zahlreiche Städte in Baden Württemberg in den vergangenen Jahren Spender mit kostenlosen Produkten eingeführt.
Wo es kostenlose Produkte gibt
Viele Kommunen stellen Tampons und Binden vor allem in Schulen bereit. Häufig kommen Automaten zum Einsatz. Beispiele aus größeren Städten:
- In Tübingen stehen insgesamt 26 Spender in Schulen und öffentlichen Gebäuden.
- In Mannheim wurden in zwölf Schulen Automaten installiert.
- In Karlsruhe können Produkte in den Schulsekretariaten weiterführender Schulen abgeholt werden.
- In Pforzheim gibt es Spender unter anderem in öffentlichen Toiletten, am Bahnhof und im Wildpark.
Teilweise wurden auch Rathäuser, Bibliotheken oder Museen ausgestattet. Tübingen hat etwa auch öffentliche Toiletten mit Automaten versehen.
Wie viel Geld die Städte ausgeben
Die Kosten unterscheiden sich deutlich von Kommune zu Kommune. Beispiele aus den Verwaltungen:
- Freiburg rechnet mit jährlichen Ausgaben im unteren sechsstelligen Bereich für Schulen, Sporthallen und öffentliche Toiletten.
- Heidelberg nennt rund 38.000 Euro pro Jahr für Produkte und Befüllung der Spender.
- Heilbronn gab im vergangenen Jahr etwa 8.500 Euro für Tampons und Binden aus.
- Mannheim plante für die Jahre 2025 und 2026 jeweils 10.000 Euro für die Erstausstattung an Schulen.
- Pforzheim veranschlagt im Schnitt rund 2.300 Euro jährlich.
Einführung meist erst seit wenigen Jahren
Viele Angebote sind relativ neu. Stuttgart begann 2020 damit. Freiburg und Heidelberg folgten 2022. Tübingen, Ulm und Ludwigsburg starteten 2023. Pforzheim und Heilbronn führten ihre Angebote 2024 ein. Mannheim plant die Ausstattung von Schulen ab 2025.
Konstanz testete 2024 zeitweise ein Pilotprojekt in mehreren Einrichtungen. Das Angebot wurde inzwischen weitgehend wieder beendet.
Warum Städte die Produkte kostenlos anbieten
Kommunen begründen das Angebot vor allem mit sozialer Teilhabe und gesundheitlichen Aspekten. Freiburg etwa erklärt, man wolle Barrieren abbauen, Chancengleichheit fördern und zu einem offenen Umgang mit dem Thema Menstruation beitragen.
Die Nachfrage gilt vielerorts als hoch. In Konstanz waren Spender während des Pilotprojekts teilweise schon nach zwei oder drei Tagen leer. Tübingen berichtet zugleich, dass bislang kein Vandalismus oder Missbrauch festgestellt wurde.
Zukunft wegen knapper Kassen offen
Angesichts der angespannten Haushaltslage vieler Kommunen ist unklar, ob alle Angebote dauerhaft bestehen bleiben. Heidelberg weist darauf hin, dass es sich um eine freiwillige Leistung handelt, über deren Fortführung in den Haushaltsberatungen entschieden wird.
Auch der Gemeindetag Baden Württemberg sieht derzeit wenig Spielraum für neue freiwillige Leistungen. Viele Städte und Gemeinden müssten sogar bestehende Angebote prüfen oder streichen. dpa/red
Autor:Cornelia Bauer aus Speyer |
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