Revision im Fall Niedernhall: Mordurteil nach Tod eines Jungen vor BGH
- Der Bundesgerichtshof prüft das Urteil im Fall Niedernhall. (Archivbild)
- Foto: Marijan Murat/dpa
- hochgeladen von Cornelia Bauer
Niedernhall. Nach dem Mordurteil gegen einen 18‑Jährigen wegen des Todes eines zwölfjährigen Jungen auf einem Supermarkt-Parkplatz in Niedernhall haben Staatsanwaltschaft, Nebenklage und Verteidigung Revision eingelegt.
Das Landgericht hatte den jungen Mann am 18. Mai zu einer Jugendstrafe von sechs Jahren und sechs Monaten verurteilt. Zudem wurde ihm der Führerschein entzogen. Mit der Revision befasst sich nun der Bundesgerichtshof. Er prüft, ob der Jugendkammer bei ihrem Urteil Rechtsfehler unterlaufen sind.
Streit auf Parkplatz eskalierte
Der Fall hatte weit über die kleine Gemeinde im Nordosten Baden-Württembergs hinaus Entsetzen ausgelöst. Am 11. September war der zwölfjährige Junge auf dem Parkplatz eines Supermarktes von dem Auto des damals 18‑Jährigen erfasst worden und noch am Unfallort gestorben.
Dem Geschehen war ein Streit zwischen dem Kind und einem Freund des Angeklagten vorausgegangen. Nach Darstellung der Anklage soll der junge Fahrer aus Wut und Rache gehandelt haben. Demnach verfolgte er den Jungen mit dem Auto, fuhr ihn an und schleifte ihn mehr als 20 Meter mit.
Anklage spricht von Rache
Die Staatsanwaltschaft hatte im Prozess eine Jugendstrafe von neun Jahren gefordert. Die Verteidigung sprach dagegen von einem tragischen Unfall infolge eines Fahrfehlers und plädierte lediglich für sogenannte Zuchtmittel wie Auflagen.
Der Angeklagte erklärte über seinen Anwalt, er habe den Parkplatz nach dem Streit verlassen wollen. Wegen mangelnder Erfahrung mit seinem neuen Auto sei es zu einem Fahrfehler gekommen. Die Jungen habe er nicht gesehen. Er habe nur einen Schlag gespürt, als sei er gegen einen Bordstein gefahren.
Der Vorsitzende Richter bezeichnete das Geschehen bei der Urteilsverkündung als „unbegreiflich“. Mit den eingelegten Revisionen muss nun der Bundesgerichtshof den Fall juristisch überprüfen. dpa/red
Autor:Cornelia Bauer aus Speyer |
|
| Cornelia Bauer auf Facebook | |