Auftakt in Lindau: 70 Nobelpreisträger zur Jubiläumstagung
- Die Lindauer Wahrzeichen, der bayerische Löwe und Deutschlands südlichster Leichtturm, sind jedes Jahr Ziel von Nobelpreisträgern und Nachwuchswissenschaftlern aus der ganzen Welt. (Archivbild)
- Foto: Karl-Josef Hildenbrand/dpa
- hochgeladen von Cornelia Bauer
Lindau. Am Bodensee wird Wissenschaft zum Treffpunkt der Welt. In Lindau beginnt am Sonntag, 28. Juni, die 75. Nobelpreisträgertagung. Erwartet werden rund 70 Nobelpreisträgerinnen und Nobelpreisträger sowie mehr als 600 junge Forschende aus vielen Ländern.
Bundespräsident Frank Walter Steinmeier eröffnet das Jubiläumstreffen mit einer Rede. Ziel der traditionsreichen Tagung ist der direkte Austausch zwischen weltbekannten Preisträgern und wissenschaftlichem Nachwuchs. Das Motto lautet „bilden, inspirieren, vernetzen“.
Jubiläum bringt verschiedene Disziplinen zusammen
Die Lindauer Nobelpreisträgertagungen haben jedes Jahr unterschiedliche fachliche Schwerpunkte. Zum 75. Jubiläum setzen die Organisatoren auf ein interdisziplinäres Programm. Forschende aus verschiedenen Nobelpreis Bereichen kommen zusammen und diskutieren bis Donnerstag, 3. Juli, aktuelle Fragen aus Wissenschaft und Gesellschaft.
Nach Angaben des veranstaltenden Vereins haben seit Beginn der Treffen bereits rund 35.000 Studierende, Doktoranden und junge Akademiker teilgenommen. Für viele gilt der direkte Kontakt zu Nobelpreisträgern als seltene Gelegenheit zum Austausch und zur Inspiration.
Treffen der Wissenschaftsminister im Lindauer Hafen
Parallel zur Jubiläumstagung kommen am Montag, 29. Juni, auch die deutschen Wissenschaftsministerinnen und Wissenschaftsminister in Lindau zusammen. Ihre Konferenz findet auf einem Passagierschiff im Hafen statt.
Ein wichtiges Thema ist das geplante Innovationsfreiheitsgesetz. Damit sollen bürokratische Hürden in der Forschungsförderung reduziert werden. Forschende sollen weniger Zeit mit Verwaltung und mehr mit wissenschaftlicher Arbeit verbringen.
Tradition seit den frühen Nachkriegsjahren
Die Geschichte der Tagung reicht bis in die späten 1940er Jahre zurück. Die Ärzte Franz Karl Hein und Gustav Wilhelm Parade entwickelten die Idee, um die deutsche Wissenschaft nach der Zeit des Nationalsozialismus wieder stärker mit der internationalen Forschung zu vernetzen.
Unterstützt wurden sie vom Mainau Besitzer Graf Lennart Bernadotte. Dank seiner Verbindungen zum schwedischen Königshaus und zu den Nobelpreis Institutionen gelang es, führende Wissenschaftler an den Bodensee einzuladen. Das erste Treffen fand 1951 statt.
Zu den frühen Teilnehmern gehörte der Chemiker Otto Hahn, Nobelpreisträger für die Entdeckung der Kernspaltung. Auch Persönlichkeiten wie Niels Bohr oder Friedensnobelpreisträger Willy Brandt reisten später zu den Tagungen nach Lindau.
Wissenschaft im Stadtbild von Lindau sichtbar
Die Nobelpreisträgertagung prägt die Stadt inzwischen das ganze Jahr über. Im historischen Stadtkern informieren mehrere Säulen des sogenannten Wissenschaftspfads über Themen aus Forschung und Technik.
Auch der Nobelpreisträger Steg am Kleinen See erinnert an frühere Gäste. Dort sind die Namen vieler Preisträger in das Geländer eingraviert. Zum Jubiläum wurde der Steg um eine Brücke mit Ponton erweitert. Wassertaxis können nun direkt in der Nähe der Tagungshalle anlegen.
Der veranstaltende Verein engagiert sich zudem mit einer Online Mediathek für Schulen. Lehrkräfte finden dort Materialien zu Themen wie Klimawandel oder Armut.
Die Organisatoren sehen darin einen Kernauftrag der Tagungen. Wissenschaft soll sichtbar werden und junge Menschen für Forschung begeistern. dpa/red
Autor:Cornelia Bauer aus Speyer |
|
| Cornelia Bauer auf Facebook | |