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Hohe Nitratbelastung in Worms - die Folge einer mangelhaften Düngegesetzgebung über Jahrzehnte

Grafik mit Nitratergebnissen
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  • Harald Gülzow erläutert die Untersuchungsergebnisse
  • Foto: Ruben Wiltsch
  • hochgeladen von Harald Gülzow

Der VSR-Gewässerschutz führte am 18. Mai auf dem Römischen Kaiser in Worms Brunnenwasseranalysen durch. 44 Bürger gaben Wasserproben aus ihren Gartenbrunnen am Labormobil ab. „Wir analysierten die Wasserproben und erstellten für jede Probe ein ausführliches Gutachten zur Nutzungsmöglichkeit des jeweiligen Brunnenwassers, welches wir den Brunnenbesitzern zusandten. Damit möchten wir dazu beitragen, dass im Garten das oberflächennahe Grundwasser genutzt wird und die Trinkwasservorräte geschont werden“, erklärt Harald Gülzow, der das Projekt Brunnenwasseruntersuchungen koordiniert. Inzwischen hat die gemeinnützige Organisation auch die Nitratergebnisse aus Worms und Umgebung ausgewertet, um die Entwicklung der Nitratbelastung im Grundwasser zu beobachten. „Die bisherigen Messwerte zeigen, dass die ständigen Änderungen bei den Düngeregelungen auf den Feldern nicht dazu beigetragen haben die Nitratbelastung erfolgreich zu reduzieren“, erklärt er. Es fehlt eine Planungssicherheit für die Landwirte. Diese ist aber dringend notwendig, damit landwirtschaftliche Betriebe aktiv dazu beitragen, durch eine Kombination von Maßnahmen die Nitratkonzentration im Grundwasser zu verringern.

Die 1991 verabschiedete EU-Nitratrichtline besagt, dass die Nitratbelastung von 50 mg/l im Grundwasser nicht überschritten werden darf. Die nationalen Regierungen sind seitdem dazu aufgefordert, diese Forderung mittels Gesetzgebung entsprechend umzusetzen. In Deutschland zeigt sich allerdings auch nach annähernd 35 Jahren keine wirkliche Orientierung auf dieses Ziel hin. Es wirkt so, als drehe sich fast jede Änderung der Düngegesetze ausschließlich um die Frage, wie man einer Verurteilung durch den Europäischen Gerichtshof entgehen kann. Auch hier in der Region sind die negativen Folgen dieser Landwirtschaftspolitik sichtbar. „In jeder 3. Probe aus den privat genutzten Brunnen stellten wir eine Überschreitung von 50 mg/l Nitrat fest“, erklärt Harald Gülzow. Besonders kritisch sieht er die hohen Belastungen in den Gartenbrunnen in Mörstadt mit 193 mg/l, in Hochheim mit 190 mg/l, in Neuhausen mit 133 mg/l, in Wiesoppenheim mit 131 mg/l, in Pfifflingheim mit 126 mg/l und in Leiselheim mit 117 mg/l. Andere Brunnen sind nicht so stark belastet, überschreiten aber trotzdem deutlich den Grenzwert der Nitratrichtlinie. So fand der VSR-Gewässerschutz in Monzernheim 86 mg/l Nitrat, in Worms 84 mg/l und in Herrnsheim 68 mg/l.

Um die Nitratrichtlinie umzusetzen, gehörten viele landwirtschaftlichen Flächen mit hoher Nitratbelastung im Grundwasser von 2022 bis 2025 zu den „Roten Gebieten“ in denen strengere Düngeauflagen galten. Diese Auflagen sind aber aktuell ausgesetzt worden. Der VSR-Gewässerschutz ist besorgt, dass sich die Nitratbelastung in den nächsten Jahren auch nicht verringern wird, weil keine zusätzlichen Maßnahmen in diesen nitratbelasteten Gebieten mehr erfolgen. Das Bundesverwaltungsgericht hat die Kriterien, nach denen diese „Roten Gebiete“ festgelegt wurden, als zu ungenau bewertet. Aus diesem Grund haben alle Bundesländer die Ausweisung dieser belasteten Gebiete aufgehoben. „Wir sind fassungslos wie schlampig die Umsetzung der Nitratrichtlinie angegangen wird“, erklärt Harald Gülzow. Er fordert möglichst schnell eine Nachbesserung, damit in den besonders nitratbelasteten Bereichen eine weitere Verringerung der Nitratbelastung erreicht wird.

Fazit aus den bisherigen Auswertungen: „Es reicht nicht, nur die Düngemengen zu betrachten. Es müssen mehrere landwirtschaftliche Maßnahmen kombiniert werden“, sagt Harald Gülzow. Die Pflicht zum Anbau von Zwischenfrüchten in den „Roten Gebieten“ bewertet er als sehr zielführend. Diese verhindern, dass die übriggebliebenen Stickstoffe bei Regenfällen ins Grundwasser ausgewaschen werden. In Worms bestehen die landwirtschaftlichen Flächen zu 67 % aus Ackerflächen. Dort ist die Gefahr der Nitratauswaschung höher, als unter Grünland. Das liegt daran, dass Grünland eine ganzjährige ununterbrochene Begrünung der Fläche mit einer intensiven Durchwurzelung aufweist und dadurch das Nitrat aus dem Dünger weniger ausgewaschen wird. Das ist bei Ackerflächen nicht der Fall. Besonders hoch ist die Nitratverlagerung im Winter unter Feldern, die keine Bodenbedeckung aufweisen. Der VSR-Gewässerschutz fordert den verpflichtenden Anbau von Zwischenfrüchten in den nitratbelasteten Bereichen. Weiterhin darf es im Winter keine Felder ohne Bewuchs geben. Auch Agroforst, die Kombination von Land- und Forstwirtschaft, stellt eine gute Ergänzung dar, um die Verlagerung der Stickstoffe in die Tiefe zu verhindern.

Informationen zu den Auswertungen aus Worms

Bürger, die den Termin am Informationsstand verpasst haben, können sich die Auswertung von den Brunnenwasseruntersuchungen in Worms auf der Homepage anschauen. Dort erfahren die Brunnenbesitzer auch, wie sie noch bis Ende November eine Wasserprobe mit der Post zusenden können. Informationen dazu findet man auf der Homepage vsr-gewaesserschutz.de/regionales/rheinland-pfalz-saarland/stadt-worms/Brunnen

Über den VSR-Gewässerschutz

Das gelbe Labormobil ist von April bis September unterwegs, um Brunnenwasserproben zu untersuchen und Bürger am Informationsstand zu informieren. Im Winter werden dann Flüsse und Bäche beprobt, um festzustellen, inwieweit die Nitrate im Grundwasser zur Belastung in den Flüssen und Bächen führt. Für viele Bäche stellt das Zusickern des nitratbelasteten Grundwassers eine Hauptursache für die starke Nitratbelastung dar.

Grafik mit Nitratergebnissen
Harald Gülzow analysiert Brunnenwasserprobe
Autor:

Harald Gülzow aus Speyer

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