Zugunglück bei Riedlingen: Feuerwehr ringt weiter mit Folgen

Die beiden Feuerwehrleute waren beim Zugunglück in Riedlingen im Einsatz.  | Foto: Bernd Weißbrod/dpa
  • Die beiden Feuerwehrleute waren beim Zugunglück in Riedlingen im Einsatz.
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Riedlingen. Für Bahnreisende ist die Strecke bei Riedlingen zwar wieder befahrbar. Für viele Einsatzkräfte der Feuerwehr ist das tödliche Zugunglück vom 27. Juli aber bis heute präsent.

Knapp ein Jahr nach der Katastrophe im Landkreis Biberach berichten der damalige Einsatzleiter Thomas Steinhardt und Stadtbrandmeister Stefan Kuc von den dramatischen Stunden am Unglücksort. Ein Regionalexpress war nach einem mutmaßlichen Hangrutsch entgleist und gegen einen Baum geprallt. Drei Menschen starben. Mehr als 30 Fahrgäste wurden verletzt. Einige von ihnen lebensgefährlich.

Routineeinsatz wird zur Katastrophe

Ausgelöst wurde der Einsatz nach Angaben der Feuerwehr zunächst durch einen vermeintlichen Unwetterschaden. Gemeldet waren ein umgestürzter Baum und ein herausgespülter Kanaldeckel an einer schmalen Straße neben der Bahnstrecke. Erst auf der Brücke über den Gleisen habe sich das ganze Ausmaß gezeigt.

Die Feuerwehrabteilung Zell-Bechingen sei als erste Einheit vor Ort gewesen, sagte Kuc. Die Kräfte seien „von null auf Hundert“ in eine außergewöhnliche und chaotische Lage gekommen. Zunächst hätten sie Verletzte betreuen und versorgen müssen, noch bevor weitere Hilfe eintraf.

Schwierige Rettung an steiler Böschung

Nach bisherigen Ermittlungen von Staatsanwaltschaft und Bundesstelle für Eisenbahnunfalluntersuchung hatte vermutlich ein Hangrutsch das Unglück ausgelöst. Nach heftigen Regenfällen war Erdreich auf die Gleise geraten. Der Regionalexpress prallte gegen das Hindernis, entgleiste, fuhr die Böschung hinauf und stieß gegen einen Baum. Mehrere Waggons kippten um und verkeilten sich.

Für die Rettungskräfte war der Zugang besonders schwierig. Die Strecke verläuft zwischen zwei Hängen. Die Böschung sei steil gewesen und mit kleinen Bäumen und Sträuchern bewachsen, berichtete Steinhardt. Ziel sei gewesen, die Fahrgäste so schnell wie möglich aus dem Zug zu holen und nach oben zu bringen.

  • Drei Menschen starben bei dem Unglück
  • Mehr als 30 Fahrgäste wurden verletzt
  • Die Rettungsarbeiten dauerten bis in den Morgen

Erinnerungen bleiben für viele Einsatzkräfte

Besonders belastend seien die ersten Eindrücke am Zug gewesen. Die Leichen des Lokführers und eines Auszubildenden der Bahn wurden aus den Waggons geschleudert. Auch eine 70 Jahre alte Frau im vorderen Wagen wurde tot gefunden.

Steinhardt schilderte zudem die Begegnung mit einem schwer verletzten Fahrgast am Fenster. Dieser habe auf weitere Eingeklemmte hingewiesen, darunter auch eine schwangere Frau. Wie viele Menschen insgesamt im Zug waren und ob sich noch weitere Opfer unter den Waggons befanden, sei zunächst unklar gewesen.

Aufarbeitung dauert bis heute an

Die Rettungsarbeiten dauerten laut Kuc von 18.13 Uhr bis gegen 4 Uhr am nächsten Morgen. Anwohner entlang der Strecke hätten Verletzte und Einsatzkräfte unterstützt. Auch Krankenhäuser in der Region bereiteten sich auf zahlreiche Verletzte vor. Rettungshubschrauber landeten auf nahen Wiesen.

Nach dem Einsatz habe es Gesprächsrunden und Hilfsangebote gegeben. Einige Feuerwehrleute hätten sich weitere Unterstützung gesucht, um das Erlebte zu verarbeiten. Vergessen werde das Unglück in Riedlingen nicht, sagte Kuc. Ein Untersuchungsbericht soll am Jahrestag veröffentlicht werden. dpa/red

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Autor:

Cornelia Bauer aus Speyer

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